Ein Traum ist unerlässlich, wenn man die Zukunft gestalten will.
Victor Hugo (französischer Schriftsteller, 1802–1885)
• Wovon träume ich?
• Wie kann ich aktiv werden, damit aus meinem Traum Wirklichkeit wird?
Ein Traum ist unerlässlich, wenn man die Zukunft gestalten will.
Victor Hugo (französischer Schriftsteller, 1802–1885)
• Wovon träume ich?
• Wie kann ich aktiv werden, damit aus meinem Traum Wirklichkeit wird?
Lösch mir die Augen aus: ich kann dich sehen,
wirf mir die Ohren zu: ich kann dich hören,
und ohne Füße kann ich zu dir gehen,
und ohne Mund noch kann ich dich beschwören.
Brich mir die Arme ab: ich fasse dich
wie mit dem Herzen, wie mit einer Hand,
halt mir das Herz zu, und mein Hirn wird schlagen,
und wirfst du mein Hirn in Brand,
so werd ich dich auf meinem Blute tragen.
Rainer Maria Rilke (1897)
Lou Andreas-Salomé
Foto Atelier Elvira, um 1897
Rainer Maria Rilke, Foto um 1900
Dieses Gedicht gehört zu den radikalsten Liebesgedichten des jungen Rainer Maria Rilke.
Es entstand 1897 – in einer Lebensphase, in der Rilke leidenschaftlich mit der Schriftstellerin Lou Andreas-Salomé verbunden war.
Die Literaturwissenschaftlerin Sandra Richter deutet dieses Gedicht in einem Beitrag des Österreichischen Rundfunks nicht primär als romantischen Text, sondern als Ausdruck einer existenziellen Abhängigkeit.
Alles Körperliche kann verloren gehen – doch das Du bleibt.
Nicht als Idee, sondern als körperlich empfundene Notwendigkeit.
Der biografische Hintergrund verschärft die Lesart:
Während eines gemeinsamen Sommers wandte sich Lou Andreas-Salomé einem russischen Intellektuellen zu, der für ihre schriftstellerische Laufbahn Bedeutung hatte. Rilke wurde räumlich getrennt und emotional marginalisiert. Aus dieser Erfahrung der Verlassenheit heraus entstand ein Gedicht, das nicht idealisiert, sondern überlebt.
Nach Richter markiert dieser Text zugleich den Übergang vom schwärmerischen Liebhaber zum werdenden Autor der Moderne.
Hier beginnt jenes Schreiben, das später nicht mehr tröstet, sondern trägt.
Österreichischer Rundfunk, Ö1, Sendung „Gedanken für den Tag“ (Lesung & Gespräch), mit Interpretation von Sandra Richter.
Zusammenfassung des TED Talks: „Glücklich werden durch Dankbarkeit“ von David Steindl-Rast
Alle Menschen – egal woher sie kommen – haben eines gemeinsam: den Wunsch, glücklich zu sein. Doch was ist der Weg dorthin? Bruder David Steindl-Rast, Benediktinermönch und spiritueller Lehrer, widerspricht einer weit verbreiteten Annahme: Nicht Glück führt zur Dankbarkeit – sondern Dankbarkeit führt zum Glück.
Er beobachtet, dass viele Menschen trotz Wohlstand unglücklich sind, während andere unter schwierigsten Umständen tiefe Freude ausstrahlen. Der Schlüssel dazu ist die Fähigkeit, das Leben als Geschenk zu sehen. Dankbarkeit entsteht, wenn zwei Dinge zusammentreffen: Wir erhalten etwas Wertvolles – und zwar unverdient. Es wird uns geschenkt. In solchen Momenten empfinden wir echte Dankbarkeit – und spüren inneres Glück.
Bruder David lädt uns ein, nicht nur gelegentlich dankbar zu sein, sondern ein dankbares Leben zu führen. Das bedeutet, jeden Moment als Geschenk zu erkennen – auch die schwierigen. Nicht alles ist dankenswert (z. B. Krieg, Verlust), doch in jedem Moment liegt eine neue Chance, sinnvoll zu reagieren. Auch Schmerz kann Gelegenheit sein: zu wachsen, sich zu engagieren, Geduld zu üben, das Gute zu suchen.
Sein einfacher, praktischer Ratschlag lautet:
„Stop – Look – Go“ (Stehen – Sehen – Gehen)
Wir sollen innehalten, bewusst wahrnehmen und dann handeln – aus Dankbarkeit heraus. Selbst kleine Rituale (z. B. Aufkleber auf dem Lichtschalter) können uns erinnern, wie viel wir geschenkt bekommen.
Bruder David sieht in dieser Haltung eine friedliche Revolution: Dankbare Menschen haben keine Angst, sie handeln aus Fülle statt aus Mangel, begegnen anderen respektvoll und offen. Eine dankbare Welt ist eine glückliche, friedvolle Welt – und sie beginnt bei jedem Einzelnen von uns.
„Stehen – Sehen – Gehen. So können wir die Welt verändern – durch Dankbarkeit.“
— Br. David Steindl-Rast
TEDGlobal 2013, Edinburgh
ein Beitrag von Harald R. Preyer,
systemischer Coach und geistlicher Begleiter in Wien
Wann immer ich daran denke, stelle ich mir die Frage „Warum freue ich mich?“ Das gibt mir sehr viel Kraft und mobilisiert meine Vertrauensenergie. Was passiert dabei? Warum tut mir das so gut?
Warum Freude und Dankbarkeit die besten Begleiter sind
Jeder kennt diese Tage, an denen alles zu viel wird. Stress, Erwartungen, Herausforderungen – und plötzlich fühlt sich das Leben wie eine To-Do-Liste an, die nie endet. Schnell macht sich Resignation breit. Was wäre, wenn es eine einfache, wissenschaftlich belegte Möglichkeit gäbe, sich aus diesem Kreislauf zu befreien und neue Energie zu gewinnen? Zwei Fragen reichen aus:
Warum freue ich mich?
Wofür bin ich dankbar?
Diese beiden Fragen sind weit mehr als positive Gedanken. Sie sind ein kraftvolles Werkzeug, das nachweislich die mentale Stärke, die emotionale Resilienz und die allgemeine Lebenszufriedenheit erhöht. Studien zeigen, dass sowohl Freude als auch Dankbarkeit neurologische und psychologische Prozesse aktivieren, die langfristig unser Wohlbefinden steigern. Wie genau funktioniert das?
Freude: Die sofortige Energiequelle
Freude ist einer der stärksten Motivatoren im menschlichen Gehirn. Eine Studie der University of California (Fredrickson & Joiner, 2018) zeigt, dass positive Emotionen wie Freude nicht nur das Wohlbefinden steigern, sondern auch kreatives Denken und Problemlösungsfähigkeiten verbessern. Freude aktiviert das Belohnungssystem im Gehirn, setzt Dopamin frei und erhöht die Motivation. Wer sich regelmäßig fragt: Warum freue ich mich?, trainiert das Gehirn darauf, Positives bewusster wahrzunehmen.
Dankbarkeit: Der nachhaltige Stabilitätsanker
Während Freude oft ein spontanes Gefühl ist, wirkt Dankbarkeit langfristig. Die Harvard Medical School (2019) verweist auf Studien, die belegen, dass Menschen, die sich regelmäßig mit Dankbarkeit beschäftigen, weniger Stress und Depressionen erleben und sogar ein stärkeres Immunsystem entwickeln. Dankbarkeit aktiviert den präfrontalen Kortex, der für reflektiertes Denken zuständig ist, und schafft eine mentale Stabilität, die unabhängig von äußeren Umständen wirkt.
Schutzmechanismus gegen negative Gedankenspiralen
Dankbarkeit reduziert nachweislich Symptome von Depressionen und Ängsten. Eine Studie von Wood et al. (2010) zeigt, dass dankbare Menschen seltener unter negativen Gedankenspiralen leiden, die zu Hoffnungslosigkeit und suizidalen Gedanken führen können. Durch den bewussten Fokus auf positive Erlebnisse und Ressourcen wird das Gehirn darauf trainiert, nicht in destruktive Muster abzurutschen.
Steigerung des Selbstwertgefühls
Menschen mit niedrigem Selbstwertgefühl profitieren besonders von Dankbarkeitspraktiken. Emmons & McCullough (2003) fanden heraus, dass regelmäßige Dankbarkeitseinträge in Tagebüchern nicht nur das Wohlbefinden, sondern auch das Selbstbild nachhaltig verbessern. Wer sich bewusst macht, wofür er dankbar sein kann, entwickelt eine positivere Sicht auf sich selbst und das eigene Leben.
Reduktion von Aggression und Impulsivität
Studien belegen, dass Dankbarkeit nicht nur den inneren Frieden stärkt, sondern auch aggressives Verhalten reduziert. Bartlett et al. (2006) zeigen, dass Menschen, die regelmäßig Dankbarkeit praktizieren, weniger zu impulsiven Wutausbrüchen neigen. Dankbarkeit fördert Empathie und Mitgefühl, was wiederum hilft, aggressive Impulse zu kontrollieren und zwischenmenschliche Konflikte zu entschärfen.
Warum also nicht beide Fragen verbinden? Freude gibt uns Energie für den Moment, Dankbarkeit gibt uns Beständigkeit für das Leben. Wenn wir lernen, beides in unseren Alltag zu integrieren, entsteht eine kraftvolle innere Haltung:
Morgens: „Wofür bin ich heute dankbar?“ – als bewusste Ausrichtung
Tagsüber: „Warum freue ich mich gerade?“ – als spontane Erinnerung an das Gute
Abends: „Wofür war ich heute dankbar?“ – als Reflexion für mehr Erfüllung
In meinen Coachings nutze ich diese Methode als bewusste Praxis. Kunden berichten, dass sie durch diese einfachen Fragen Stress reduzieren, Entscheidungsprozesse klarer werden und sie sich emotional ausgeglichener fühlen. Sie lernen, Freude nicht dem Zufall zu überlassen, sondern bewusst zu aktivieren – und Dankbarkeit als mentale Ressource zu nutzen.
Einfachheit ist oft der passende Schlüssel zur Veränderung. Wenn du das nächste Mal in einem hektischen Moment feststeckst oder tiefe Traurigkeit spürst, probiere es aus: Warum freue ich mich (trotzdem)? Wofür bin ich (gerade jetzt) dankbar? Die Antworten könnten dein Leben verändern.
Fredrickson, B. L., & Joiner, T. (2018). Positive emotions trigger upward spirals toward emotional well-being.Psychological Science, 13(2), 172-175.
Harvard Medical School (2019). Giving thanks can make you happier. https://www.health.harvard.edu/healthbeat/giving-thanks-can-make-you-happier
Wood, A. M., Froh, J. J., & Geraghty, A. W. (2010). Gratitude and well-being: A review and theoretical integration.Clinical Psychology Review, 30(7), 890-905.
Emmons, R. A., & McCullough, M. E. (2003). Counting blessings versus burdens: An experimental investigation of gratitude and subjective well-being in daily life. Journal of Personality and Social Psychology, 84(2), 377-389.
Bartlett, M. Y., & DeSteno, D. (2006). Gratitude and prosocial behavior: Helping when it costs you. Psychological Science, 17(4), 319-325.
Ein Artikel in der ZEIT vom 1. Februar 2025 hat mich dazu inspiriert, Erfahrungen aus Gesprächen mit Kunden über Antriebslosigkeit, Traurigkeit bis hin zu Depressionen zu reflektieren. Ob dabei die Hilfe eines Facharztes notwendig ist oder einfühlsames Zuhören genügt, ist bereits nach wenigen Minuten erkennbar.
Sternennacht, Vincent van Gogh, 1889, MoMA, New York City
Öl auf Leinwand, 73,7 × 92,1 cm
Depressionen verlaufen individuell, aber es gibt bewährte Wege, um sie zu überwinden. Der Artikel zeigt anhand von neun persönlichen Berichten zentrale Strategien auf, die den Betroffenen geholfen haben.
Viele Betroffene berichten, dass ein Schlüsselmoment die Wiederkehr der Hoffnung war – oft durch eine professionelle Diagnose, den Beginn einer Therapie oder einen ermutigenden Satz von Ärzten. Hoffnung gibt die Kraft, weiterzumachen.
Medikamente wirken nicht bei jedem, aber wenn sie helfen, können sie die Wahrnehmung positiv verändern und den Heilungsprozess unterstützen. Ebenso helfen Psychotherapien dabei, Gedankenmuster zu durchbrechen und emotionale Belastungen zu verarbeiten.
Viele Depressive ziehen sich zurück, aus Angst, eine Last zu sein. Doch der Austausch mit Freunden oder das Gespräch mit Therapeuten kann entlasten. Zu erkennen, dass man nicht allein ist, lindert Scham und fördert den Heilungsprozess.
Selbst kleine Tätigkeiten wie Gartenarbeit oder Spazierengehen können helfen, die Lähmung der Depression zu durchbrechen. Bewegung steigert die neuronale Plastizität, macht empfänglicher für positive Reize und stärkt das Selbstwertgefühl.
Achtsamkeit und Dankbarkeit sind bewährte Methoden, um depressive Muster zu verändern. Wer sich auf kleine positive Momente konzentriert und sie bewusst festhält (z. B. durch ein Dankbarkeitstagebuch), trainiert sein Gehirn, das Leben positiver zu sehen.
Chronisches Grübeln verstärkt Depressionen. Methoden wie expressives Schreiben oder gezielte „Grübelzeiten“ helfen, Gedanken zu ordnen und sich nicht von ihnen kontrollieren zu lassen.
Kognitive Verhaltenstherapie hilft, negative Denkmuster („Ich bin wertlos“) durch realistischere, positivere Gedanken zu ersetzen. Dies stärkt das Selbstbild und verbessert langfristig die emotionale Stabilität.
Viele Depressive haben den Zugang zu ihren Emotionen verloren. Durch therapeutische Übungen lernen sie, ihre Gefühle wieder wahrzunehmen, zu benennen und gesund mit ihnen umzugehen.
Wer sich mit seinen Prägungen und biografischen Mustern auseinandersetzt, kann erkennen, wie sie die eigene psychische Gesundheit beeinflussen. Dies kann den Weg zu positiven Veränderungen im Leben ebnen.
Jeder Weg aus der Depression ist individuell. Doch die Kombination aus Hoffnung, therapeutischer Unterstützung, Aktivität, sozialen Kontakten, bewusster Wahrnehmung, Dankbarkeit und dem Hinterfragen eigener Gedanken kann eine nachhaltige Heilung ermöglichen.
In „Idiota de sapientia“ (Der Laie über die Weisheit, 1450) untersucht Nikolaus von Kues in dialogischer Form das Wesen der Weisheit und die menschliche Fähigkeit, sie zu erlangen. Der Text ist Teil einer Reihe von Dialogen, in denen ein einfacher, ungelehrter Mann (der „Idiota“) mit einem gebildeten Gesprächspartner (einem Gelehrten) diskutiert. Der Idiota verkörpert intuitive Einsicht und praktisches Denken, während der Gelehrte das formale Wissen und die scholastische Methode repräsentiert.

Hauptthemen und Inhalte:
1. Die Quelle der Weisheit
Nikolaus stellt die Frage, was wahre Weisheit ist und woher sie stammt. Der Idiota argumentiert, dass Weisheit nicht durch Bücher oder gelehrtes Wissen erlangt wird, sondern durch die natürliche Fähigkeit des menschlichen Geistes, die Wahrheit zu erkennen.
Weisheit ist eine Gabe Gottes, die in jedem Menschen angelegt ist. Sie zeigt sich durch Einsicht, praktische Klugheit und ein Leben in Harmonie mit der göttlichen Ordnung.
2. Der Unterschied zwischen Weisheit und Gelehrsamkeit
Der Idiota kritisiert die Gelehrten, die oft in abstrakten Konzepten und formalen Disputen verstrickt sind, ohne die essenzielle Wahrheit zu erreichen.
Weisheit ist keine Frage des umfangreichen Wissens, sondern des Verstehens der Dinge in ihrem wahren Wesen. Praktische Erfahrung und inneres Streben nach Wahrheit sind wichtiger als reine Theorie.
3. Die Rolle der Intuition
Nikolaus betont die Bedeutung der Intuition für das Verstehen. Der Idiota erklärt, dass die Erkenntnis der Wahrheit nicht allein durch logisches Denken erfolgt, sondern durch eine direkte, intuitive Einsicht.
Diese Einsicht ist ein Weg, Gott näherzukommen, da die höchste Weisheit in der Erkenntnis der göttlichen Wahrheit liegt.
4. Das Gleichnis von der Münze
Der Idiota verwendet das Bild einer Münze, um Weisheit zu erklären. Die Münze hat einen inneren Wert, der durch äußere Prägungen nicht verändert wird. Ebenso besitzt der Mensch eine innere, von Gott gegebene Weisheit, die unabhängig von äußeren Einflüssen ist.
5. Das Ziel der Weisheit
Die höchste Form der Weisheit ist, das eigene Leben im Einklang mit der göttlichen Ordnung zu gestalten.
Ein weiser Mensch erkennt, dass wahres Glück in der Gemeinschaft mit Gott und der Harmonie mit der Welt liegt.
„Idiota de sapientia“ ist ein Appell an die Einfachheit des Denkens und das Vertrauen in die innere Einsicht. Es zeigt die Überzeugung des Cusanus, dass wahre Weisheit eine Brücke zwischen Mensch und Gott schlägt und über die Grenzen des reinen Verstandes hinausgeht.
Auch passend zum Thema:
Predigt von Bischof Dr. Manfred Scheuer bei der Zeugnisfeier für die Absolvent:innen des Theologischen Fernkurses in Puchberg am 13.09.2024
Nikolaus von Kues (1401–1464) war ein Universalgelehrter, der als Philosoph, Theologe und Kardinal die Brücke zwischen Mittelalter und Neuzeit schlug. Mit seiner Lehre von der „gelehrten Unwissenheit“ und dem „Zusammenfall der Gegensätze“ inspirierte er Generationen. Er suchte nach Einheit in Vielfalt und setzte sich für Toleranz zwischen Religionen ein. Seine Vision von Gott als unendlicher Einheit prägt sein Denken. Nikolaus bleibt ein Wegweiser für die, die sich den großen Fragen des Lebens stellen.
Harald Preyer ist systemischer Coach und geistlicher Begleiter in Wien, der Menschen in herausfordernden Lebensabschnitten begleitet. Sein Anliegen ist es, Brücken zwischen Denken, Glauben und Menschlichkeit zu bauen. Dankbarkeit ist für ihn dazu ein wertvoller Schlüssel.
Von Harald R. Preyer
Die dynamische Welt von heute erfordert eine neue Art des Führens, die nicht auf starren Hierarchien, sondern auf Anpassungsfähigkeit, Sinnstiftung und kollektiver Intelligenz basiert.
Dieser Ansatz, den ich als Evolutionäre Führung bezeichne, ermöglicht es Organisationen, nicht nur auf Veränderungen zu reagieren, sondern aktiv in einer komplexen Welt zu gedeihen. Dabei greift er auf Erkenntnisse aus der Evolutionstheorie, Systemtheorie und Logotherapie zurück.
Es ist bemerkenswert, dass Benedikt von Nursia, der Begründer des europäischen Mönchtums, bereits im 6. Jahrhundert viele dieser Prinzipien formulierte und in seiner Regula Benedicti niederschrieb.
Die Essenz der Evolutionären Führung
Evolutionäre Führung versteht sich als lebendiges Modell, das die Prinzipien natürlicher Systeme auf Organisationen überträgt. Es beruht auf drei wesentlichen Grundpfeilern:
Merkmale Evolutionärer Führungskräfte
Führung in diesem Stil erfordert eine Neuausrichtung auf folgende Kompetenzen:
Evolutionäre Führungsmenschen haben die Fähigkeit, Strategien in Echtzeit anzupassen und dabei das große Ziel konsequent weiter zu verfolgen. Sie schaffen starke Verbindungen und setzen ihre emotionale Intelligenz ganz natürlich ein.
Das befähigt Mitarbeitende, autonom und verantwortungsvoll zu handeln. So lernt die gesamte Organisation schnell, Herausforderungen mit Zuversicht zu begegnen und aus ihnen zu lernen.
Die Bedeutung von Feedback-Schleifen
In evolutionären Systemen sichern Feedback-Schleifen Stabilität und Wachstum. Unternehmen können dies umsetzen durch:
Herausforderungen und Lösungen
Die Umsetzung Evolutionärer Führung ist nicht ohne Hindernisse:
Fallstudien: Evolutionäre Führung in der Praxis
Wissenschaftlicher Kontext
Die Prinzipien Evolutionärer Führung lassen sich mit Arbeiten führender Wissenschaftler und Philosophen verbinden:
Fazit: Die Zukunft gehört Evolutionären Führungskräften
Evolutionäre Führung ist mehr als ein Trend; sie ist eine Notwendigkeit für Organisationen, die in einer Welt voller Komplexität und Unsicherheit bestehen wollen. Indem sie Anpassungsfähigkeit, kollektive Intelligenz und Sinnorientierung fördern, schaffen Führungskräfte nicht nur nachhaltigen Erfolg, sondern auch eine bessere Welt.
Dieser Artikel zeigt, wie sich die Prinzipien Evolutionärer Führung auf unterschiedlichste Branchen anwenden lassen – vom Technologieunternehmen bis zur Bank – und wie sie dazu beitragen, die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu meistern. Harald R. Preyer ist systemischer Coach, geistlicher Begleiter und Autor aus Wien. Seine Arbeit konzentriert sich auf Führung, Transformation und sinnorientiertes Leben.
Erstellt am 30.12.2017
Überarbeitet am 6.12.2024
Ein Beitrag zu Viktor E. Frankl’s Menschenbild von Harald R. Preyer
Seit Jahrtausenden fragen Philosophen: „Was ist der Mensch?“ Viktor E. Frankl, Begründer der Logotherapie und Existenzanalyse, hat darauf eine Antwort gegeben, die aus der Masse heraussticht. Er sieht den Menschen als ein Wesen, das nicht nur denkt und fühlt, sondern vor allem Sinn sucht – selbst unter den widrigsten Bedingungen. Mit seinem dreidimensionalen Menschenbild und zehn bahnbrechenden Thesen hat Frankl eine Philosophie entwickelt, die uns heute eine radikale Neuinterpretation des Menschseins bietet.
Bereits die antiken Philosophen wie Platon und Aristoteles beschrieben den Menschen als Wesen mit drei Dimensionen: Körper, Seele und Geist. Doch Frankl brachte dieses klassische Modell auf eine neue Ebene. Während frühere Denker den Geist oft auf theoretisches Wissen oder göttliche Erkenntnis reduzierten, sah Frankl ihn als aktive, sinnstiftende Kraft. Der Geist ist für ihn nicht nur ein abstrakter Gedanke, sondern die Instanz, die Freiheit und Verantwortung möglich macht.

Diese geistige Dimension ermöglicht dem Menschen, selbst unter extremen Bedingungen Haltung zu bewahren. In Frankls Worten: „Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unserer Antwort.“ Diese Freiheit, sich zu den eigenen Umständen zu verhalten, ist es, die den Menschen nach Frankl wirklich menschlich macht.
Frankls Modell gliedert den Menschen in drei Dimensionen, die untrennbar miteinander verbunden sind, aber jeweils eine einzigartige Bedeutung haben:
Frankl stellt klar: Während Körper und Seele von äußeren Umständen beeinflusst werden können, bleibt der Geist frei. Diese Freiheit ermöglicht es dem Menschen, in Krisen Sinn zu finden und über sich hinauszuwachsen.
Frankls zehn Thesen konkretisieren sein revolutionäres Menschenbild. Besonders betont er die Einzigartigkeit und Würde des Menschen sowie dessen Fähigkeit zur Selbsttranszendenz:
Was Frankls Ansatz so bahnbrechend macht, ist die Einführung der Selbsttranszendenz. Der Mensch erfüllt sich nicht durch Selbstverwirklichung, sondern durch Hingabe an etwas oder jemanden, das bzw. der über ihn hinausgeht. Dies kann ein geliebter Mensch, ein bedeutungsvolles Projekt oder eine Haltung gegenüber dem eigenen Schicksal sein.
Besonders radikal ist Frankls Idee, dass sogar das Leiden Sinn haben kann. „Wenn wir ein Warum zu leben haben, ertragen wir fast jedes Wie“, schrieb er. Damit widerspricht er der klassischen Philosophie, die das Leid oft als bloße Bürde sah. Für Frankl ist es eine Chance, das Menschsein zu bewähren.
Frankl betont, dass der Mensch durch die geistige Dimension die Freiheit besitzt, sich zu seinen Lebensumständen zu verhalten und Verantwortung zu übernehmen. Dies unterscheidet ihn von Tieren, die primär durch Instinkte geleitet werden.
Elisabeth Lukas, eine Schülerin Frankls, erweitert dieses Konzept in ihrem Buch „Freiheit und Geborgenheit: Süchten entrinnen – Urvertrauen gewinnen“. Sie betont, dass Liebe und Humor den Menschen zu ungebremster Vitalität befreien und Kooperation sowie Entschlusskraft ihn an seinen Grenzen stärken. Lukas argumentiert, dass das Gegenteil von Abhängigkeit nicht Unabhängigkeit, sondern Identität ist – die Treue zum Besten in uns selbst. Dies reflektiert Frankls These der Einzigartigkeit und Würde des Menschen, da die Bewahrung der eigenen Identität ein Ausdruck dieser Würde ist.
In einer Welt voller Unsicherheiten bleibt Frankls Botschaft zeitlos: Der Mensch ist nicht Opfer seiner Umstände. Er ist frei, Verantwortung zu übernehmen, und kann selbst im Dunkelsten einen Sinn finden. Frankls dreidimensionales Menschenbild zeigt, dass der Mensch mehr ist als ein biologisches oder psychologisches Wesen – er ist eine geistige Person, die über sich selbst hinauswächst. Diese Fähigkeit macht uns nicht nur menschlich, sondern auch würdig.
Frankl selbst ist der beste Beweis für die Kraft seines Denkens. Als Überlebender des Holocaust hat er gezeigt, dass Würde und Sinn selbst in den extremsten Situationen nicht verloren gehen müssen. Sein Werk bleibt eine Einladung, das Leben nicht nur zu ertragen, sondern es aktiv zu gestalten. Denn letztlich, so Frankl, unterscheidet uns nicht nur unsere Fähigkeit zu denken oder zu fühlen vom Tier – es ist die Fähigkeit, im Leiden Sinn zu finden und daran zu wachsen.
Quellen
… trotzdem Ja zum Leben sagen: Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager, Viktor E. Frankl, 1946, Deutscher Taschenbuch Verlag, ISBN: 978-3423343985
Der Mensch vor der Frage nach dem Sinn: Eine Auswahl aus dem Gesamtwerk, Viktor E. Frankl, 2005, Piper Verlag, ISBN: 978-3492048187
Das Leiden am sinnlosen Leben: Psychotherapie für heute, Viktor E. Frankl, 2009, Herder Verlag, ISBN: 978-3451613371
Der unbewusste Gott: Psychotherapie und Religion, Viktor E. Frankl, 2007, Deutscher Taschenbuch Verlag, ISBN: 978-3423350587
Freiheit und Geborgenheit: Süchten entrinnen – Urvertrauen gewinnen, Elisabeth Lukas, 2011, Profil Verlag, ISBN: 978-3890196695
„Schaut ja schon wieder besser aus“ – könnten wir jetzt knapp fünf Jahre nach Covid denken. Und das stimmt auch. Die Depressionen von Kindern und Jugendlichen in Deutschland sind signifikant unter das Niveau von damals gesunken. Was allerdings auch stimmt: Die Angstsymptome sind in den letzten Jahren um fünf Prozent gestiegen. Ich kenne keine Vergleichsdaten aus Österreich, vermute aber dass sie tendenziell ähnlich sind – mit einem leichten West-Ost-Anstieg.

Ich mag den simplen Hinweis am Ende des Artikels! Fast schon zu einfach, um wahr zu sein und vor allem hochwirksam:
„Die neuen Copsy-Zahlen deuten aber auch auf ein paar Dinge hin, die Eltern und Kinder selbst tun können: zusammen essen, spielen, diskutieren, gemeinsam etwas unternehmen, Freundinnen und Mitschüler treffen. Klingt einfach, wirkt aber wahrscheinlich: Kinder und Jugendliche, die viel Zeit mit der Familie verbringen und sich von ihrem sozialen Umfeld gut unterstützt fühlen, haben ein fünf- bis zehnmal geringeres Risiko für psychische Probleme.“
Den ganzen Artikel teile ich hier gerne mit einem Geschenk-Link.

Und noch eine gute Nachricht: Die aktuelle Playlist der meist gehörten Spotify-Songs zu Weihnachten 2024 kommt mir sehr vertraut vor. Psychische Auffälligkeiten: keine.
Harald Preyer, 20.11.2024
Michael Leisters Buch „Drauf geschissen!“ greift die Thematik auf, wie man sich von den Erwartungen und Meinungen anderer befreien kann, um ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Doch bei genauerem Hinsehen fällt auf, dass das Werk in großen Teilen an das Erfolgsbuch „The Life-Changing Magic of Not Giving a Fck“* von Sarah Knight erinnert – bis hin zu inhaltlichen Parallelen und strukturellen Übereinstimmungen.

Leister führt in seinem Buch das Konzept ein, auf unwichtige Dinge „zu scheißen“, um sich auf die wirklich wichtigen Aspekte des Lebens zu konzentrieren. Dieses Grundprinzip ist nahezu identisch mit Knights Ansatz, nur ihre Version betont stärker die bewusste Prioritätensetzung und Entscheidungsfreiheit.
Einige Beispiele aus beiden Büchern:
Leister verwendet einen provokanten und humorvollen Ton, der stark an Sarah Knights Schreibstil erinnert. Auch die Kapitelstruktur und die Verwendung von konkreten Fallbeispielen zeigen eine deutliche Inspiration durch Knight. So wirken Leisters Ausführungen nicht nur wie eine Übersetzung, sondern auch wie eine weniger tiefgründige Kopie des Originals.
Während Sarah Knights Buch durch seine klare Struktur und tiefgründige Analysen hervorsticht, bleibt Leisters Werk eher an der Oberfläche. Oft fehlen innovative Ansätze oder neue Perspektiven, die über das hinausgehen, was Knight bereits auf den Punkt gebracht hat. Wer Knights Buch kennt, wird in Leisters Werk wenig Neues finden.
Drauf geschissen! von Michael Leister liefert einige brauchbare Anregungen, um ein selbstbestimmteres Leben zu führen, leidet jedoch an der mangelnden Eigenständigkeit. Für Leser*innen, die Sarah Knights Buch bereits kennen, bietet Leister kaum Neues – außer einer etwas anderen Verpackung. Wer das Original noch nicht gelesen hat, könnte von Leisters Werk profitieren, sollte jedoch wissen, dass es ein eher schwächeres Derivat eines erfolgreichen Konzeptes ist.
Meine persönliche Empfehlung: Machen Sie eine Inventur über all das, wofür Sie dankbar sein können. Das macht wirklich frei von all dem, was wir vermuten, „haben“ zu müssen, um glücklich zu „sein“. Achtung: Vieles davon könnte bereits selbstverständlich geworden sein.

