Schlagwort: Gebet

  • „Christus nichts vorziehen“

    „Christus nichts vorziehen“

    Ein Beitrag für BiM – Bibel im Museum

    Mt 16, 21-27

    22. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A


    Ikone des Heiligen Benedikt, geschrieben von Thomas Pöll im August 2026 bei den Benediktinerinnen der Anbetung in Wien unter Anleitung von Sr. Rafaela Kolodziejak OSB

    Das Evangelium

    In jenen Tagen
    begann Jesus, seinen Jüngern zu erklären,
    er müsse nach Jerusalem gehen
    und von den Ältesten,
    den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten vieles erleiden;
    er werde getötet werden,
    aber am dritten Tag werde er auferstehen.

    Da nahm ihn Petrus beiseite
    und machte ihm Vorwürfe;
    er sagte: Das soll Gott verhüten, Herr!
    Das darf nicht mit dir geschehen!

    Jesus aber wandte sich um
    und sagte zu Petrus: Weg mit dir, Satan,
    geh mir aus den Augen!
    Du willst mich zu Fall bringen;
    denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will,
    sondern was die Menschen wollen.

    Darauf sagte Jesus zu seinen Jüngern:
    Wer mein Jünger sein will,
    der verleugne sich selbst,
    nehme sein Kreuz auf sich
    und folge mir nach.
    Denn wer sein Leben retten will,
    wird es verlieren;
    wer aber sein Leben um meinetwillen verliert,
    wird es gewinnen.

    Das Bild

    Warum eine Ikone des Heiligen Benedikt zu diesem Evangelium?

    Das hat zunächst praktische Gründe: Der Autor dieses Textes und Schreiber der Ikone befand sich in den acht Tagen inklusive dem 22. Sonntag im Jahreskreis in Klausur bei eben dem Kurs, in dem die Ikone entstand.

    Daher entfiel der übliche Prozess der Annäherung und Auswahl für Bilder zum Evangelium aus der Kunstgeschichte. Die Überlegung war dann kurz: Gibt es eine bestehende Ikone, die die Szene wiedergibt, in der Jesus Petrus so hart angeht?

    Die Antwort: nein. Es gibt etliches mit der Geschichte davor, der Schlüsselübergabe an Petrus mit dem Auftrag, die Kirche Jesu zu bauen – aber nichts (von Rang) mit dieser Perikope, die uns „Normalgläubige“ ja vor allem mit dem Schluss beschäftigt: 

    „Wer mein Jünger sein will,
    der verleugne sich selbst,
    nehme sein Kreuz auf sich
    und folge mir nach.
    Denn wer sein Leben retten will,
    wird es verlieren;
    wer aber sein Leben um meinetwillen verliert,
    wird es gewinnen.

    Ehe ich das Ganze aber ausfallen lasse oder mir etwas Flaches zusammen konstruiere, bleibe ich im Reich der Ikonen und bleibe bei Benedikt, denn:

    Am 30.8. schließt sich inhaltlich mit dem Abschnitt 72 die Regel des Heiligen Benedikt, nach der die Mönche leben und an der auch ich als Oblate von Stift Göttweig mich orientiere (es folgt mit RB 73 noch ein Schlussabschnitt, der alles zusammenfasst, aber RB 72 beendet quasi den Korpus der Regel).

    RB 72 – Der gute Eifer der Mönche

    „Wie es einen bitteren und bösen Eifer gibt, der von Gott trennt und zur Hölle führt, so gibt es den guten Eifer, der von den Sünden trennt, zu Gott und zum ewigen Leben führt.

    Diesen Eifer sollen also die Mönche mit glühender Liebe in die Tat umsetzen, das bedeutet: Sie sollen einander in gegenseitiger Achtung zuvorkommen; ihre körperlichen und charakterlichen Schwächen sollen sie mit unerschöpflicher Geduld ertragen; im gegenseitigen Gehorsam sollen sie miteinander wetteifern; keiner achte auf das eigene Wohl, sondern mehr auf das des anderen; die Bruderliebe sollen sie einander selbstlos erweisen; in Liebe sollen sie Gott fürchten; ihrem Abt seien sie in aufrichtiger und demütiger Liebe zugetan.

    Christus sollen sie überhaupt nichts vorziehen. Er führe uns gemeinsam zum ewigen Leben.“

    Gedanken zu Regel und Evangelium

    Für mich schließt sich ein Kreis zwischen diesem letzten Abschnitt der Benediktsregel und dem Ende des Sonntagsevangeliums.

    Die „Selbstverleugnung“ bekommt hier eine klare „Durchführungsbestimmung“ – wie es überhaupt das Ansinnen und Projekt des Heiligen Benedikt (480-547; 1964 wurde er aufgrund seiner religiös-kulturellen Verdienste und Wirkmacht von Papst Paul VI. zum „Patron Europas“ erklärt) war, die Voraussetzungen zu formulieren, unter denen Gottsuche in Gemeinschaft gut zu praktizieren ist.

    Wer mehr über Benedikt wissen möchte, dem sei die umfangreiche Literatur empfohlen – vor allem die Bücher von Michael Casey und das kleine Büchlein von P. Johannes Paul Abrahamovicz OSB: „Benediktinisches – Ein Blick aus meiner Zelle“ (Eigenverlag, bei Interesse bitte Mail an johannes.paul@stiftgoettweig.at)

    Fragen, die man sich stellen kann

    • Wo schaffe ich es, einem Menschen so zu vertrauen, dass ich sein Wohl über mein eigenes stelle – im Vertrauen, dass er das bei mir genauso macht?
    • Wie sieht das aus: Christus nichts vorziehen?
    • Wie und wann schaffe ich das, wie und wann nicht und warum jeweils?
    • Was kann ich an jedem einzelnen Tag, in jeder Woche usw. tun, um Christus mit meinem eigenenKreuz (nicht dem eines anderen) nachzufolgen?

  • Vor der Hl. Messe

    Heute war es wirklich sehr warm in Wien – 37 Grad am Stephansplatz. Die Menschen glauben, dass mir noch wärmer ist, weil ich so ein weiches Fell habe. Stimmt nicht ganz, weil die Zwischenhaare verliere ich immer im Frühling und deswegen kann die Luft durch.. Meine Freunde mit den ganz kurzen Haaren, die tun mir immer leid. Weil die spüren die Hitze ganz direkt auf ihrem Körper.

    Aber heute – das muss ich Euch erzählen – heute habe ich etwas ganz Tolles erlebt. Harry durfte wieder einem lieben Priester helfen. Und Frauchen kommt ja erst am Sonntag. Und bei der Hitze lässt mich Harry nicht gerne alleine zuhause. Also durfte ich ausnahmsweise mitgehen. Und dann war ich in der Sakristei. Das war schön. Es riecht dort so gut und der Boden ist aus kühlem Stein. Und dann hat mich einer von diesen ganz lieben Herren begrüßt, die mit den goldenen Schalen und den Büchern beschäftigt sind. Er hat für mich eine Plastikschüssel geholt – fast wie meine zuhause nur größer. Und dann habe ich viel Wasser bekommen. Oh das war gut und fein.

    Und dann haben wir kurz Danke zum lieben Gott gesagt, die freundlichen Männer haben noch ganz lieb mit mir gesprochen und mich gestreichelt und dann habe ich mich in der Ecke auf den kühlen Steinboden gelegt und ganz fein geschlafen. Und als ich aufgewacht bin, war Harry schon wieder da. Das war schön!

    Das Foto wurden unter Verwendung eines Originals von Ionuţ Androsca leicht angepasst.

  • Gebet zum Hl. Geist

    O Geist, vom Vater ausgesandt,
    o Kraft, vom Sohn verheißen:
    Ergieße dich in unser Herz
    und nimm es dir zu eigen.

    Wo du bist, flammt die Liebe auf,
    und Liebe will lobsingen.
    Die Liebe öffnet Herz und Hand,
    sie will sich ganz verschwenden.

    Lob sei dem Vater und dem Sohn,
    Lob sei dem Heil’gen Geiste,
    wie es von allem Anfang war,
    jetzt und für alle Zeiten.

    Nach: Nunc, Sancte, nobis, Spiritus; Ambrosius (?), † 397


    Wenn dieses Gebet eine Bitte ist, dann ist es die Bitte um Liebe.

    Nicht um Liebe als flüchtiges Gefühl. Nicht nur darum, geliebt zu werden. Es ist die Bitte, selbst liebesfähig zu werden: mit einem offenen Herzen, einer offenen Hand und der Bereitschaft, sich zu verschenken.

    Der Heilige Geist wird hier nicht erklärt. Man erkennt ihn an dem, was durch ihn geschieht: Wo er ist, wird das Herz weit. Wo er wirkt, beginnt der Mensch zu geben, ohne zuvor zu rechnen. Wo er Raum gewinnt, flammt die Liebe auf.

    Wir bitten Gott also nicht bloß darum, uns etwas zu schenken. Wir bitten ihn, in uns Wohnung zu nehmen – und uns dadurch zu verwandeln.

    Vielleicht ist das die kühnste Bitte, die ein Mensch aussprechen kann:

    Nimm mein Herz dir zu eigen.
    Lass deine Liebe darin leben.

    Deus caritas est.
    Gott ist Liebe.

  • HERR, bitte hilf!

    Die Schreckensbilder aus Iran, Ukraine, Israel nur anzusehen ist zu wenig.
    Bitten wir nun Gott um seine Hilfe. Wenn wir nicht an die Liebe glauben, ändert das nichts an ihrer Existenz – aber sehr bald an unserer.

  • Angelus – der Engel des Herrn

    Das Fest der Verkündigung des Herrn am 25. März bezieht sich auf die Ankündigung der Geburt Jesu an Maria durch den Engel Gabriel, wie sie das Lukasevangelium (1, 26–38) erzählt. Im Laufe der Zeit hat dieses Fest verschiedene Namen gehabt, die es teils als Marienfest (Mariä Verkündigung), teils – so auch heute – als Herrenfest kennzeichnen: Verkündigung des Herrn (lat.: Annuntiatio Domini). Im Mittelpunkt steht die Menschwerdung Jesu aus Maria. Dabei betont Lukas die geistgewirkte Empfängnis Jesu („der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten“; Lk 1, 35), Gott als Vater des Kindes („Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden“; Lk 1, 35) und die zentrale Bedeutung Jesu im göttlichen Heilsplan („Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen, und seine Herrschaft wird kein Ende haben“; Lk 1, 32 f.). Durch Marias Antwort auf die Engelsbotschaft: „fiat mihi“, „mir geschehe“ nach deinem Wort, stellt sie sich ganz dem göttlichen Willen zur Verfügung.

    Aus dem lukanischen Text der Verkündigung entstand im Mittelalter der „Engel des Herrn“ (Angelus), in dem die Gläubigen sich dreimal am Tag, ähnlich dem Stundengebet der Klöster, das Geheimnis der Menschwerdung als Beginn des Erlösungsgeschehens in Erinnerung rufen.

    Mit dem Datum des 25. März, neun Monate vor Weihnachten, ist dieses Fest in der Ostkirche seit dem fünften Jahrhundert bezeugt, im Westen seit dem siebten Jahrhundert.

    Quelle: Magnificat – das Stundenbuch.

    Mittags um 12:00 läuten bei uns die Glocken von St. Benedikt am Leberberg laut für rund drei Minuten. Das ist die Zeit für Yuliya und mich, gemeinsam den Angelus zu beten, der im Text erwähnt wird, wenn wir beide zuhause sind. Und sonst tun wir das getrennt und fühlen uns im Gebet verbunden mit Millionen von Menschen auf der ganzen Welt, die den Angelus gleichzeitig auch beten.

    Benedikt XVI – Der Engel des Herrn (Angelus in German)

  • Vater unser

    Heute ist ein ganz gewöhnlicher Tag im Kirchenjahr, ein Dienstag in der Fastenzeit. Und doch offenbart uns das Tagesevangelium einen Schatz: Jesus lehrt seine Jünger, wie sie beten sollen. Mt 6, 7–15

    Er hat diese Worte vermutlich auf Aramäisch – der damaligen Umgangssprache – gesprochen, nicht auf Hebräisch, der damaligen Gebetssprache. Und er hat auch nicht die Anrede „Adonai“ oder „Elohim“ für „GOTT“ verwendet. Er sagte viel mehr „Vater“ im Vater unser.

    WORTE DES HEILIGEN VATERS

    Jesus [distanziert] sich vom Gebet der Heiden: Ihr sollt »nicht plappern […], die meinen, sie werden nur erhört, wenn sie viele Worte machen« (Mt 6,7). Hier spielt Jesus vielleicht auf jene „captatio benevolentiae“ an, die die notwendige Vorbedingung für viele Gebete in der Antike war: Die Gottheit musste irgendwie beschwichtigt werden durch eine lange Reihe von Lobpreisungen, auch von Gebeten. Denken wir an jene Szene auf dem Berg Karmel, als der Prophet Elija die Priester des Baal herausforderte. Sie schrien, tanzten, baten um viele Dinge, damit ihr Gott sie erhören möge. Elija dagegen schwieg, und der Herr offenbarte sich Elija.

    Die Heiden meinen, dass man betet, indem man redet, redet, redet, redet. Und auch ich denke an viele Christen, die meinen, dass beten bedeutet – verzeiht mir –, „mit Gott zu reden wie ein Papagei“. Nein! Man betet aus dem Herzen, von innen heraus. Du aber – sagt Jesus – wende dich, wenn du betest, an Gott wie ein Kind an seinen Vater, der weiß, was es braucht, noch ehe es ihn bittet (vgl. Mt 6,8). Es könnte auch ein stilles Gebet sein, das „Vaterunser“: Im Grunde genügt es, sich unter den Blick Gottes zu stellen, sich seiner Vaterliebe zu erinnern, und das genügt, um erhört zu werden. Es ist schön, daran zu denken, dass unser Gott keine Opfer braucht, um seine Gunst zu erwerben! Er braucht nichts, unser Gott: Im Gebet verlangt er nur, dass wir einen Kommunikationskanal mit ihm offenhalten, um stets zu entdecken, dass wir seine geliebten Kinder sind. Und er liebt uns sehr. (Generalaudienz, 2. Januar 2019)