„Warum leidet der Unschuldige?
Das ist eine große Frage, die schon Dostojewski gestellt hat:
Warum leiden Kinder?
Diese Frage stellen wir uns alle.“
Papst Franziskus gibt darauf keine theoretische Antwort. Er verweist zunächst auf den gekreuzigten Christus: Wer nach dem Leid der Unschuldigen fragt, soll auf den Sohn Gottes am Kreuz schauen. Dann führt er den Gedanken weiter: Gott hat den Menschen als freies Wesen geschaffen. Er respektiert die menschliche Freiheit so sehr, dass er sie nicht einmal dann aufhebt, wenn Menschen Böses tun. Selbst das Leiden und Sterben Jesu am Kreuz wurde nicht verhindert. Denn eine Welt ohne Freiheit wäre auch eine Welt ohne echte Liebe.
„Und hier kommt die Liebe ins Spiel.
Ohne Freiheit können wir nicht lieben.
Denn Liebe setzt eine Wahl voraus.
Die bedingungslose Liebe eines Vaters oder einer Mutter für ihr Kind und umgekehrt, die Liebe zwischen Eheleuten, zwischen Verlobten, die Liebe für das Leben und die Liebe zu den Menschen setzen alle eine Wahl voraus.
Entweder ich liebe oder auch nicht. Oder ich hasse.
Aber wenn ich nicht die freie Wahl hätte,
könnte ich nicht lieben.“
Papst Franziskus im Film „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“ von Wim Wenders.
Diese kurze Sequenz habe ich mit dem Handy vom Fernseher abgefilmt. Vermutlich nicht ganz legal – vermutlich aber ganz im Sinne von P. Franziskus und Wim Wenders.
Trailer 2 Deutsch (1:31)
Trailer Deutsch lang (6:13)
Wie wurde ich auf den Film im Juni 2026 aufmerksam?
Relativ egal, welche Zeitung ich gerade lese – überall taucht derzeit die Geschichte auf, dass Wim Wenders vor 50 Jahren eine Szene mit der damals 13-jährigen Nastassja Kinski gedreht hat. Heute habe ich gelesen, dass er sich dafür entschuldigt und den Film aus dem Verkehr gezogen hat. Tatsächlich ist „Falsche Bewegung“ zumindest auf Prime Video derzeit nicht mehr verfügbar.
Die ZEIT: Kinski äußert sich zu Debatte um ihre Nacktszene in Wenders-Film
Das hat mich neugierig auf Wim Wenders gemacht. Einige seiner Filme kannte ich bereits. Ein Projekt hatte ich allerdings nie verfolgt:
„Nachdem das Büro von Wim Wenders 2013 einen Brief vom Vatikan mit der Anfrage erhalten hatte, ob Wenders Interesse an einem Film über Papst Franziskus habe, wurde nach detaillierter Abklärung der Bedingungen, unter denen das Projekt durchgeführt werden sollte, Anfang 2016 mit den Dreharbeiten begonnen.“
So entstand der Film „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“, der 2018 in die Kinos kam.
Ich hatte ihn damals nicht gesehen. Heute haben Yuliya und ich ihn ganz in Ruhe angesehen – und ich bin begeistert. Zu sehen sind Originalaufnahmen aus dem Leben des verstorbenen Papstes, von denen ich viele noch nie gesehen hatte. Mehrmals haben wir den Film angehalten und darüber gesprochen.
Mit so viel Liebe, Kompetenz und dramaturgischem Einfühlungsvermögen zusammengestellt, dass daraus ein filmisches Meisterwerk geworden ist – und nicht die bloße Dokumentation, die ich erwartet hatte.
Fast am Ende gibt es eine Szene, in der Papst Franziskus auf die berühmte Frage eingeht, warum es Leid gibt. Theoretisch ist die Antwort bekannt. Aber so warmherzig, menschlich und glaubwürdig habe ich sie noch nie gehört wie aus dem Mund von Franziskus in seiner Muttersprache.
Ich konnte nicht anders und habe den kurzen Ausschnitt einfach mit dem Handy gefilmt.
