Jetzt haben wir uns schon lange nicht mehr gelesen. Und – ja Danke – es geht mir wieder sehr gut. Heute bin ich verloren gegangen.

Also das war so:
Frauchen hat ja dieses schöne kleine Haus gefunden mitten im Wald und nur weit weg höre ich einen anderen Kollegen, der bellt, wenn die Radfahrer bei ihm vorbei kommen. Und dann weiß ich schon, wenn er immer lauter bellt, dann kommen sie bald bei mir vorbei und dann muss ich auch bellen. Wenn er immer leiser bellt, dann kommen sie nicht. Und in unserem Garten, da ist der große Olivenbaum. Dort liege ich gerne im Halbschatten und manchmal fällt eine kleine Olive auf meine Schnauze. Das kitzelt aber die Oliven schmecken mir nicht.

Und um das ganze Haus und den riesigen Garten ist eine alte Mauer – aus Steinen und wenn ich die Steine spüre, dann weiß ich, da ist die Mauer und ich gehe einen Schritt zurück. So kann ich ganz alleine im Garten bleiben und alles ist fein.
Heute waren wir dann bei diesem Fluss, der eigentlich kein Fluss ist, sondern ein Meer und eigentlich kein Meer, sondern eine Bucht und eigentlich auch keine Bucht, weil dazu ist er zu wenig rund – egal – wir waren also dort und da haben Harry und Frauchen Muscheln gegessen und ich habe keine bekommen, weil ich Muscheln nicht mögen darf.
Und dann sind wir am Heimweg bei dieser kleinen Taverne vorbei gefahren, wo ich gestern so liebe Menschen und neue Freunde von mir getroffen habe. Und da wollte ich aussteigen und Harry hat angehalten und wir sind alle drei ausgestiegen. Und dann haben Yuliya und Harry ein kleines Eis gegessen – also eigentlich hat es nach Palatschinken gerochen aber ich habe keinen bekommen und ich habe in der Ferne meinen Freund gehört, der immer bellt, wenn die Radfahrer kommen. Aber es war anders als sonst. Entweder war er doch weiter weg oder es war nicht mein Freund. Das wollte ich mir jedenfalls genau anschauen und bin auf die Suche gegangen. Also die Stufen runter zum Weinberg, das kannte ich ja von gestern. Und dann auf den Weg und links nach Hause. Und dann bin ich aber das andere Links entlang gelaufen und mein Freund wurde immer leiser und dann habe ich ihn gar nicht mehr gehört und dann war es hell und laut und Autos haben gehupt und Leute haben durcheinander gerufen. Ich habe nur verstanden: „Der Hund. Schau der Hund. Alleine auf der Straße. Und da kommt ein Bus.“ Aber ich habe keinen Hund gesehen und keinen Bus. Also bin ich weiter gegangen. Und dann sind die Leute wieder gekommen und haben gesprochen wie Harry manchmal. Es hat so geklungen wie „Komm. Schöner Hund, komm. Wir tun Dir ja nichts. Komm komm komm. Dann haben sie gebellt, wie Menschen bellen, wenn sie eine Katze locken wollen. Aber ich bin ja nicht dumm. Ich habe sofort gemerkt, dass die mich nur streicheln wollen. Aber das mag ich nicht, wenn sie nicht vorher Yuliya oder Harry fragen, ob sie mich streicheln dürfen. Die sagen dann immer: „Wenn er will, gerne.“ Und dann entscheide ich, ob ich will oder nicht. Aber die beiden waren nicht da. Und schön langsam ist mir ein bisschen mulmig geworden. Kein Freund, der bellt, keine vertrauten Gerüche, keine bekannten Stimmen. Kein nichts. Kein Olivenbaum.
Und dann hat mich plötzlich ein helles Licht geblendet und das Licht hat gehupt. Und dieses Hupen habe ich sofort erkannt. So hupt nur Harry, wenn er nicht darf und sagen will: „Ich bin gleich da.“ In Wien. Und dann laufe ich zur Türe. Aber wo ist die Türe? Dann habe ich schon Frauchen gehört und Harry und beide haben gerufen: „Teddy! Teeeedy.“ Es hat nicht vorwurfsvoll geklungen. Eher ängstlich. So wie meine Mama mich gerufen hat, als ich ganz klein war. Also nicht ganz so, sondern so, wie die Menschen rufen, wenn sie ihre Tochter suchen, die sie ganz lieb haben. Und da bin ich einfach auf die Stimmen zugelaufen.

Das war eine Freude. Ein Wiedersehen. Als hätten wir uns eine ganze Woche nicht mehr gesehen. Frauchen hat mich umarmt und gestreichelt und geweint und gesagt: „Hopp. Hopp. Rein mit Dir, mein Schatz!“ Das habe ich mir nicht zweimal sagen lassen. So schnell war ich noch nie auf dem Rücksitz. Und dann sind wir zum Häuschen im Wald gefahren. Und mein Freund hat gebellt. Immer lauter. Bis er mich gehört hat. Ich habe ihm nur kurz mit einem „UiUWuff“ gesagt: „Alles gut. Ich bin wieder da.“

Und dann habe ich unter meinem Olivenbaum gelegen und den Sternen genau zugehört. Ein ganz kleiner hat zu einem etwas größeren gesagt: „Teddy hat heute gelernt, dass es besser ist, bei denen zu bleiben, die ihn lieben als einen Weg zu laufen, den keiner kennt, wenn dort keiner ruft, der ihn liebt.“ Der größere hat dazu nur „Amen“ gesagt. Das sagen Harry und Frauchen auch oft, wenn wir gemeinsam dem lieben Gott „Danke“ sagen. Und dann bin ich eingeschlafen und habe gespürt, dass sie mich sehr lieben – Yuliya, Harry und die Sterne. Und der liebe Gott sowieso, deswegen heißt er ja „Lieber Gott!“
Mehr über mich erzähle ich Dir gerne hier.










