Predigt von Domkustos DDr. Michael Landau am 4. Sonntag der Osterzeit zum Hochamt im Stephansdom

Am Donnerstag habe ich mit Yuliya in der Albertina ein sehr sympathisches Ehepaar aus Deutschland kennengelernt. Sie kommt aus Bayern und hat einige Semester Kunstgeschichte studiert. Er kommt aus dem Norden und ist Physiker.
Die beiden beklagten, dass sie noch nie in einem „richtigen“ Wiener Kaffeehaus waren, weil vor den bekannten immer Warteschlangen sind. Bald kamen wir auf die Frage: „Gibt es für Sie Gott?“

Gestern waren wir dann gemeinsam im Stephansdom. Ich habe den beiden meine Lieblingskirche als das gezeigt, was sie für mich ist – eine Liebesgeschichte mit Gott.
Sie haben mich anschließend im Diglas in der Wollzeile auf einen Melange eingeladen. Dann bekam ich auf WhatsApp eine Nachricht, die mich sehr freut.
Lieber Harald,
vielen Dank für die Fotos und Deine persönlichen Worte.
Dieser Wienbesuch wurde zu etwas ganz Besonderen und Einmaligem. Welch glückliche Fügung, Dich zu treffen und Deine warmherzige, großzügige Freundschaft teilen zu können!
Wir hoffen, in Kontakt zu bleiben und Euch wieder zu treffen.
Herzlichst,
Elisabeth und Wolfgang
Ein ökumenischer Abend für den Frieden in Europa im Wiener Stephansdom
Der Stephansdom war gut besucht an diesem Freitagabend, dem 9. Mai 2025 um 18:00 Uhr – genau 75 Jahre nachdem Robert Schuman seine berühmte Rede hielt, die in weiterer Folge zur Gründung der Europäischen Union führte. Während die reguläre Heilige Messe in der Unterkirche gefeiert wurde, versammelten sich in der Oberkirche mehr als tausend Menschen zu einem besonderen ökumenischen Gottesdienst anlässlich 75 Jahre Schuman-Erklärung – einem Meilenstein europäischer Friedensgeschichte.










Vor einem Jahr wurden Peter Roland und Harald Preyer von der Kandidatin zum Europa Parlament Valeria Foglar-Deinhardstein zu einer Kundgebung rundum die Europa-Wahl 2024 am Stephansplatz eingeladen. Damals entstand die Idee für diesen Ökumenischen Europa Gottesdienst. Martin Essl hat dann den Longfieldchor unter Georg Weilguny dafür begeistert und die Feier ermöglicht.

Dompfarrer Toni Faber als Gastgeber und Superintendent Matthias Geist gestalteten gemeinsam einen liturgischen Rahmen, der sowohl der Würde des Ortes als auch der Aktualität des Anliegens gerecht wurde. Beide Priester begrüßten gemeinsam, sprachen die Fürbitten abwechselnd und spendeten gemeinsam den aaronitischen Segen. Gelebte Ökumene in der Liturgie.
Peter Roland, selbst Zeitzeuge (und Autor der lateinischen Hymne im Jahr 2003 gemeinsam mit Peter Diem), schilderte bewegend seine Erinnerungen an die letzten Tage des Zweiten Weltkriegs. „Die Europäische Union ist das größte Friedensprojekt aller Zeiten – und nur möglich, weil sie auf christlichen Prinzipien gründet“, sagte er sinngemäß.
Generalsekretär Nikolaus Marschik vom Außenministerium in Vertretung von Frau Bundesministerin Beate Meinl-Reisinger (Ehrenschutz) hob die heutige Bedeutung Europas als Friedensgarant hervor – in einer Zeit, in der diese Werte keineswegs selbstverständlich sind. Auch etliche Mitglieder des diplomatischen Corps haben den Gottesdienst genossen.
Harald Preyer trug ein Friedensgedicht vor, das auf dem Europagebet von Kardinal Carlo Maria Martini basiert – eine Brücke zwischen Spiritualität und politischer Vision.
Der LONGFIELD GOSPEL Chor mit über 200 Sängerinnen unter der Leitung von Georg Weilguny verlieh dem Abend seine emotionale Kraft. Schon während der Gospel-Messe erfüllten Dynamik, Bewegung, Freude, Lachen und feierliche Ernsthaftigkeit das volle Kirchenschiff. Als die lateinische Europahymne erklang – erst vom Chor gesungen, dann von allen gemeinsam stehend und mit Inbrunst wiederholt – war der Dom erfüllt von einem vielstimmigen Bekenntnis: „Est Europa nunc unita – et unita maneat!“
Ein Handyvideo von Johannes Maria Lex fängt den Beginn dieses berührenden Moments ein – ein herzliches Lachen und der Klang von über tausend Stimmen für unsere größere Heimat: EUROPA.
Est Europa nunc unita – der lateinische Text der Europahymne.
Begleitheft zum Ökumenischen Europa Gottesdienst.
Herzlichen Dank den vielen lieben Menschen, die diesen Abend und den Gottesdienst möglich gemacht haben!
Die Fotos in diesem Beitrag kommen von David Friesacher und Robert Hailwax. Vielen herzlichen Dank dafür.
19.3.2025 Es ist seit der Jahrtausendwende eine lieb gewordenen Tradition, das alte Brauchtum der Zünfte – heute Innungen – zu feiern. In Messen zu Ehren der Innungsheiligen meist mittags um 12:00 Uhr ziehen die Handwerker mit ihren Innungsmeistern, Familien und Mitarbeitern in den Dom ein. Die kunstvoll gestalteten Innungsfahnen schmücken den Kirchenraum und ich bewundere jedes Mal mit welcher Innbrunst und Ehrfurcht hier alte Handwerks-Traditionen an die heutige Zeit angepasst hochgehalten werden.

Dompfarrer Toni Faber geht herzlich und liebevoll auf den jeweiligen Zunftheiligen ein – bei den Tischlern und Zimmerleuten ist es der irdische Vater Jesu Christi – der Heilige Joseph. Heuer wurde auch die neu renovierte Zunft-Fahne gesegnet und der junge Fahnenträger in die altehrwürdige Runde herzlich aufgenommen.















Fotos: Florian Gregor Wieser
Der Stephansdom war an diesem Mittwoch-Mittag gut besucht und die meisten Gläubigen kamen auch zur Kommunion. Mich hat diese Hl. Messe an die feierlichen Gottesdienste in der Landschaftlichen Pfarre Mariahilf in meiner Jugend erinnert. Wunderschön, innbrünstig, feierlich. Deo gratias!
Rudolf IV., genannt „der Stifter“, erklärte das Riesentor des Stephansdoms (3) zum Mittelpunkt Wiens während seiner Herrschaft im 14. Jahrhundert.
Und noch heute ist der Stephansdom und seine umliegenden Gebäude am Stephansplatz beliebter Treffpunkt für besondere Begegnungen.


Die Mensa / Cafeteria (9) ist erreichbar über die Stiege 1 des Hauses Stephansplatz 6.
Eingang links vom Dom Museum, dort links in das erste Stiegenhaus, mit dem Lift oder sportlich zu Fuß in den 6. Stock. Nach dem Aussteigen links den Gang entlang bis zum Ende.
Warum hast du mich nicht bekannt gemacht mit dem Klang seines Schrittes?
Ich erinnere mich noch genau der Sommernacht, in welcher mich mein Vater in den Garten führte, um mir die Milchstraße und einige Sternbilder zu zeigen. (Er sagte:) „Alle diese Sterne hat Gott geschaffen, sie sind Werke Gottes wie die Sonne, der Mond und die Erde mit allem, was du siehst.“

Auf diese Weise trat Gott erstmals in mein Kinderleben auf eine meinem Verstand zugängliche Art. Mein Vater hatte mir den allmächtigen Schöpfer-Gott gezeigt, den unendlich großen Geist, der die Kraft und die Macht hat, aus dem Nichts ein Weltall hervorzubringen. Der Einbruch dieser Erkenntnis Gottes in mein Leben machte auf mich einen gewaltigen Eindruck. Nach dieser Sommernacht ging ich tagelang wie benommen durch meine kleine Kinderwelt, die mir nun so groß erschien, und ich schaute alles an mit dem Gedanken: „Gott hat all das erdacht, Gott hat all das erschaffen.“ Welch neue Freude! All das war für mich aus den Händen Gottes entsprungen.
Eine Frau beschreibt im Rückblick auf die Zeit, als sie vier oder fünf Jahre alt war, so ihr elementares religiöses Erlebnis: „Liebe Mutter! Seit einigen Tagen kann ich nur noch eine halbe Stunde täglich im Bett sitzen, sonst liege ich fest. Das Herz will nicht mehr. Heute früh sagte der Professor etwas – es klang so nach ‚gefasst sein‘. Worauf? Es ist sicher schwer, jung zu sterben! Gefasst muß ich darauf sein, dass ich am Wochenanfang ein Gewesener bin – und ich bin nicht gefasst. Die Schmerzen wühlen fast unerträglich; aber wirklich unerträglich dünkt es mich, dass ich nicht gefasst bin. Das Schlimmste ist, wenn ich zum Himmel aufblicke, ist er finster. Es wird Nacht, aber kein Stern glänzt über mir, auf den ich im Versinken blicken könnte. Mutter, ich war nie gottesfürchtig; aber ich fühle jetzt, dass da noch etwas ist, das wir nicht kennen, etwas Geheimnisvolles, eine Macht, der wir in die Hände fallen, der wir antworten müssen auf alle Fragen. Und das ist meine Qual, dass ich nicht weiß, wer das ist.

Wenn ich ihn kennen würde! Mutter, weißt Du noch, wie Du mit uns Kindern durch den Wald gingst bei einbrechender Dunkelheit, dem Vater entgegen, der von der Arbeit kam? Wir liefen Dir manchmal davon und sahen uns plötzlich allein. Schritte kamen durch die Finsternis – welche Angst vor den fremden Schritten! Welche Freude, wenn wir den Schritt erkannten als den Deinen, den der Mutter, die uns liebte. Und nun höre ich wieder in Einsamkeit Schritte, die ich nicht kenne. Warum kenne ich sie nicht?
Du hast mir gesagt, wie ich mich kleiden muß und wie ich mich im Leben verhalten muß, wie man isst, wie man so durchs Leben kommt. Du hast für mich gesorgt, Du wurdest nicht müde über allem Sorgen. Ich erinnere mich auch, dass Du am Heiligabend mit Deinen Kindern in die Christmette gingst; auch an ein Abendgebet erinnere ich mich, das Du mir einige Male vorgesagt hast. Immer hast Du uns zur Ehrlichkeit angehalten. Aber das alles zerfällt mir jetzt wie mürber Zunder.

Warum hast Du uns von so vielem gesagt und nicht – von Jesus Christus? Warum hast Du mich nicht bekannt gemacht mit dem Klang seines Schrittes, dass ich merken könnte, ob er zu mir kommt in dieser letzten Nacht und Todeseinsamkeit? Dass ich wüsste, ob der, der da auf mich wartet, ein Vater ist! Wie anders könnte ich sterben!“
A. Kappler, Brief eines todkranken jungen Mädchens an ihre Mutter. Nach dem Tode des jungen Mädchens von einer Krankenschwester gefunden. Mit Erlaubnis der Mutter weitergegeben. (Manuskript)
Danke an Domkurat Stefan Jagoschütz für das auszugsweise Zitieren dieses Briefes in seiner Predigt am 27.10.2024 im Stephansdom und für das Weitersenden des Manuskripts.