Predigt von Univ.-Prof. Dr. Thomas Möllenbeck im Stephansdom, am 5. Sonntag der Osterzeit 2026, Orgelmesse 12:00
(Leider habe ich die Aufnahme rund zehn Sekunden zu spät begonnen)
… Das sind Vergleiche, die nicht hinreichen. Denn wir haben kein Buch, wie im Islam, das vom Himmel gefallen ist, das Gott Wort für Wort diktiert hätte.
Ja, Jesus kommt nicht einmal und sagt: „Folgendes muss ich euch vom Vater sagen.“ Zack. In einem Bündel von Informationen. Das können dann die Evangelisten aufschreiben, so gut sie es verstanden haben. Nein, die Offenbarung, die Selbstoffenbarung Gottes, an die wir glauben als Christen, geschieht nicht in einem Buch und auch nicht bloß in Informationen in einer Lehre, auch in einer Lehre, aber nicht bloß, sondern das Besondere ist
Dass die Lehre verkörpert ist.
Ich bin der Weg, denn die Information geht darüber, wie man zum Vater kommt.
Zeig uns den Weg zum Vater. Wohin du gehst, wissen wir nicht. Wie sollen wir dann den Weg kennen? Zeig uns den Weg zum Vater. Ja, ich bin der Weg.
Sag uns, was wahr ist über Gott. Sag uns, was wir noch nicht wissen: ICH BIN die Wahrheit.
Und wenn man beides kennt, den Weg, das Ziel, die Wahrheit über Gott, dass er die Liebe ist, Vater, Sohn und Heiliger Geist, dann weiß man auch, was Leben bedeutet, nämlich das Beziehungsleben der drei. Ewig, an dem wir teilhaben sollen durch Christus und deshalb ist er auch das Leben. Er in eine Person, ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Er in seiner Person ist die Offenbarung des Wesens Gottes.
Wie kann denn das sein, weil der Vater in ihm ist und er ein Vater ist? Weil er der Sohn ist, gleichen Wesens mit dem Vater?

Das Christentum ist anders als der Koran und der Islam, auch wenn das Christentum manchmal als Buchreligion bezeichnet wird.
Das Christentum ist aber auch anders, obwohl es auf dem Judentum aufbaut, anders als das Judentum.
Wenn Sie heute an das Judentum, die jüdische Religion, denken, dann denken Sie an etwas, das ziemlich ähnlich ist dem Christentum. Da gibt es Synagogen, da treffen sich die Juden, da gibt es Kirchen, da treffen sich die Christen. In beiden Kirchen wird die Schrift vorgelesen und dann ausgelegt. Da gibt es einen Rabbi, da gibt es einen Priester und der hat die Aufgabe zu lehren. Sieht ähnlich aus, aber wenn Sie in die Geschichte, in die Zeit Jesu gucken, dann sehen Judentum und Christentum ganz anders aus.
Das Zentrum der jüdischen Religion ist der Tempel.
Der Tempel, Nicht überall ein Tempel, in verschiedenen Städten, überall wo Juden wohnen, gibt es einen Tempel. Nein, der Tempel, der Gott gehört in der einen heiligen Stadt (Jerusalem). Das wäre so, als ob die Christen nur eine Kirche hätten, nämlich in Rom, in der heiligen Stadt.
Und was wird im Tempel gemacht? Dort werden blutige Opfer dargebracht.
Stiere werden geschlachtet, Schafe werden geschlachtet. Und da gibt es eine Priesterschaft, die wohnt um den Tempel herum. Die lebt von dem, was im Tempel alles geopfert wird. Das essen sie. Und die haben Ländereien, von denen sie dann die zusätzlichen Dinge beziehen. Obwohl die Leviten theoretisch keinen Stammbesitz hatten in Israel, ist der Tempel dort gut ausgestattet.
Ist ein Heiligtum, das Gott berührt, aber die Priester leben davon. Eine Priesterkaste, die in Jerusalem ihren Dienst tut.
Wir haben ein Opfer im Christentum. Aber es ist nicht blutig, sondern unblutig. Es war einmal und dann ein für alle Mal blutig, nämlich da hat Christus selbst, der Sohn Gottes, die Menschen-Natur angenommen, sich für uns am Kreuz kreuzigen, töten und foltern lassen.
Das ist das einzige blutige Opfer, das es vor 2000 Jahren in Jerusalem gab. Seitdem wird es auf unblutige Weise dargebracht. Deshalb haben auch die frühen Christen, solange es noch einen Tempel in Jerusalem gab, ihre Priester nicht Hirois genannt oder Gohanim, sonst hätte man sie verwechseln können. Hirois ist der klassische heidnische und jüdische Opferpriester.

Der schlachtet Tiere, er lebt beim Tempel und den Tempel gibt es nicht überall, sondern nur an ausgewählten Stellen, beim Juden dann nur in Jerusalem. Da muss man dann hinpilgern, um im Tempel Dienst zu tun.
Nein, der christliche Priester zieht durch die Lande, er missioniert. Er feiert die Sakramente, tauft, firmt und bricht das Brot wie Jesus beim Abendmahl.
Aber das Opfer, das er jetzt darbringt, ist unblutig. Jetzt kommen wir zu den beiden anderen Texten, die wir gerade gehört haben. Die Apostelgeschichte, der Abschnitt, wo von den sieben die Rede ist, denen man die Hände auflegt, es gibt also auch die Weihehandlung, denen man die Hände auflegt, damit sie einen Dienst finden. Wir nennen die Diakone, obwohl sie an diesem Ort in der Bibel gar nicht Diakone genannt werden, sondern nur vom Dienst die Rede ist.
Da haben wir Diakone.
Dann kommen in der zweiten Lesung die Priester, und dann hören wir von Jesus im Evangelium, dass er der einzige Mittler ist. Niemand kommt zum Vater außer durch mich. Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Und er sagt das zu seinen Aposteln, die er im Abendmahlsaal beauftragt. Tut dies zu meinem Gedächtnis.
Dann gibt es eine verwirrende und in meinem Heimatland in Deutschland auch normalerweise falsch ausgelegte Bezeichnung der Gläubigen. Diakonen, Priester, Apostel, Bischöfe, den obersten Hohenpriester Jesus. Und dann gibt es auch noch die Masse der Gläubigen. Und in der zweiten Lesung werden Werken eine heilige Priesterschaft genannt: Hiratoima. Ganz selten, dass das Wort „hiros“, „hirois“ etc. für den christlichen Gottesdienst benutzt wird und ausgerechnet hier ist davon die Rede: Hiratoima.
Es gibt einen Exegeten in Deutschland, der sehr berühmt ist, weil er beim Synodalen Weg auch eine große Rolle gespielt hat und die Texte des Synodalen Wegs in Deutschland behaupten das auch. Es gäbe im Neuen Testament überhaupt nur einen Priester und das wäre Jesus. Das Neue Testament kennt keine Priester. Es ist sehr verkürzt ausgedrückt und verwirrend. Und dann wird aber auch gesagt, naja, und die eigentliche Priester im Neuen Testament, das sind sie.
Die Heilige Priesterschaft. Was steht da genau bei Petrus? Im ersten Petrusbrief.
“Kommt zum Herrn, dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen, aber von Gott auserwählt und geehrt worden ist. Kommt! Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen, zu einer heiligen Priesterschaft, um durch Jesus Christus geistige Opfer darzubringen.
Lasst euch zu einer heiligen Priesterschaft aufbauen, um durch Jesus Christus geistige Opfer darzubringen.
Wenn wir das verstehen wollen, was da gemeint ist, und wie das Verhältnis von Diakonen, Priestern und Bischöfen zu Christus und zu der Menge der Gläubigen ist, müssen wir diese Stelle verstehen. Und es ist eigentlich gar nicht so schwer.
Wir haben hier ein Opfer, das gefeiert wird, gleich am Altar. Es ist das Opfer Christi. Er ist der einzige Hohepriester, den wir haben.
Und er hat das Opfer ein für allemal vor 2000 Jahren dargebracht.
Dieses Opfer wird gegenwärtig in unserer Mitte.
Und nun kommt Ihre Aufgabe, nämlich geistige Opfer darzubringen.
Mit den Gaben von Brot und Wein, sollen Sie sich selbst darbringen. Sie sollen kommen mit ihrer gesamten Existenz, mit allem, was Sie sind und haben. Sich auf den Altar legen mit ihren Nöten und Sorgen, mit ihren Ängsten, mit ihren Plänen, mit ihrem Dank, mit ihrem Lob, mit allem, was Sie sind und haben. Und dann sich Christus hinhalten und dem Heiligen Geist, der kommt und die Gaben von Brot und Wein wandelt, und sie sollen gewandelt werden, transformiert.
Von Herrlichkeit zu Herrlichkeit nennt das Paulus dann im zweiten Korintherbrief. Von Herrlichkeit zu Herrlichkeit gewandelt werden, Christus ähnlich werden.
Und wenn man sich hingibt auf dem Altar mit Brot und Wein, das ist Hingabe, das ist Opfer. Und sie geben ja auch auf etwas, nämlich ihre eigenen Pläne. Sie sagen, wenn sie das tun, nicht: Hier bin ich, mach mich zu dem, der ich sein will, sondern sie sagen: Hier bin ich, mach mich zu dem, als den du mich haben willst.
Wandle mich in deinem Sinne, nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe.
Das ist Opfer, ein geistiges Opfer. Und so sind Sie alle eine heilige Priesterschaft, wenn Sie das tun. Jetzt kommt der springende Punkt. Man kann sich ja nur mit einem Opfer vereinigen, wenn das Opfer da ist.
Das Opfer Christi ist aber ein Geschenk, das wir nicht machen können. Also hat sich Jesus ausgedacht, dass er die Zwölf beauftragt im Abendmahlsaal, Vorwegnehmen, was passiert, das ist mein Leib für euch hingegeben. Das ist mein Blut für euch vergossen. Da war er noch gar nicht vergossen, war er noch gar nicht hingegeben. Er nimmt das vorweg, was am Kreuz geschieht, und sagt: “Tut das zu meinem Gedächtnis.” Das heißt, er setzt das Opfer selbst ein, das die Apostel dann feiern sollen, und damit deutlich bleibt durch die Geschichte,
Das ist nicht was, was Menschen durch ihre gemeinsame geistige Anstrengung und durch ihre Hingabe etc. selbst fertigbringe, sondern es ist etwas, was von oben kommt, was von Gott kommt. Gibt es da einen Mittler zwischen Gott und den Menschen? Der einzige Hohepriester war Christus. Die Priester, die er erwählt, sein Mittlertum gegenwärtig zu machen, sein Opfer gegenwärtig zu machen, das sind Leute wie ich. Und damit ich mir nicht einbilde, dass ich durch Studium besondere Schönheit oder Sportlichkeit oder laute Stimme oder sonst was mir das verdient habe, Priester zu sein und mir dann so ein Gewand anziehe oder durch besonderen Charme und mich von einer Gemeinde wählen lasse als ihr Priester, damit das nicht wieder dazu führt zu meinen, das ist gar nicht das Geschenk von oben, sondern das machen wir.
Dafür gibt es die Weihe.
Dass aus einem jungen Mann ein Priester wird. Kann keiner machen, nur Gott. Der Heilige Geist wandelt auch dies.
Also, wir haben erklärt, dass es ganz verschiedene Priester gibt und Priesterinnen, dass es ein bestimmtes Priestertum gibt, das sich keiner nehmen kann und dass es den einen Hohenpriester gibt, von dem das alles herkommt und der gegenwärtig wird hier in unserer Mitte. Deshalb heißt es im zweiten Vatikanischen Konzil auch, dass es verschiedene Gegenwartsweisen Christi gibt.
Ich habe es Ihnen schon mal erzählt.
Einmal wird er gegenwärtig in der feiernden Gemeinde, wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihm. Dann wird er gegenwärtig, wenn das Evangelium vorgelesen wird und wir sein Wort hören und hören, was er getan hat, seiner Person begegnen, ihm, der der Weg, die Wahrheit und das Leben ist. Niemand kommt zum Vater, außer durch ihn. Ihm müssen wir begegnen.
Dann ist er gegenwärtig in der Person dessen, der das Opfer darbringt, denn das sagt schon das Konzil von Trient und das zweite Vatikanische Konzil zitiert es dann: „Immer ist es derselbe, der das Opfer darbringt, Christus, wenn ein Priester das Opfer darbringt. Christus bringt das Opfer dar. Und der Priester ist nur sein Instrument.“ Und dann ist er natürlich zu höchst gegenwärtig in den eucharistischen Gaben von Brot, Wein, Leib und Blut Christi.
Damit Sie alle zu einem lebendigen Stein am Haus Gottes werden, damit Sie selbst Tempel Gottes werden können. Überall. Wisst ihr nicht, dass ihr der Tempel Gottes seid? Denn Gott ist es, der in euch wohnt durch den Heiligen Geist.
Das Opfer Christi bleibt dabei immer Geschenk Gottes. Es kann nicht vom Menschen hervorgebracht werden. Deshalb hat Christus selbst beim Letzten Abendmahl den Auftrag gegeben:
„Tut dies zu meinem Gedächtnis.“
So ergibt sich die Ordnung des christlichen Priestertums:
- Christus ist der einzige Hohepriester.
- Die geweihten Priester handeln in seinem Auftrag und als sein Instrument.
- Alle Gläubigen bilden die allgemeine Priesterschaft, indem sie ihr Leben als geistiges Opfer darbringen.
Das Zweite Vatikanische Konzil beschreibt mehrere Weisen der Gegenwart Christi:
- in der versammelten Gemeinde
- im verkündeten Wort
- im Priester als Werkzeug Christi
- und in besonderer Weise in den eucharistischen Gaben
Der Mensch selbst ist berufen, Tempel Gottes zu sein. Gott wohnt in ihm durch den Heiligen Geist.
möglicherweise fehlerhaft transkribiert mit Unterstützung von KI.
HRP, 3.5.2026


