Kategorie: Predigten

  • Retten – nicht richten!

    Die Botschaft des Gleichnisses vom Unkraut unter dem Weizen ist keine Drohung, sondern eine Einladung zur Hoffnung. Gottes größte Macht zeigt sich in seiner Geduld.

    „Den Weizen in die Scheune, das Unkraut verbrennen, wenn es sich nicht auf dem Weg gewandelt hat…“ – ist mir als Metapher nach der Predigt von Militärerzdekan Dr. Harald Tripp im Wiener Stephansdom zum 16. Sonntag im Jahreskreis am 19. Juli 2026, Orgelmesse, 12:00 Uhr dazu eingefallen.

    Transkript, Zusammenfassung und Illustration mit KI durch Harald R. Preyer.

    Getreideernte nach dem Evangelium am See Genesaret zur Zeit Jesu. Während das Unkraut ins Feuer geworfen wird, bringen die Erntehelfer den Weizen in die Scheune .

    Manche Evangelien klingen auf den ersten Blick bedrohlich. So auch das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen. Jesus spricht vom Gericht, von Gut und Böse und vom Ende der Welt. Doch Militärerzdekan Dr. Harald Tripp zeigte in seiner Predigt im Wiener Stephansdom, dass die eigentliche Botschaft eine andere ist: Nicht das Gericht steht im Mittelpunkt, sondern die unerschöpfliche Geduld Gottes.

    Bereits die Lesung aus dem Buch der Weisheit beschreibt einen Gott, dessen Allmacht sich nicht in Strenge, sondern in Liebe zeigt. Gott wartet. Nicht weil ihm das Böse gleichgültig wäre, sondern weil er jeden Menschen liebt und ihm Zeit zur Umkehr schenkt. Seine Geduld ist Ausdruck seiner Barmherzigkeit.

    Besonders eindrucksvoll ist der Blick auf den griechischen Urtext des Evangeliums. Als die Knechte das Unkraut sofort ausreißen wollen, antwortet Jesus mit dem Wort „Afete“. Im griechischen Urtext steht das Wort ἄφετε, vom Verb ἀφίημι. Es bedeutet nicht nur „wachsen lassen“, sondern auch „loslassen“ und „vergeben“. Dasselbe Wort hören wir im Vaterunser: „Vergib uns unsere Schuld“ (Mt 6,12). Gott hält den Menschen also nicht an seiner Vergangenheit fest, sondern eröffnet ihm Zukunft.

    Das heißt jedoch nicht, dass Gott das Böse verharmlost. Das Unkraut bleibt Unkraut, und das Gericht gehört weiterhin zur Botschaft Jesu. Doch vor dem Gericht steht die Gnade. Gott arbeitet geduldig am Herzen des Menschen und gibt ihn niemals auf. Wie gute Eltern ihre Kinder trotz schwerer Fehler begleiten und ihnen eine neue Chance schenken, so begleitet auch Gott jeden von uns. Er nennt die Sünde beim Namen, aber niemals den Sünder verloren.

    Der Kirchenvater Johannes Chrysostomos formulierte dazu einen hoffnungsvollen Gedanken: „Viele von den Unkräutern werden vielleicht noch zu Weizen.“ Gott sieht Möglichkeiten, die unserem Blick verborgen bleiben. Deshalb steht das endgültige Urteil allein ihm zu.

    Schließlich erinnert der Apostel Paulus daran, dass wir auf diesem Weg nicht allein sind. Der Heilige Geist nimmt sich unserer Schwachheit an, stärkt uns und führt uns Schritt für Schritt zur Umkehr. Gottes Geduld ist kein passives Warten, sondern sein unermüdliches Wirken in unserem Leben.

    So endet das Evangelium nicht mit Angst, sondern mit Hoffnung. Jeder neue Tag ist ein Geschenk der Geduld Gottes – eine neue Gelegenheit, seiner Liebe zu vertrauen, umzukehren und selbst barmherziger mit anderen umzugehen. Denn Gottes größte Macht zeigt sich nicht im Richten, sondern im Retten.

  • Dreifaltigkeitssonntag 2026

    Predigt von P. Johannes Paul Abrahamowicz OSB anlässlich des Profess-Jubiläums der Franziskanerinnen von Amstetten

    Dreifaltigkeitsfresko von Urschalling (14. Jahrhundert)

    Kernsynopsis

    Die Analyse der Predigt offenbart eine bewusste Strategie, theologische Konzepte durch die direkte Einbeziehung der persönlichen Erfahrungen und Entscheidungen der Jubilarinnen greifbar zu machen. Die zentrale These des Redners ist, dass langanhaltende Treue (symbolisiert durch die Professjubiläen) und göttliche Gemeinschaft (symbolisiert durch die Dreifaltigkeit) keine abstrakten Ideale sind, sondern gelebte Realitäten, die durch bewusste Entscheidungen und Ausdauer geformt werden. Der Redner nutzt die sorgfältige Auswahl der Schriftlesungen durch die Schwestern – eine Ablehnung standardisierter Texte zugunsten solcher, die Freude, Hoffnung und Spiel betonen – als primären Beweis. Dies unterstreicht die Kernbotschaft: Glaube ist kein passives Annehmen, sondern ein aktiver, gestaltender Prozess. Wir sind Zeugen, wie die persönliche Geschichte der Schwestern als Mikrokosmos für die universelle theologische Erzählung von Beziehung, Hingabe und Hoffnung dient. Die Verknüpfung der weiblichen Darstellung des Heiligen Geistes mit einem von Frauen getragenen Kloster und die Betonung weiblicher Tugenden verankert die Theologie fest in der Identität der Gemeinschaft.

    Die Architektur der Predigt: Von der persönlichen zur theologischen Ebene

    1. Die Würdigung: Personalisierung der Jubiläen

    Der Anlass ist die Feier der Professjubiläen mehrerer Franziskanerinnen in Amstetten, die eine beeindruckende Dauer der Treue repräsentieren:

    • 60 Jahre (Diamantene Profess): Schwester Maria Hermine und Schwester Maria Anzilla.
    • 65 Jahre (Eiserne Profess): Schwester Maria Berta und Schwester Maria Erika.
    • 70 Jahre (Gnadenprofess): Schwester Maria Reintraut und Schwester Maria Adelgundis.
      Der Redner betont, dass diese Jahrzehnte ohne Reue gelebt wurden, was als Beweis für eine tief verwurzelte Berufung und Zufriedenheit dient.

    2. Die theologische Verankerung: Die Dreifaltigkeit als Leitmotiv

    Die Predigt stellt eine bewusste Verbindung zwischen dem Jubiläum und dem Dreifaltigkeitssonntag her. Diese Verknüpfung wird auf mehreren Ebenen konstruiert:

    • Terminwahl: Der einzig mögliche Termin war der Dreifaltigkeitssonntag, was von den Franziskanerinnen als passend empfunden wurde, da sie eine besondere Verbindung zu diesem Fest und zur Wallfahrtskirche am Sonntagberg haben.
    • Historische Verbindung: Es wird eine Brücke zwischen den Benediktinern (der Orden des Redners) und den Franziskanerinnen geschlagen, da das Dreifaltigkeitsfest seinen Ursprung in Benediktinerklöstern hatte.
    • Symbolische Darstellung: Das Titelbild der Feier, ein romanisches Fresko, zeigt den Heiligen Geist als weibliche Figur. Dies wird als bewusste theologische Aussage interpretiert: Die Gemeinschaft und das Wirken Gottes sind unvollständig ohne das weibliche Prinzip. Der Redner untermauert dies durch den Hinweis auf die grammatikalisch weibliche Form des Wortes für Geist („Ruach“) im Hebräischen und die ebenfalls weiblichen Bezeichnungen für die Gaben des Heiligen Geistes (Weisheit, Einsicht, Stärke etc.).

    3. Die Schriftlesungen: Die aktive Aneignung des Glaubens

    Ein entscheidender Punkt ist die aktive Auseinandersetzung der Jubilarinnen mit den vorgeschlagenen Schriftlesungen. Sie lehnten die Standardlesungen des Lesejahres A ab, weil diese als nicht aussagekräftig genug empfunden wurden („nett, aber…“). Stattdessen wählten sie bewusst Texte aus dem Lesejahr C, die ihre Lebenserfahrung und ihre Hoffnung widerspiegeln:

    • Abgelehnte Texte (Jahr A):
    • Begegnung Gott-Mose: „Nur mit dem Mose.“
    1. Korintherbrief: „Lasst euch ermahnen“ – nicht aussagekräftig genug.
    • Johannesevangelium: „Geht’s ums Richten“ – passt nicht.
    • Gewählte Texte (Jahr C):
    • Buch der Sprüche: „Ich war seine Freude Tag für Tag“ und „Ich spielte vor ihm“. Diese Wahl unterstreicht eine Beziehung zu Gott, die von Freude und spielerischer Leichtigkeit geprägt ist.
    • Römerbrief: „Bewährung bewirkt Geduld… die Hoffnung lässt nicht zugrunde gehen.“ Dieser Satz wurde als „fesselnd“ empfunden und ist zugleich der Primizspruch des Redners, was eine tiefe persönliche Verbindung schafft.
    • Johannesevangelium: „Aber ihr könnt es jetzt nicht ertragen.“ Dies wird als spannungsvoller Hinweis auf die zukünftige Offenbarung Gottes interpretiert, die eine Überraschung sein wird.

    4. Die rituelle Gestaltung: Bewusstes Bekennen

    Die Predigt mündet in die Ankündigung der Professerneuerung und des Glaubensbekenntnisses. Auch hier zeigt sich der Wille zur bewussten Gestaltung, um Routine zu vermeiden:

    • Professerneuerung: Die Jubilarinnen sollen ihr „Ja-Wort“ laut und deutlich ins Mikrofon sprechen, um ihr Versprechen für die gesamte Gemeinschaft hörbar zu erneuern. Dies wird als Akt dargestellt, der die Gemeinschaft zusammenhält.
    • Glaubensbekenntnis: Um ein „Abratschen“ zu verhindern, wurde das große Glaubensbekenntnis gewählt und so formatiert, dass es langsam und bedacht, Zeile für Zeile, gelesen werden muss. Dies zwingt die Gemeinde zu einer bewussteren Auseinandersetzung mit dem Inhalt.

    erstellt mit Plaud und ChatGPT

  • Damit es uns gut geht

    Predigt von P. Johannes Paul Abrahamowicz OSB am 7. Sonntag der Osterzeit, Lesejahr A

    Angeregt durch diese Predigt habe ich heute das ganze Kapitel 17 im Johannes Evangelium gelesen. Das ist ein Gebet zu seinem Vater voller Vertrauen und Dankbarkeit. Die Predigt selbst habe ich mit Plaud transkribiert, wodurch diese Zusammenfassung entsteht.

    Kernsynopsis

    Der vorliegende Text ist eine theologische Auslegung des Johannesevangeliums, Kapitel 17, die sich auf die Kernbotschaft von Jesu Abschiedsgebet konzentriert. Die Analyse dekonstruiert ein als komplex und philosophisch beschriebenes Gebet in ein einfaches, nachvollziehbares Prinzip: Jesu Bitte an den Vater, sich nach seinem Weggang um seine Anhänger zu kümmern. Diese Bitte wird mit dem alltäglichen Beispiel von Eltern verglichen, die ihre Kinder in die Obhut anderer geben. Der entscheidende strategische Punkt ist die zeitliche Einordnung dieses Gebets: Es wird von Jesus vor seinem Tod und seiner Auferstehung gesprochen, nicht danach. Diese Voraussicht demonstriert ein Höchstmaß an Gottvertrauen, das als Vorbild für die Gläubigen dient. Wir sind nicht dazu aufgerufen, eine komplexe Theologie zu meistern, sondern unser eigenes Gottvertrauen zu stärken, da dies die eigentliche Quelle des Wohlbefindens ist.

    Dekonstruktion der Predigt: Von der Theologie zur Praxis

    1. Das Phänomen: Ein komplexes Gebet

    • Der Text: Die Predigt beginnt mit der Lesung aus dem Johannesevangelium (Kapitel 17, Verse 1-11a), in dem Jesus sich an seinen Vater wendet.
    • Die Bewertung: Der Sprecher (P. Johannes Paul OSB) charakterisiert diesen Text als kompliziert, philosophisch und wie einen „Wirbelsturm“, der um wenige Themen kreist ([00:03:06-00:03:39]). Die Kernaussagen über Verherrlichung, ewiges Leben und die Beziehung zwischen Vater, Sohn und den Gläubigen werden als anspruchsvoll für den Zuhörer eingestuft.

    2. Die Kernbotschaft: Eine einfache Analogie

    • Die Vereinfachung: Die komplexe theologische Sprache wird auf eine zentrale, menschliche Handlung reduziert: Ein Verantwortlicher übergibt seine Schützlinge an eine höhere Instanz ([00:03:40-00:04:18]).
    • Die Analogie: Dies wird mit der Situation von Eltern verglichen, die in den Urlaub fahren und die Betreuung ihrer Kinder an jemand anderen übergeben mit der Bitte: „Bitte kümmere dich jetzt um die Kinder, weil ich kann nicht.“ ([00:04:18]). Jesus hat sich um „uns“ gekümmert und bittet nun den Vater, diese Aufgabe fortzuführen.

    3. Die entscheidende Einsicht: Der Faktor Zeit

    • Das Paradox: Obwohl die Lesung in der Zeit nach Christi Himmelfahrt stattfindet, verortet der Evangelist Johannes diese Worte Jesu vor dessen Tod und Auferstehung ([00:04:19-00:04:51]).
    • Die Konsequenz: Dass Jesus in vollem Bewusstsein seines bevorstehenden Todes („Ich komme jetzt zu dir“) ein solch vertrauensvolles Gebet sprechen kann, wird als ultimativer Beweis für sein Gottvertrauen interpretiert. Es ist keine Rückschau nach einem Sieg, sondern eine vertrauensvolle Handlung im Angesicht der größten Prüfung.
    • Die Anwendung: Für die heutigen Gläubigen, die nach Ostern leben, erhält dieses Gebet eine noch tiefere, tröstlichere Bedeutung. Das Vertrauen Jesu wurde bestätigt, was wiederum das Vertrauen der Gläubigen stärken soll ([00:06:39-00:07:10]).

    4. Die Schlussfolgerung: Vertrauen statt Leistung

    • Das Ziel: Das zentrale Anliegen Gottes ist nicht die Erfüllung von Geboten oder die Ausführung von Taten, sondern dass es dem Menschen „gut geht“ ([00:07:21-00:07:36]).
    • Der Weg: Dieses Wohlbefinden wird direkt mit dem Maß an Gottvertrauen verknüpft. Die zentrale Aufgabe für den Gläubigen ist daher nicht, etwas zu tun, sondern das eigene Vertrauen zu stärken, unterstützt durch Jesus und den Heiligen Geist.

    Transkript mit Plaud

  • Leben in Fülle – auch für Nigeria

    Hl. Messe mit Prof. Msgr. Obiora Ike aus Nigeria am 4. Sonntag der Osterzeit, 12:00 Uhr im Wiener Stephansdom

  • Begründete Zuversicht

    Predigt von Domkustos DDr. Michael Landau am 4. Sonntag der Osterzeit zum Hochamt im Stephansdom