Wie weit trägt Gerechtigkeit – und wo beginnt jene innere Freiheit, die nur Vergebung schaffen kann?
Nach einer intensiven Auseinandersetzung mit den Texten des heutigen 2. Adventsonntags – Jesajas Vision eines gerechten Friedens und der Ruf des Johannes zur Umkehr – haben Yuliya, Teddy und ich zuhause die neue Verfilmung des Grafen von Monte Christo gesehen. Eine Geschichte, die seit 1844 von Vergeltung erzählt – und doch in ihren entscheidenden Momenten von etwas Größerem spricht.
Der Film hält sich erstaunlich genau an den Roman von Alexandre Dumas und zeigt die Wandlung Edmond Dantès’ mit einer Eindringlichkeit, die uns beide tief bewegt hat. Zunächst dominiert der Zorn: ein unschuldig Verurteilter, beraubt von Freiheit, Liebe und Würde. Seine Rache ist brillant konstruiert und erschreckend wirksam. Und doch wird in dieser Verfilmung deutlicher als in vielen früheren: Jeder seiner Schritte in Richtung Vergeltung kostet ihn ein Stück seines Herzens.
Gerade deshalb sind die drei stillen Szenen so stark, in denen der Graf das Schwert senkt. Wenn er im Duell bewusst daneben schießt. Wenn er seinen größten Feind im entscheidenden Augenblick verschont. Wenn er Haydée und Albert – zwei jungen Menschen – ein Leben jenseits seiner eigenen Verletzungen ermöglicht. In diesen Momenten wendet sich die Geschichte: vom Ausgleich der Schuld hin zur Möglichkeit eines neuen Anfangs.
Hier begegnen sich Film und Advent. Jesaja beschreibt einen kommenden Frieden, der nicht aus Vergeltung wächst, sondern aus einem Geist der Weisheit, Einsicht und Gerechtigkeit. Johannes ruft zur Umkehr – zur inneren Bewegung vom verletzten Ich zum offenen Herzen.
Gerechtigkeit ordnet die Welt.
Doch nur Vergebung erfüllt den Menschen.
Für Yuliya und mich war diese Verfilmung nicht nur ein großartiger Filmabend, sondern fast eine adventliche Meditation über das, was heilt: nicht der Sieg über andere, sondern die Versöhnung mit dem eigenen Leben.
Stichworte
Advent, Monte Christo, Vergebung, Gerechtigkeit, Dumas, Filmreflexion, Hoffnung
Summary
Am 2. Adventssonntag zeigt die neue Verfilmung des Grafen von Monte Christo, wie Rache an ihre Grenze stößt und Vergebung zur inneren Freiheit führt. Eine adventliche Betrachtung über Gerechtigkeit, Heilung und Menschwerdung.
https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Graf_von_Monte_Christo_(2024)