Schlagwort: Heiliger Geist

  • Gebet zum Hl. Geist

    O Geist, vom Vater ausgesandt,
    o Kraft, vom Sohn verheißen:
    Ergieße dich in unser Herz
    und nimm es dir zu eigen.

    Wo du bist, flammt die Liebe auf,
    und Liebe will lobsingen.
    Die Liebe öffnet Herz und Hand,
    sie will sich ganz verschwenden.

    Lob sei dem Vater und dem Sohn,
    Lob sei dem Heil’gen Geiste,
    wie es von allem Anfang war,
    jetzt und für alle Zeiten.

    Nach: Nunc, Sancte, nobis, Spiritus; Ambrosius (?), † 397


    Wenn dieses Gebet eine Bitte ist, dann ist es die Bitte um Liebe.

    Nicht um Liebe als flüchtiges Gefühl. Nicht nur darum, geliebt zu werden. Es ist die Bitte, selbst liebesfähig zu werden: mit einem offenen Herzen, einer offenen Hand und der Bereitschaft, sich zu verschenken.

    Der Heilige Geist wird hier nicht erklärt. Man erkennt ihn an dem, was durch ihn geschieht: Wo er ist, wird das Herz weit. Wo er wirkt, beginnt der Mensch zu geben, ohne zuvor zu rechnen. Wo er Raum gewinnt, flammt die Liebe auf.

    Wir bitten Gott also nicht bloß darum, uns etwas zu schenken. Wir bitten ihn, in uns Wohnung zu nehmen – und uns dadurch zu verwandeln.

    Vielleicht ist das die kühnste Bitte, die ein Mensch aussprechen kann:

    Nimm mein Herz dir zu eigen.
    Lass deine Liebe darin leben.

    Deus caritas est.
    Gott ist Liebe.

  • Dreifaltigkeitssonntag 2026

    Predigt von P. Johannes Paul Abrahamowicz OSB anlässlich des Profess-Jubiläums der Franziskanerinnen von Amstetten

    Dreifaltigkeitsfresko von Urschalling (14. Jahrhundert)

    Kernsynopsis

    Die Analyse der Predigt offenbart eine bewusste Strategie, theologische Konzepte durch die direkte Einbeziehung der persönlichen Erfahrungen und Entscheidungen der Jubilarinnen greifbar zu machen. Die zentrale These des Redners ist, dass langanhaltende Treue (symbolisiert durch die Professjubiläen) und göttliche Gemeinschaft (symbolisiert durch die Dreifaltigkeit) keine abstrakten Ideale sind, sondern gelebte Realitäten, die durch bewusste Entscheidungen und Ausdauer geformt werden. Der Redner nutzt die sorgfältige Auswahl der Schriftlesungen durch die Schwestern – eine Ablehnung standardisierter Texte zugunsten solcher, die Freude, Hoffnung und Spiel betonen – als primären Beweis. Dies unterstreicht die Kernbotschaft: Glaube ist kein passives Annehmen, sondern ein aktiver, gestaltender Prozess. Wir sind Zeugen, wie die persönliche Geschichte der Schwestern als Mikrokosmos für die universelle theologische Erzählung von Beziehung, Hingabe und Hoffnung dient. Die Verknüpfung der weiblichen Darstellung des Heiligen Geistes mit einem von Frauen getragenen Kloster und die Betonung weiblicher Tugenden verankert die Theologie fest in der Identität der Gemeinschaft.

    Die Architektur der Predigt: Von der persönlichen zur theologischen Ebene

    1. Die Würdigung: Personalisierung der Jubiläen

    Der Anlass ist die Feier der Professjubiläen mehrerer Franziskanerinnen in Amstetten, die eine beeindruckende Dauer der Treue repräsentieren:

    • 60 Jahre (Diamantene Profess): Schwester Maria Hermine und Schwester Maria Anzilla.
    • 65 Jahre (Eiserne Profess): Schwester Maria Berta und Schwester Maria Erika.
    • 70 Jahre (Gnadenprofess): Schwester Maria Reintraut und Schwester Maria Adelgundis.
      Der Redner betont, dass diese Jahrzehnte ohne Reue gelebt wurden, was als Beweis für eine tief verwurzelte Berufung und Zufriedenheit dient.

    2. Die theologische Verankerung: Die Dreifaltigkeit als Leitmotiv

    Die Predigt stellt eine bewusste Verbindung zwischen dem Jubiläum und dem Dreifaltigkeitssonntag her. Diese Verknüpfung wird auf mehreren Ebenen konstruiert:

    • Terminwahl: Der einzig mögliche Termin war der Dreifaltigkeitssonntag, was von den Franziskanerinnen als passend empfunden wurde, da sie eine besondere Verbindung zu diesem Fest und zur Wallfahrtskirche am Sonntagberg haben.
    • Historische Verbindung: Es wird eine Brücke zwischen den Benediktinern (der Orden des Redners) und den Franziskanerinnen geschlagen, da das Dreifaltigkeitsfest seinen Ursprung in Benediktinerklöstern hatte.
    • Symbolische Darstellung: Das Titelbild der Feier, ein romanisches Fresko, zeigt den Heiligen Geist als weibliche Figur. Dies wird als bewusste theologische Aussage interpretiert: Die Gemeinschaft und das Wirken Gottes sind unvollständig ohne das weibliche Prinzip. Der Redner untermauert dies durch den Hinweis auf die grammatikalisch weibliche Form des Wortes für Geist („Ruach“) im Hebräischen und die ebenfalls weiblichen Bezeichnungen für die Gaben des Heiligen Geistes (Weisheit, Einsicht, Stärke etc.).

    3. Die Schriftlesungen: Die aktive Aneignung des Glaubens

    Ein entscheidender Punkt ist die aktive Auseinandersetzung der Jubilarinnen mit den vorgeschlagenen Schriftlesungen. Sie lehnten die Standardlesungen des Lesejahres A ab, weil diese als nicht aussagekräftig genug empfunden wurden („nett, aber…“). Stattdessen wählten sie bewusst Texte aus dem Lesejahr C, die ihre Lebenserfahrung und ihre Hoffnung widerspiegeln:

    • Abgelehnte Texte (Jahr A):
    • Begegnung Gott-Mose: „Nur mit dem Mose.“
    1. Korintherbrief: „Lasst euch ermahnen“ – nicht aussagekräftig genug.
    • Johannesevangelium: „Geht’s ums Richten“ – passt nicht.
    • Gewählte Texte (Jahr C):
    • Buch der Sprüche: „Ich war seine Freude Tag für Tag“ und „Ich spielte vor ihm“. Diese Wahl unterstreicht eine Beziehung zu Gott, die von Freude und spielerischer Leichtigkeit geprägt ist.
    • Römerbrief: „Bewährung bewirkt Geduld… die Hoffnung lässt nicht zugrunde gehen.“ Dieser Satz wurde als „fesselnd“ empfunden und ist zugleich der Primizspruch des Redners, was eine tiefe persönliche Verbindung schafft.
    • Johannesevangelium: „Aber ihr könnt es jetzt nicht ertragen.“ Dies wird als spannungsvoller Hinweis auf die zukünftige Offenbarung Gottes interpretiert, die eine Überraschung sein wird.

    4. Die rituelle Gestaltung: Bewusstes Bekennen

    Die Predigt mündet in die Ankündigung der Professerneuerung und des Glaubensbekenntnisses. Auch hier zeigt sich der Wille zur bewussten Gestaltung, um Routine zu vermeiden:

    • Professerneuerung: Die Jubilarinnen sollen ihr „Ja-Wort“ laut und deutlich ins Mikrofon sprechen, um ihr Versprechen für die gesamte Gemeinschaft hörbar zu erneuern. Dies wird als Akt dargestellt, der die Gemeinschaft zusammenhält.
    • Glaubensbekenntnis: Um ein „Abratschen“ zu verhindern, wurde das große Glaubensbekenntnis gewählt und so formatiert, dass es langsam und bedacht, Zeile für Zeile, gelesen werden muss. Dies zwingt die Gemeinde zu einer bewussteren Auseinandersetzung mit dem Inhalt.

    erstellt mit Plaud und ChatGPT