Autor: Harald R. Preyer

  • Parsifal – Hörbegleiter

    https://oe1.orf.at/programm/20260627/835759/Richard-Wagner-Parsifal

    Opernabend – Wiener Festwochen 2026

    Richard Wagner: „Parsifal“
    Mit Russell Thomas (Parsifal), Dshamilja Kaiser (Kundry / Stimme aus der Höhe), Albert Dohmen (Gurnemanz), Kartal Karagedik (Amfortas), Werner Van Mechelen (Klingsor), Kurt Rydl (Titurel), u.a..
    Arnold Schönberg Chor, Gumpoldskirchner Spatzen, ORF Radio-Symphonieorchester Wien; Dirigentin: Yi-Chen Lin
    (aufgenommen im Juni 2026 in der Halle E des Wiener Museumsquartiers im Rahmen der Wiener Festwochen, in 5.1 Surround Sound)

    Opernabend – Wiener Festwochen 2026

    Richard Wagners letztes, nur wenige Monate vor seinem Tod uraufgeführtes Musikdrama, das Bühnenweihfestspiel Parsifal – es ist nicht nur ein Werk gewaltiger Dimensionen, sondern auch bemerkenswert in der Entstehungsgeschichte. Die Ursprünge zu diesem Werk gehen nämlich zurück bis ins Jahr 1845. Wagner hat damals den Prosaentwurf zu seiner romantischen Oper Lohengrin vollendet – und bei der Beschäftigung mit diesem Sujet war er mit der Parsifal-Thematik in Berührung gekommen.

    Das erste Resultat aus der Beschäftigung mit Wolfram von Eschenbachs Parzival war zwar Lohengrin, aber auch bei seiner Beschäftigung mit Tristan und Isolde wollte Wagner das Sujet wieder aufgreifen; im dritten Aufzug, wenn Tristan krank darnieder liegt, wollte der Komponist Parzival auftreten lassen – eine Idee, die er dann wieder verworfen hat, aber das Thema hatte sich bei ihm festgesetzt. 1857 will Wagner laut seinen eigenen Lebenserinnerungen eines Morgens bei Sonnenschein erwacht sein. „Das Gärtchen war ergrünt, die Vögel sangen. Hiervon erfüllt sagte ich mir plötzlich, dass heute ja Karfreitag sei und entsann mich, wie bedeutungsvoll mir diese Mahnung schon einmal in Wolfram von Eschenbachs Parzival aufgefallen war. Von dem Karfreitagsgedanken aus konzipierte ich schnell ein ganzes Drama, in drei Akten, welches ich sofort flüchtig skizzierte.“ Soweit Wagner im Zitat – allerdings stimmen diese Erinnerungen nicht ganz. Wagner bezog sein „Asyl“, auf das sich das Zitat bezieht, erst 18 Tage nach dem Karfreitag des Jahres 1857 – und die erste genannte Skizze ist nicht dokumentiert. Der erste vorhandene Entwurf entstand 1865, die Dichtung war 1877 vollendet, die Orchesterskizze 1879 und die gesamte Partitur schließlich 1882 – wobei auch hier gemogelt wurde, denn der Schlußeintrag der Partitur wurde auf den Geburtstag von Ehefrau Cosima Wagner rückdatiert.

    Die Uraufführung des Bühnenweihfestspiels Parsifal ging am 26. Juli 1882 bei den damals zweiten Bayreuther Festspielen über die Bühne; wäre es nach dem Wunsch des Komponisten und seiner Erben gegangen, hätte das Werk ausschließlich in Wagners Festspielhaus auf dem „grünen Hügel“ von Bayreuth zur Aufführung kommen sollen. Die Metropolitan Opera von New York ignorierte jedoch diese Wünsche und brachte Parsifal schon 1903 heraus. Andere große Bühnen warteten bis zum Ablauf der „Schutzfrist“ im Jahr 1913- unter anderem die Wiener Hofoper, in der Parsifal erstmals im Jänner 1914 erklang.

    In einer 2025 erarbeiteten, viel diskutierten Produktion der deutschen Regisseurin Susanne Kennedy gemeinsam mit dem bildenden Künstler Markus Selg für die Oper in Gent wird Parsifal in diesem Juni bei den Wiener Festwochen präsentiert; Yi-Chen Lin leitet dabei das ORF Radio-Symphonieorchester Wien.

    Text: Michael Blees

    Das vollständige Libretto in Deutsch:
    https://opera-guide.ch/operas/parsifal/libretto/de/

    Als Referenz empfohlen

    🎧 Daniel Barenboim – Richard Wagner: Parsifal (Berliner Philharmoniker, 1991)

    Spotify:
    Parsifal – Daniel Barenboim (Gesamtaufnahme)

    Alternativ gibt es auch eine gekürzte Highlights-Version:

    Parsifal – Highlights (Barenboim)

    Besetzung dieser Referenzaufnahme

    • Parsifal: Siegfried Jerusalem
    • Kundry: Waltraud Meier
    • Gurnemanz: Kurt Moll
    • Amfortas: José van Dam
    • Klingsor: Günter von Kannen
    • Dirigent: Daniel Barenboim
    • Orchester: Berliner Philharmoniker
  • Die Bachmann mit dem Alexander vergleichen – darf man denn das?

    Hier Ingeborg Bachmann, eine der bedeutendsten deutschsprachigen Schriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts. Dort Peter Alexander, Sänger, Schauspieler und der wohl größte Entertainer, den Österreich hervorgebracht hat.

    Die eine findet man im Literaturkanon. Den anderen in den Familienalben, den Plattenschränken und den Erinnerungen an den Samstagabend.

    Und doch drängt sich der Vergleich auf.

    Nicht zuletzt deshalb, weil sie fast gleich alt waren. Ingeborg Bachmann wurde am 25. Juni 1926 geboren, Peter Alexander nur fünf Tage später, am 30. Juni. Beide wuchsen im selben Land auf, erlebten Krieg und Wiederaufbau und wurden zu Symbolfiguren ihrer Zeit.

    Nur ihre Bühne war eine andere.

    Ingeborg Bachmann (1926–1973), Berlin, 1963. Porträt mit Spiegelbild. Foto: Leonore Mau.

    Bachmann suchte nach den richtigen Worten für eine verletzte Welt. Sie schrieb über Wahrheit, Liebe, Macht und Einsamkeit. Ihre Texte sind oft anspruchsvoll, manchmal sperrig und bis heute Gegenstand wissenschaftlicher Forschung.

    Peter Alexander (1926–2011), Studio-Porträt um 1965. Einer der bedeutendsten Unterhaltungskünstler des deutschsprachigen Raums.

    Peter Alexander wollte die Welt nicht erklären. Er wollte sie für einen Augenblick leichter machen. Mit Musik, Humor und Charme schenkte er Millionen Menschen unbeschwerte Stunden. Das war keine kleine Kunst, sondern große Unterhaltung.

    Merkwürdig eigentlich, dass wir Literatur so oft höher bewerten als Unterhaltung.

    Denn beide verlangten ihrem Publikum etwas ab.

    Bei Bachmann war es Konzentration.

    Bei Peter Alexander Offenheit für Freude.

    Beide arbeiteten mit höchster Disziplin. Beide waren Perfektionisten. Keiner von ihnen überließ seinen Erfolg dem Zufall.

    Auch wirtschaftlich verliefen ihre Lebenswege unterschiedlich. Bachmann konnte von ihrer Literatur leben – eine bemerkenswerte Leistung, reich machte sie das jedoch nicht. Peter Alexander hingegen wurde zu einem der erfolgreichsten Unterhaltungskünstler Europas. Filme, Schallplatten und Fernsehen machten ihn auch finanziell außerordentlich erfolgreich.

    Wer von beiden war der größere Künstler?

    Vielleicht ist das die falsche Frage.

    Die eine hinterließ Bücher, die auch fünfzig Jahre nach ihrem Tod noch gelesen und diskutiert werden.

    Der andere hinterließ Lieder und Fernsehmomente, die Generationen von Menschen mit einem Lächeln verbinden.

    Kunst muss nicht immer dieselbe Aufgabe erfüllen. Sie kann uns helfen, die Welt besser zu verstehen und sie (trotzdem) besser auszuhalten.

    Ich bewundere beide. Peter Alexander habe ich fast immer sofort verstanden. Ingeborg Bachmann fordert mich bis heute heraus. Vielleicht ist gerade das ihre besondere Größe.


    Ingeborg Bachmann
    25. Juni 1926, Klagenfurt – 17. Oktober 1973, Rom.
    Sie starb mit 47 Jahren an den Folgen eines Wohnungsbrandes. Ihr Werk gehört heute zum Kanon der deutschsprachigen Literatur.

    Peter Alexander
    30. Juni 1926, Wien – 12. Februar 2011, Wien.
    Er starb mit 84 Jahren nach einem langen Leben im Kreis seiner Familie. Seine Lieder und Fernsehauftritte sind bis heute unvergessen.

  • Du

    Du bist der Morgen,
    den meine Nächte
    suchen.

    Du bist die Sonne,
    die in meinen Dunkelheiten
    aufgeht.

    Du bist der Anfang
    hinter meinen Schlussstrichen,
    du unermüdlicher Gott.

    Bernhard Meuser, © beim Autor
    Quelle: Magnificat – das Stundenbuch
    Hymnus aus dem Morgengebet
    22.6.2026

  • Gott, Freiheit und die Macht

    Ich möchte verstehen, was hinter der Macht von Religion steht. Und ich möchte verstehen, wie ich mein eigenes Leben und das meiner Lieben möglichst gut gestalten kann.

    Deshalb besuche ich die Theologischen Kurse der Erzdiözese Wien. Ihr Leitspruch lautet:

    „Wissen, was dahinter steckt.“

    Genau darum geht es mir.

    Ich studiere nicht Theologie, um einen akademischen Grad zu erwerben. Ich möchte verstehen, was Menschen seit Jahrtausenden bewegt: Gott, Leid, Hoffnung, Tod, Freiheit, Liebe und Verantwortung.

    Deshalb lese ich nicht nur Bücher, sondern auch regelmäßig internationale Zeitungen. Denn die großen Fragen des Menschseins begegnen uns nicht nur in der Bibel oder in theologischen Lehrbüchern. Sie begegnen uns täglich in den Nachrichten.

    Warum entstehen Kriege? Warum unterdrücken Menschen andere Menschen? Warum halten Regierungen an Macht fest? Warum geschieht Böses?

    Und immer wieder führt mich das zu einer noch grundsätzlicheren Frage:

    Wie kann es sein, dass Menschen Böses denken und tun, wenn es einen guten und allmächtigen Gott gibt?

    Die moderne Theologie beantwortet diese klassische Theodizeefrage meist mit dem Hinweis auf die Freiheit des Menschen. Gott habe den Menschen nicht als Marionette geschaffen. Liebe, Verantwortung und Freiheit seien nur möglich, wenn der Mensch auch die Möglichkeit habe, sich gegen das Gute zu entscheiden.

    Diese Antwort überzeugt mich grundsätzlich. Dennoch wollte ich genauer verstehen, was hinter diesen Fragen steckt.

    Deshalb habe ich für meine schriftliche Arbeit in den Theologischen Kursen das Thema gewählt:

    „Gott und das Leid – Das Theodizeeproblem als Herausforderung für den Glauben an einen guten und allmächtigen Gott.“

    Da ich gleichzeitig als christlicher Einsegner tätig bin, wollte ich die Frage nicht nur theoretisch untersuchen. Menschen stellen sie mir am Grab, im Trauergespräch und in den schwersten Stunden ihres Lebens. Sie fragen selten nach philosophischen Modellen. Sie fragen vielmehr:

    „Warum hat Gott das zugelassen?“

    Bei meinen Recherchen wurde mir bewusst, dass sich die Theodizeefrage nicht nur im persönlichen Leid stellt. Sie begegnet uns auch in der Politik.

    Warum entstehen Kriege? Warum werden Menschen unterdrückt? Warum halten Regierungen an Macht fest, obwohl ihre Bevölkerung Freiheit und Mitbestimmung wünscht? Und welche Rolle spielt Religion dabei?

    Besonders deutlich zeigt sich diese Frage derzeit am Beispiel des Iran. Dort beruft sich ein religiös legitimiertes Regime auf göttliche Autorität, während viele Menschen mehr Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und demokratische Mitbestimmung verlangen.

    Damit stellt sich eine weiterführende Frage:

    Kann eine Religion ihre Wahrheit bewahren, ohne daraus einen politischen Herrschaftsanspruch abzuleiten?

    Der eigentliche Konflikt zwischen dem Westen und dem Iran ist nicht nur ein geopolitischer. Er ist auch ein geistiger. Es geht um die Frage, ob eine Religion ihre Wahrheit bewahren kann, ohne daraus ein politisches Herrschaftssystem zu machen.

    Die Islamische Republik Iran beruft sich auf Gott, den Propheten und die religiöse Rechtsgelehrsamkeit. Ihr Modell der Herrschaft der Rechtsgelehrten macht deutlich: Politische Macht wird hier nicht zuerst vom Volk her gedacht, sondern religiös legitimiert und überwacht. Demokratie darf stattfinden, solange sie den religiösen Rahmen nicht infrage stellt.

    Genau hier liegt das Problem. Eine freie Demokratie lebt vom Widerspruch. Sie braucht Meinungsfreiheit, Gewaltenteilung, freie Wahlen, Machtwechsel und die Möglichkeit, dass auch Mehrheiten irren können. Ein religiöses Regime, das sich als Hüter göttlicher Wahrheit versteht, empfindet diese Freiheit oft nicht als Korrektiv, sondern als Bedrohung.

    Das bedeutet nicht, dass der Islam demokratieunfähig wäre. Auch im Islam gibt es Auslegung, Vernunftgebrauch, Reformbewegungen und spirituelle Tiefe. Doch dort, wo eine bestimmte religiöse Interpretation mit staatlicher Macht verschmilzt, wird aus Religion leicht Ideologie. Dann schützt der Staat nicht mehr den Glauben der Menschen, sondern die Macht jener, die behaupten, im Namen Gottes zu sprechen.

    Das Christentum hat diesen Lernprozess selbst über Jahrhunderte durchlaufen. Auch christliche Herrscher beriefen sich einst auf Gott, um ihre Macht zu legitimieren. Erst langsam entstand die Einsicht, dass die Wahrheit des Glaubens nicht stärker wird, wenn sie mit staatlicher Gewalt durchgesetzt wird. Sie wird glaubwürdiger, wenn Menschen ihr frei zustimmen können.

    Deshalb lautet die entscheidende Frage nicht, ob Religion in modernen Demokratien noch Platz hat. Natürlich hat sie das.

    Die eigentliche Frage lautet:

    Kann Religion darauf verzichten, den Staat zu beherrschen?

    Eine Religion, die Gott vertraut, muss Menschen nicht zwingen. Sie kann werben, inspirieren, deuten, trösten, widersprechen und mahnen. Aber sie sollte nicht foltern, einsperren oder töten, um ihre Wahrheit zu verteidigen. Denn eine Wahrheit, die nur mit Gewalt überlebt, hat ihre geistliche Kraft bereits verloren.

    Vor diesem Hintergrund wirken Friedensgespräche zwischen Washington und Teheran zwangsläufig fragil. Man kann Waffenruhen vereinbaren, Sanktionen lockern, Ölströme regeln und Milliardenfonds schaffen. Aber dauerhafter Frieden entsteht erst dort, wo politische Macht nicht mehr mit göttlicher Autorität verwechselt wird.

    Viele Iranerinnen und Iraner scheinen das längst verstanden zu haben. Sie wünschen sich nicht unbedingt weniger Religion. Sie wünschen sich mehr Freiheit. Sie wollen glauben können, ohne beherrscht zu werden. Sie wollen leben, ohne dass der Staat ihnen vorschreibt, wie Gott zu verstehen ist.

    Vielleicht beginnt die Zukunft des Iran nicht mit einem neuen Abkommen, sondern mit einer alten Einsicht:

    Gott braucht keine Geheimpolizei.

    Und vielleicht liegt genau darin auch eine Antwort auf die Theodizeefrage. Gott schafft Freiheit. Das Böse entsteht nicht durch Gott, sondern durch den Missbrauch dieser Freiheit. Die Aufgabe von Religion besteht daher nicht darin, Macht zu sichern, sondern Menschen zu befähigen, ihre Freiheit verantwortlich zu leben.

    Oder, in einem Satz:

    Nicht dort, wo Religion herrscht, sondern dort, wo sie zur Liebe befähigt, erfüllt sie ihren eigentlichen Auftrag.

  • Entscheidung auf dem Karmel

    Götzen und der wahre Gott

    (1 Kön 18, 20–39)

    20 Ahab schickte in ganz Israel umher und ließ
    die Propheten auf dem Karmel zusammenkommen. 
     21 Und Elija trat vor das ganze Volk und rief: Wie lange noch schwankt ihr nach zwei Seiten? Wenn der HERR der wahre Gott ist, dann folgt ihm! Wenn aber Baal es ist, dann folgt diesem! Doch das Volk gab ihm keine Antwort. 22 Da sagte Elija zum Volk: Ich allein bin als Prophet des HERRN übrig geblieben; die Propheten des Baal aber sind vierhundertfünfzig. 23 Man gebe uns zwei Stiere. Sie sollen sich einen auswählen, ihn zerteilen und auf das Holz legen, aber kein Feuer anzünden. Ich werde den andern zubereiten, auf das Holz legen und kein Feuer anzünden. 24 Dann sollt ihr den Namen eures Gottes anrufen und ich werde den Namen des HERRN anrufen. Der Gott, der mit Feuer antwortet, ist der wahre Gott.

    Da rief das ganze Volk: Der Vorschlag ist gut. 

     25 Nun sagte Elija zu den Propheten des Baal: Wählt ihr zuerst den einen Stier aus und bereitet ihn zu; denn ihr seid die Mehrheit. Ruft dann den Namen eures Gottes an, entzündet aber kein Feuer! 
    26 Sie nahmen den Stier, den er ihnen überließ, und bereiteten ihn zu. Dann riefen sie vom Morgen bis zum Mittag den Namen des Baal an und schrien: Baal, erhöre uns! Doch es kam kein Laut und niemand gab Antwort. Sie tanzten hüpfend um den Altar, den man gemacht hatte.27 Um die Mittagszeit verspottete sie Elija und sagte: Ruft lauter! Er ist doch Gott. Er könnte beschäftigt sein, könnte beiseitegegangen oder verreist sein. Vielleicht schläft er und wacht dann auf. 
    28 Sie schrien nun mit lauter Stimme. Nach ihrem Brauch ritzten sie sich mit Schwertern und Lanzen wund, bis das Blut an ihnen herabfloss. 29 Als der Mittag vorüber war, verfielen sie in Raserei und das dauerte bis zu der Zeit, da man das Speiseopfer darzubringen pflegt. Doch es kam kein Laut, keine Antwort, keine Erhörung. 30 Nun forderte Elija das ganze Volk auf: Tretet her zu mir! Sie kamen und Elija baute den zerstörten Altar des HERRN wieder auf. 31 Er nahm zwölf Steine, nach der Zahl der Stämme der Söhne Jakobs, zu dem der HERR gesagt hatte: Israel soll dein Name sein. 32 Er fügte die Steine zu einem Altar für den Namen des HERRN, zog rings um den Altar einen Graben und grenzte eine Fläche ab, die zwei Sea Saat hätte aufnehmen können. 33 Sodann schichtete er das Holz auf, zerteilte den Stier und legte ihn auf das Holz. 34 Nun befahl er: Füllt vier Krüge mit Wasser und gießt es über das Brandopfer und das Holz! Hierauf sagte er: Tut es noch einmal! Und sie wiederholten es. Dann sagte er: Tut es zum dritten Mal! Und sie taten es zum dritten Mal. 35 Das Wasser lief rings um den Altar. Auch den Graben füllte er mit Wasser. 36 Zu der Zeit nun, da man das Speiseopfer darzubringen pflegt, trat der Prophet Elija an den Altar und rief: HERR, Gott Abrahams, Isaaks und Israels, heute soll man erkennen, dass du Gott bist in Israel, dass ich dein Knecht bin und all das in deinem Auftrag tue. 37 Erhöre mich, HERR, erhöre mich! Dieses Volk soll erkennen, dass du, HERR, der wahre Gott bist und dass du sein Herz zur Umkehr wendest. 38 Da kam das Feuer des HERRN herab und verzehrte das Brandopfer, das Holz, die Steine und die Erde. Auch das Wasser im Graben leckte es auf. 

    39 Das ganze Volk sah es, warf sich auf das Angesicht nieder und rief:
    Der HERR ist Gott, der HERR ist Gott! 

    Wer oder was sind für uns heute Götzen?
    Und der wahre Gott?

  • Warum gibt es Leid?

    „Warum leidet der Unschuldige?
    Das ist eine große Frage, die schon Dostojewski gestellt hat:
    Warum leiden Kinder?
    Diese Frage stellen wir uns alle.“

    Papst Franziskus gibt darauf keine theoretische Antwort. Er verweist zunächst auf den gekreuzigten Christus: Wer nach dem Leid der Unschuldigen fragt, soll auf den Sohn Gottes am Kreuz schauen. Dann führt er den Gedanken weiter: Gott hat den Menschen als freies Wesen geschaffen. Er respektiert die menschliche Freiheit so sehr, dass er sie nicht einmal dann aufhebt, wenn Menschen Böses tun. Selbst das Leiden und Sterben Jesu am Kreuz wurde nicht verhindert. Denn eine Welt ohne Freiheit wäre auch eine Welt ohne echte Liebe.

    „Und hier kommt die Liebe ins Spiel.
    Ohne Freiheit können wir nicht lieben.
    Denn Liebe setzt eine Wahl voraus.

    Die bedingungslose Liebe eines Vaters oder einer Mutter für ihr Kind und umgekehrt, die Liebe zwischen Eheleuten, zwischen Verlobten, die Liebe für das Leben und die Liebe zu den Menschen setzen alle eine Wahl voraus.

    Entweder ich liebe oder auch nicht. Oder ich hasse.

    Aber wenn ich nicht die freie Wahl hätte,
    könnte ich nicht lieben.“

    Papst Franziskus im Film „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortesvon Wim Wenders.

    Diese kurze Sequenz habe ich mit dem Handy vom Fernseher abgefilmt. Vermutlich nicht ganz legal – vermutlich aber ganz im Sinne von P. Franziskus und Wim Wenders.

    Trailer 2 Deutsch (1:31)
    Trailer Deutsch lang (6:13)

    Wikipedia über den Film


    Wie wurde ich auf den Film im Juni 2026 aufmerksam?

    Relativ egal, welche Zeitung ich gerade lese – überall taucht derzeit die Geschichte auf, dass Wim Wenders vor 50 Jahren eine Szene mit der damals 13-jährigen Nastassja Kinski gedreht hat. Heute habe ich gelesen, dass er sich dafür entschuldigt und den Film aus dem Verkehr gezogen hat. Tatsächlich ist „Falsche Bewegung“ zumindest auf Prime Video derzeit nicht mehr verfügbar.

    Die ZEIT: Kinski äußert sich zu Debatte um ihre Nacktszene in Wenders-Film

    Das hat mich neugierig auf Wim Wenders gemacht. Einige seiner Filme kannte ich bereits. Ein Projekt hatte ich allerdings nie verfolgt:

    „Nachdem das Büro von Wim Wenders 2013 einen Brief vom Vatikan mit der Anfrage erhalten hatte, ob Wenders Interesse an einem Film über Papst Franziskus habe, wurde nach detaillierter Abklärung der Bedingungen, unter denen das Projekt durchgeführt werden sollte, Anfang 2016 mit den Dreharbeiten begonnen.“

    So entstand der Film „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“, der 2018 in die Kinos kam.

    Ich hatte ihn damals nicht gesehen. Heute haben Yuliya und ich ihn ganz in Ruhe angesehen – und ich bin begeistert. Zu sehen sind Originalaufnahmen aus dem Leben des verstorbenen Papstes, von denen ich viele noch nie gesehen hatte. Mehrmals haben wir den Film angehalten und darüber gesprochen.

    Mit so viel Liebe, Kompetenz und dramaturgischem Einfühlungsvermögen zusammengestellt, dass daraus ein filmisches Meisterwerk geworden ist – und nicht die bloße Dokumentation, die ich erwartet hatte.

    Fast am Ende gibt es eine Szene, in der Papst Franziskus auf die berühmte Frage eingeht, warum es Leid gibt. Theoretisch ist die Antwort bekannt. Aber so warmherzig, menschlich und glaubwürdig habe ich sie noch nie gehört wie aus dem Mund von Franziskus in seiner Muttersprache.

    Ich konnte nicht anders und habe den kurzen Ausschnitt einfach mit dem Handy gefilmt.

  • Beistand und Zuversicht

    Aus den Händen aller, die uns hassen, errette uns, o Herr.

    Bitten

    Salz der Erde, Licht der Welt: das sind Menschen wie Elija, die anderen Beistand und Zuversicht sind, die in scheinbar aussichtsloser Zeit Fenster der Hoffnung aufstoßen. Bitten wir Gott, der uns ruft:

    A: Erfülle uns mit deinem Geist.

    – Dass wir den Menschen nahe sind, die du uns anvertraut hast.
    – Dass nichts uns vom Vertrauen auf deinen Beistand abbringt.
    – Dass wir auch in Situationen beieinander ausharren, in denen wir mit unserem Latein am Ende sind.

    A: Erfülle uns mit deinem Geist.

    Quelle: Magnificat – das Stundenbuch, 9.6.2026

  • Der Mythos vom perfekten Liebhaber

    Es gibt eine eigentümliche Figur unserer Gegenwart: den Mann, der überzeugt ist, ein guter Liebhaber zu sein.

    Er betritt keine Beziehung, er tritt auf. Seine Gewissheit speist sich aus Erfahrung, aus Geschichten, aus Filmen, aus den Bildern einer Kultur, die Sexualität gerne als Leistung versteht. Er weiß angeblich, was Frauen wollen. Er fragt nicht nach. Fragen würden Unsicherheit verraten. Stattdessen vertraut er auf Routinen, Techniken und die Vorstellung, dass Intimität vor allem eine Frage des Könnens sei.

    Doch gerade darin liegt oft das Missverständnis.

    Sexualität ist keine Sportart. Sie kennt keine objektive Wertung, keine Ranglisten und keine Medaillen. Wer sie dennoch als Prüfung begreift, verschiebt den Schwerpunkt von der Begegnung zur Selbstdarstellung. Aus dem Gegenüber wird ein Publikum. Aus Nähe wird Performance.

    Psychologen sprechen in diesem Zusammenhang von sexuellem Narzissmus. Gemeint ist nicht die Freude am eigenen Körper oder ein gesundes Selbstvertrauen. Gemeint ist eine Haltung, in der die eigene Leistung wichtiger wird als die gemeinsame Erfahrung. Der andere Mensch erscheint dann weniger als Partner denn als Bestätigung der eigenen Fähigkeiten.

    Das Paradoxe daran: Je stärker jemand davon überzeugt ist, bereits alles zu wissen, desto weniger offen bleibt er für das, was ihn tatsächlich interessieren müsste. Denn jeder Mensch ist anders. Was gestern richtig war, kann heute falsch sein. Was bei einer Partnerin Freude auslöst, kann bei einer anderen wirkungslos bleiben.

    Aufmerksamkeit als perfekte „Technik“

    Gute Liebhaber zeichnen sich daher nicht durch besondere Techniken aus. Ihre wichtigste Fähigkeit ist Aufmerksamkeit.

    Sie hören zu. Sie beobachten. Sie fragen. Und sie akzeptieren, dass Intimität kein Zustand vollendeter Meisterschaft ist, sondern ein fortlaufender Dialog.

    Auch Frauen tragen gelegentlich dazu bei, den Mythos des „Sexgotts“ aufrechtzuerhalten. Aus Höflichkeit, Rücksicht oder dem Wunsch, Konflikte zu vermeiden, wird Zustimmung signalisiert, wo eigentlich Korrektur hilfreich wäre. So entstehen gegenseitige Missverständnisse, die mit den Jahren den Charakter von Gewissheiten annehmen.

    Die Forschung zeigt seit Langem, dass die sexuelle Erfahrung von Männern und Frauen oft unterschiedlich verläuft. Männer erreichen beim heterosexuellen Geschlechtsverkehr im Durchschnitt deutlich häufiger einen Orgasmus als Frauen. Hinter dieser sogenannten „Orgasmuslücke“ stehen viele Faktoren. Einer davon ist die kulturelle Vorstellung, männliche Lust sei der eigentliche Motor sexueller Begegnungen, während weibliche Lust eher als Bestätigung des männlichen Erfolgs betrachtet wird.

    Lust ist kein Pokal, den man gewinnt.

    Vielleicht besteht die Reife einer sexuellen Beziehung gerade darin, den Gedanken der Leistung hinter sich zu lassen. Nicht zu fragen: „War ich gut?“ Sondern: „Sind wir uns begegnet?“

    Wer dazu bereit ist, wird möglicherweise weniger beeindruckend wirken als die Legenden der Männermagazine. Aber er wird der Wirklichkeit näher kommen.

    Und vielleicht liegt genau dort die eigentliche Kunst der Liebe: nicht im Wissen, sondern im Interesse am anderen Menschen.

    Die Illustrationen sind auf Basis des Textes mit KI erstellt.

  • Was rettet die Zukunft der Menschheit?

    Eine Gegenüberstellung scheinbar ähnlicher Positionen zweier Persönlichkeiten, recherchiert und editiert mit ChatGPT am 3.6.2026 von HRP.

    ThemaPeter ThielPapst Leo XIV
    Geboren1967, Frankfurt am Main1955, Chicago
    HerkunftDeutscher Emigrant in den USAUS-Amerikaner, Augustiner
    AusbildungPhilosophie, Stanford; JuristMathematik, Philosophie, Theologie
    Beruflicher WegUnternehmer, Investor, Mitgründer von PayPal, erster Investor bei FacebookOrdensmann, Missionar, Bischof, Kardinal, Papst
    GrundfrageWie verhindern wir den Niedergang der Zivilisation?Wie führen wir Menschen zu Gott und zueinander?
    MenschenbildMensch als schöpferisches Wesen, das Grenzen überwinden sollMensch als geliebtes Geschöpf Gottes
    Sicht auf TechnikZentrales Werkzeug der Erlösung von Leid und MangelWertvoll, aber dem Menschen dienend
    Sicht auf den TodFeind, der bekämpft werden sollFeind, der durch Christus überwunden wurde
    HoffnungFortschritt, Innovation, EntdeckungGnade, Auferstehung, Liebe
    Gefahr unserer ZeitStagnation und geistige ResignationVerlust von Beziehung, Sinn und Hoffnung
    FreiheitFreiheit zur Gestaltung der ZukunftFreiheit zur Liebe
    MachtNotwendiges Instrument zur GestaltungVerantwortung im Dienst anderer
    OrdnungVoraussetzung für FortschrittFrucht von Gerechtigkeit und Frieden
    KIGroße Chance, aber auch MachtfrageGroße Chance, aber ethisch gebunden
    ReligionChristentum als Quelle großer Wahrheiten; oft kulturkritischChristentum als lebendige Beziehung zu Christus
    LeitbildDer Unternehmer, Entdecker, InnovatorDer Hirte, Diener, Brückenbauer

    Peter Thiel:

    Der Mensch muss die Welt verändern, damit sie besser wird.

    Papst Leo XIV:

    Der Mensch muss sich von Gott verändern lassen, damit die Welt besser wird.