Hier Ingeborg Bachmann, eine der bedeutendsten deutschsprachigen Schriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts. Dort Peter Alexander, Sänger, Schauspieler und der wohl größte Entertainer, den Österreich hervorgebracht hat.
Die eine findet man im Literaturkanon. Den anderen in den Familienalben, den Plattenschränken und den Erinnerungen an den Samstagabend.
Und doch drängt sich der Vergleich auf.
Nicht zuletzt deshalb, weil sie fast gleich alt waren. Ingeborg Bachmann wurde am 25. Juni 1926 geboren, Peter Alexander nur fünf Tage später, am 30. Juni. Beide wuchsen im selben Land auf, erlebten Krieg und Wiederaufbau und wurden zu Symbolfiguren ihrer Zeit.
Nur ihre Bühne war eine andere.
Bachmann suchte nach den richtigen Worten für eine verletzte Welt. Sie schrieb über Wahrheit, Liebe, Macht und Einsamkeit. Ihre Texte sind oft anspruchsvoll, manchmal sperrig und bis heute Gegenstand wissenschaftlicher Forschung.
Peter Alexander wollte die Welt nicht erklären. Er wollte sie für einen Augenblick leichter machen. Mit Musik, Humor und Charme schenkte er Millionen Menschen unbeschwerte Stunden. Das war keine kleine Kunst, sondern große Unterhaltung.
Merkwürdig eigentlich, dass wir Literatur so oft höher bewerten als Unterhaltung.
Denn beide verlangten ihrem Publikum etwas ab.
Bei Bachmann war es Konzentration.
Bei Peter Alexander Offenheit für Freude.
Beide arbeiteten mit höchster Disziplin. Beide waren Perfektionisten. Keiner von ihnen überließ seinen Erfolg dem Zufall.
Auch wirtschaftlich verliefen ihre Lebenswege unterschiedlich. Bachmann konnte von ihrer Literatur leben – eine bemerkenswerte Leistung, reich machte sie das jedoch nicht. Peter Alexander hingegen wurde zu einem der erfolgreichsten Unterhaltungskünstler Europas. Filme, Schallplatten und Fernsehen machten ihn auch finanziell außerordentlich erfolgreich.
Wer von beiden war der größere Künstler?
Vielleicht ist das die falsche Frage.
Die eine hinterließ Bücher, die auch fünfzig Jahre nach ihrem Tod noch gelesen und diskutiert werden.
Der andere hinterließ Lieder und Fernsehmomente, die Generationen von Menschen mit einem Lächeln verbinden.
Kunst muss nicht immer dieselbe Aufgabe erfüllen. Sie kann uns helfen, die Welt besser zu verstehen und sie (trotzdem) besser auszuhalten.
Ich liebe beide. Nur dass ich ihn immer gleich verstand und sie mir heute noch Rätsel aufgibt.
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