Autor: Harald R. Preyer

  • Was lässt sich über das Leben sagen, Franz Schuh?

    Franz Schuh, *1947, Philosoph, Schriftsteller und Essayist, zuletzt erschienen »Ein Mann ohne Beschwerden« (Zsolnay)

    Was gilt im Leben absolut? Umsonst ist nur der Tod, heißt es im Wienerischen Jargon, und der kostet das Leben. Das Absolute ist die theologisch-philosophische Überhöhung dessen, was man in der irdischen Gesellschaft »das Unverhandelbare« nennen kann. Das Absolute für uns Menschen – als Einzelne und im Kollektiv – ist die Endlichkeit des Lebens, die schlichte Tatsache, dass das Leben vorübergeht.

    Ein einziges Mal wurde ich in meiner auf der Hand liegenden These über das Absolute unsicher. Das war bei einem Symposion über das Werk von Elias Canetti. Da sprang Vilém Flusser auf, der 1991 verstorbene Medien-Philosoph, ein Technikfreak, und wies alles, was im Sinne Canettis über den Tod zu sagen ist, weit von sich. Je mehr, sagte Flusser, ich hier zuhöre, desto unsympathischer wird mir dieser Canetti, und er stellte in Aussicht, der Tod wäre nichts Absolutes, sondern die Menschheit würde schließlich eine technische Lösung finden, um ihn zu überwinden. Die Unsterblichkeit jenseits der Transzendenz, das nenne ich technikaffin: Unsterblich im Leben, was für eine Dr. Frankenstein-Innovation.

    Meine These lautet, dass der Tod das einzig Absolute ist. Das rückt das Sterben und seine zu erreichende Würde an die Spitze der Bestenliste unserer Existenz: Wir müssen was tun, wir müssen handeln, um das Sterben, zum Beispiel im Krieg, nicht empathielos zu einer Routine, zum Alltag werden zu lassen. Wir sollten Hospize einrichten und keine Abschussrampen bauen.

    Aber so ein »Wir« gibt es nicht. Irgendetwas müsste mit den Ersatzformen des Absoluten passieren, was sicher nicht passiert: Der Nationalismus, der religiöse Fundamentalismus, die Gier nach Macht, die Habgier, die (selbst-)mörderische Leidenschaftsliebe, der Hass auf den Nachbarn und so weiter – diese beliebten, scheinlebendig machenden, überwertigen Motivationen werden das Leben der Vielen (und ihrer Institutionen) ad infinitum, ausfüllen.

    Dagegen berühmte Zeilen aus einem Brecht-Gedicht: »Wenn die Irrtümer verbraucht sind / Sitzt als letzter Gesellschafter / Uns das Nichts gegenüber.« Anschauungsunterricht dafür bietet eine Fernsehsendung des ORF. Sie heißt »Goldener Herbst – Legenden reden über’s Leben«. Das könnte die schlimmste mediale Formatierung sein: »Legenden«, also sogenannten Prominenten das letzte Wort »über’s Leben« zu überlassen. Es ist die totale Selbstbespiegelung des Mediums, das ja entscheidet, wer prominent ist und wer.

    Wie im Leben gibt der ehemalige Operndirektor Ioan Holender gleich zu Anfang der Sendung den Ton an. »Goldener Herbst«, das sei ein schöner Titel, es könnte ja auch heißen »früher Winter« – aber, sagt Holender, »nach dem Herbst kommt noch was, nach dem Winter kommt nichts«. Das ist – nach meiner Meinung – die tröstliche, aber auch vertröstende, melancholisch-ironische Variante, den Tod durch eine Redeweise ins Leben mit einzubeziehen.

    Eine andere Redeweise ist erstaunlich, sie stammt von Ernst Bloch und lautet, aus dem Gedächtnis zitiert: »Der Tod – eine Erfahrung, die ich auch noch machen möchte.« Bloch war ein Atheist, ans ewige Leben, an irgendeine Art von Leben nach dem Tod, hat er nicht geglaubt. Er hat mit der willkommenen Erfahrung schlicht das Sterben selbst gemeint, auf das er neugierig ist.

    Ich glaube, diese Reaktion einer zustimmenden, einverstandenen Neugier ist die einzige Möglichkeit (auch die einzig lebensbejahende), um dem Tod seine gnadenlose Absolutheit zu nehmen. Ob das in den entscheidenden Augenblicken funktioniert – na, schau mer mal.

    Quelle: Gemischter Satz, Der Newsletter der ZEIT Österreich • 47/2024

  • Kann sein, was nicht sein darf?

    Manchmal braucht es den Blick über das Gewohnte hinaus, um neue Perspektiven zu entdecken. Dieses Bild eines Eisbären in der Heimat der Pinguine erzählt eine Geschichte, die eigentlich „nicht sein kann“ – und doch wirkt sie lebendig und real.

    Es stellt die Frage: Wie oft schränken wir uns selbst ein, weil wir glauben, dass etwas nicht möglich ist? Grenzen existieren oft nur in unseren Köpfen, und manchmal sind es gerade die vermeintlich unmöglichen Momente, die uns inspirieren und weiterbringen.

    ➡️ Was denkst Du? Kann sein, was nicht sein darf? Lass uns die Perspektiven erweitern und über das Unmögliche nachdenken.

  • Im Innen und Außen

    Die Unterscheidung zwischen „Innen“ und „Außen“ ist ein zentrales Konzept in vielen esoterischen, spirituellen und philosophischen Strömungen. Sie verweist auf zwei Ebenen der Realität, die in Beziehung zueinander stehen, und versucht, die Dynamik zwischen unserem inneren Erleben und der äußeren Welt zu beschreiben.

    1. Das Innen:

    Das „Innen“ bezieht sich auf das innere Erleben eines Menschen. Dazu gehören:

    • Gefühle und Emotionen: Freude, Angst, Liebe, Trauer usw.
    • Gedanken und Überzeugungen: Geistige Prozesse und Glaubenssätze, die unser Weltbild formen.
    • Bewusstsein und Intuition: Die Verbindung zu tieferem Wissen oder einer höheren Wahrheit.
    • Seele und Geist: In esoterischen Kontexten wird oft vom „wahren Selbst“ oder dem „inneren Licht“ gesprochen.

    Das „Innen“ wird oft als der Ort der Selbstfindung und Heilung beschrieben. Hier wird das Verständnis von sich selbst und die Verbindung zum Spirituellen gesucht.


    2. Das Außen:

    Das „Außen“ beschreibt die äußere Welt, in der wir leben, und umfasst:

    • Physische Realität: Die materielle Welt, Dinge, Menschen, Natur.
    • Gesellschaft und Beziehungen: Interaktionen, Strukturen und äußere Einflüsse.
    • Ereignisse und Erfahrungen: Alles, was einem „widerfährt“ oder was man wahrnimmt.

    Das „Außen“ wird häufig als Spiegel des Inneren betrachtet – das, was in der äußeren Welt geschieht, könnte eine Projektion oder Manifestation des Inneren sein.


    3. Beziehung zwischen Innen und Außen:

    Viele esoterische Strömungen sehen das „Innen“ und das „Außen“ nicht als getrennte Bereiche, sondern als miteinander verflochten:

    • Spiegelgesetz: Die äußere Welt wird oft als Spiegel des inneren Zustands betrachtet. Beispielsweise könnte ein Konflikt im Außen ein Hinweis auf ungelöste Konflikte im Inneren sein.
    • Resonanzprinzip: Man zieht das an, was man innerlich ausstrahlt. Positive Gedanken und Gefühle sollen positive Erfahrungen anziehen, negative entsprechend das Gegenteil.
    • Transformation: Durch die Arbeit an sich selbst (Innen) kann man die äußeren Umstände (Außen) beeinflussen.

    4. Kritik und Grenzen:

    Das Konzept wird in esoterischen Kreisen manchmal überstrapaziert. Es gibt kritische Stimmen, die warnen, dass es in extremen Fällen dazu führen kann, äußere Umstände wie Ungerechtigkeit, Krankheit oder Trauma ausschließlich auf das Innere zurückzuführen. Dies kann zu Schuldgefühlen führen oder äußere Realitäten wie soziale Missstände ignorieren.


    Fazit:

    „Innen“ und „Außen“ sind Begriffe, die helfen, die Verbindung zwischen innerem Erleben und äußerer Welt zu reflektieren. Es geht darum, sowohl die innere Welt zu pflegen und zu klären als auch bewusst und achtsam mit der äußeren Welt umzugehen. Diese Balance wird oft als Schlüssel zu einem erfüllten und harmonischen Leben betrachtet.

  • Ein Wunder im Alltag

    Es war ein kühler, klarer Dezembertag, als ich eine liebe Bekannte mit dem Auto meiner Frau zur U-Bahn brachte. Sie war guter Dinge, doch während wir durch die Stadt fuhren, wurde es plötzlich still im Wagen. Wie aus dem Nichts fragte sie: „Glaubst du an Wunder?“

    Ich zögerte einen Moment. Diese Frage war so direkt und doch so tief, dass ich mir bewusst Zeit nahm, die passenden Worte zu finden. „Ja,“ sagte ich schließlich, „ich glaube, dass Wunder jeden Tag geschehen.“

    Ich erzählte ihr von meiner eigenen Erfahrung, die mein Leben verändert hatte. Im Dezember 2018 musste ich mich einer Notoperation unterziehen, einer ernsten, lebensbedrohlichen Situation. Die Ärzte taten alles Menschenmögliche, doch was ich damals spürte, ging darüber hinaus. Es war, als würde eine unsichtbare Hand mich tragen. Dieses Gefühl des Geborgenseins, dieses Vertrauen, dass es einen Sinn geben muss – das war für mich ein Wunder.

    Ich erzählte ihr auch von Freunden, die mit schweren, medizinisch als unheilbar diagnostizierten Krankheiten kämpften. In diesen Momenten, wenn menschliche Möglichkeiten an ihre Grenzen stießen, hatten wir gemeinsam gebetet. Wir haben Gott gebeten, uns zu begleiten, haben losgelassen und das Schicksal in seine Hände gelegt. Und manchmal, nicht immer, geschah das Unfassbare: Die Menschen wurden gesund. Doch auch wenn keine Heilung kam, spürten wir eine andere Art von Wunder – Frieden, Kraft und eine innere Heilung, die uns trug.

    „Ich glaube,“ sagte ich schließlich, „dass Wunder oft aufmerksames Zuhören, Mitleiden, Mitfreuen und gemeinsames Danken als Grundlage haben. Sie sind die Momente, in denen wir spüren, dass wir nicht allein sind.“

    Sie lächelte und sah mich an. „Ich wollte es einfach wissen,“ sagte sie. Dann fügte sie hinzu: „Übrigens habe ich heute meinen ersten Rosenkranz gebetet.“ Ihre Worte erfüllten den Wagen mit einer unerwarteten Wärme. Ich hielt kurz inne, sah sie an und fragte: „Möchtest du, dass wir ein Ave Maria zusammen beten, bevor du aussteigst?“

    Sie nickte, ein wenig überrascht, aber auch berührt. Gemeinsam beteten wir das „Gegrüßt seist Du Maria, voll der Gnade…“. Als ich am Ende die Gottesmutter direkt ansprach, bat ich sie, meine Bekannte zu beschützen und zu begleiten. Meine Worte waren einfach, aber von Herzen. Als wir fertig waren, sah sie mich an und sagte erstaunt: „Ich wusste nicht, dass man die Mutter Gottes einfach so ansprechen kann.“

    Ich lächelte. „Doch, das kann man. Genau das ist das Wunderbare am Glauben. Wir dürfen Gott unseren Vater nennen, dürfen Maria als Mutter sehen und sie um Hilfe bitten. Es ist diese Nähe, die das Christentum so lebendig macht. Es ist, als ob wir immer eine Hand haben, die wir ergreifen können – in Freude, in Angst, in Dankbarkeit.“

    Sie stieg aus, doch bevor sie ging, drehte sie sich noch einmal um. „Danke,“ sagte sie leise, „das war schön.“

    Als ich weiterfuhr, dachte ich über die kleinen Wunder nach, die uns oft mitten im Alltag begegnen. Manchmal kommen sie ganz unscheinbar, in einem Gebet, einem Gespräch oder einem Lächeln. Doch wenn wir aufmerksam sind, können wir sie erkennen. Und vielleicht sind wir selbst, in diesen Momenten, ein kleines Wunder für jemand anderen.

  • Wirklich frei

    Kritische Besprechung des Buches „Drauf geschissen!“ von Michael Leister

    Harald Preyer, 20.11.2024

    Michael Leisters Buch „Drauf geschissen!“ greift die Thematik auf, wie man sich von den Erwartungen und Meinungen anderer befreien kann, um ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Doch bei genauerem Hinsehen fällt auf, dass das Werk in großen Teilen an das Erfolgsbuch „The Life-Changing Magic of Not Giving a Fck“* von Sarah Knight erinnert – bis hin zu inhaltlichen Parallelen und strukturellen Übereinstimmungen.

    Inhaltliche Parallelen zu Sarah Knight

    Leister führt in seinem Buch das Konzept ein, auf unwichtige Dinge „zu scheißen“, um sich auf die wirklich wichtigen Aspekte des Lebens zu konzentrieren. Dieses Grundprinzip ist nahezu identisch mit Knights Ansatz, nur ihre Version betont stärker die bewusste Prioritätensetzung und Entscheidungsfreiheit.

    Einige Beispiele aus beiden Büchern:

    • Statussymbole als Fesseln: Leister erwähnt, wie ein Mercedes Cabrio oder andere Statussymbole die Freiheit einschränken können. Sarah Knight behandelt das gleiche Thema in ihrem Buch und hebt hervor, dass solche Entscheidungen oft aus einem Gefühl der Verpflichtung anderen gegenüber getroffen werden.
    • Selbstbewusstsein und eigene Prioritäten: Beide Autoren betonen, wie wichtig es ist, sich von äußeren Erwartungen zu lösen. Knight formuliert dies als „Zero F*cks Given“-Strategie, während Leister ähnliche Formulierungen nutzt, um den gleichen Punkt zu machen.

    Stilistische Ähnlichkeiten

    Leister verwendet einen provokanten und humorvollen Ton, der stark an Sarah Knights Schreibstil erinnert. Auch die Kapitelstruktur und die Verwendung von konkreten Fallbeispielen zeigen eine deutliche Inspiration durch Knight. So wirken Leisters Ausführungen nicht nur wie eine Übersetzung, sondern auch wie eine weniger tiefgründige Kopie des Originals.

    Fehlende Originalität

    Während Sarah Knights Buch durch seine klare Struktur und tiefgründige Analysen hervorsticht, bleibt Leisters Werk eher an der Oberfläche. Oft fehlen innovative Ansätze oder neue Perspektiven, die über das hinausgehen, was Knight bereits auf den Punkt gebracht hat. Wer Knights Buch kennt, wird in Leisters Werk wenig Neues finden.

    Kritikpunkte

    1. Mangelnde Eigenständigkeit: Der größte Kritikpunkt bleibt die frappierende Ähnlichkeit zu Sarah Knights Buch. Es stellt sich die Frage, ob Leisters Buch mehr als eine Wiederholung für ein deutschsprachiges Publikum ist.
    2. Wiederholungen: Viele Abschnitte wiederholen ähnliche Argumente, ohne zusätzliche Tiefe oder neue Einsichten zu bieten.
    3. Fehlender Tiefgang: Im Vergleich zu Knight bleibt Leisters Werk an vielen Stellen oberflächlich und bietet weniger fundierte Methoden, wie Leser*innen tatsächlich ihre Einstellung ändern können.

    Fazit

    Drauf geschissen! von Michael Leister liefert einige brauchbare Anregungen, um ein selbstbestimmteres Leben zu führen, leidet jedoch an der mangelnden Eigenständigkeit. Für Leser*innen, die Sarah Knights Buch bereits kennen, bietet Leister kaum Neues – außer einer etwas anderen Verpackung. Wer das Original noch nicht gelesen hat, könnte von Leisters Werk profitieren, sollte jedoch wissen, dass es ein eher schwächeres Derivat eines erfolgreichen Konzeptes ist.

    Meine persönliche Empfehlung: Machen Sie eine Inventur über all das, wofür Sie dankbar sein können. Das macht wirklich frei von all dem, was wir vermuten, „haben“ zu müssen, um glücklich zu „sein“. Achtung: Vieles davon könnte bereits selbstverständlich geworden sein.

    • „Drauf geschissen!: Wie dir endlich egal wird, was die anderen denken“ von Michael Leister: ISBN 978-3-948187-00-2.
    • „The Life-Changing Magic of Not Giving a F*ck: How to Stop Spending Time You Don’t Have with People You Don’t Like Doing Things You Don’t Want to Do“ von Sarah Knight: ISBN 978-0-316-27072-4. 

  • Die Seele aller Religionen ist eins

    Was uns eint und was uns trennt

    ein Beitrag von Harald R. Preyer vom 20.11.2024

    „Deus Caritas Est“ – „Gott ist die Liebe“ (1 Joh 4,16). Dieser Satz aus dem Christentum bringt auf den Punkt, was viele Religionen in unterschiedlicher Weise formulieren: Liebe, Mitgefühl und der Wunsch nach einer höheren Verbindung prägen die spirituellen Traditionen der Menschheit. Der Dalai Lama drückt es so aus: „Die Seele aller Religionen ist eins.“

    Doch wie einheitlich ist diese Seele tatsächlich? Die großen Weltreligionen haben sich über Jahrtausende hinweg entwickelt, jede mit ihrer eigenen Geschichte, Symbolik und Interpretation des Göttlichen. Trotz vieler Gemeinsamkeiten gibt es Unterschiede in ihrer Gottesvorstellung, Ethik und ihrem Verständnis von Erlösung. Dieser Artikel gibt einen Überblick über die wichtigsten Religionen, ihre Entstehung und Bedeutung in der modernen Welt.

    16 Wir haben die Liebe, die Gott zu uns hat, erkannt und gläubig angenommen. Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm. 17 Darin ist unter uns die Liebe vollendet, dass wir am Tag des Gerichts Zuversicht haben. Denn wie er, so sind auch wir in dieser Welt. 18 Furcht gibt es in der Liebe nicht, sondern die vollkommene Liebe vertreibt die Furcht. Denn die Furcht rechnet mit Strafe, wer sich aber fürchtet, ist nicht vollendet in der Liebe. 19 Wir wollen lieben, weil er uns zuerst geliebt hat. 20 Wenn jemand sagt: Ich liebe Gott!, aber seinen Bruder hasst, ist er ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, kann Gott nicht lieben, den er nicht sieht. 21 Und dieses Gebot haben wir von ihm: Wer Gott liebt, soll auch seinen Bruder lieben. 1, Joh 4, 16


    Was die Religionen verbindet und trennt

    Religionen teilen eine fundamentale Suche nach Sinn und Transzendenz. Der Hinduismus (ॐ), die älteste der Weltreligionen, beschreibt eine spirituelle Einheit, die alle Wesen durchdringt. Das Judentum (✡) sieht den Bund mit einem persönlichen Gott als zentral. Der Buddhismus (☸) verzichtet auf eine Gottesvorstellung und konzentriert sich auf Mitgefühl und die Überwindung von Leiden. Der Taoismus (☯) sieht Harmonie mit dem kosmischen Prinzip Tao als Weg zur Erfüllung.

    Das Christentum (✝) hebt sich durch die Vorstellung eines persönlichen Gottes ab, der „Vater“ genannt werden kann. Die Liebe Gottes, sichtbar in Jesus Christus, bildet das Fundament. Ähnlich betont der Islam (☪) die Liebe und Barmherzigkeit Gottes, unterscheidet sich jedoch durch die Ablehnung der Trinität und die Rolle Jesu als Prophet. Der Sikhismus (☬) sieht die Liebe zu Gott in Verbindung mit Gleichheit und sozialer Gerechtigkeit. Der Bahá’í-Glaube (✶) wiederum betont die Einheit aller Religionen, während indigene Religionen (🌿) das Göttliche in der Natur und den Ahnen finden.


    Entstehung der Religionen

    Viele Religionen sind als Antwort auf gesellschaftliche Krisen und spirituelle Fragen entstanden. Die ältesten, Hinduismus und Judentum, wurzeln tief in der Geschichte. Philosophische Ansätze wie Buddhismus und Taoismus entwickelten sich in Zeiten kulturellen Umbruchs, während jüngere Religionen wie Islam, Sikhismus und Bahá’í-Glaube aus reformatorischen Bewegungen hervorgingen.

    Faktenbox 1: Entstehung der Religionen

    ReligionWannWo
    Hinduismus (ॐ)Ca. 1500 v. Chr.Indien
    Judentum (✡)Ca. 1200 v. Chr.Naher Osten
    Buddhismus (☸)5./6. Jh. v. Chr.Indien
    Taoismus (☯)4. Jh. v. Chr.China
    Christentum (✝)1. Jh. n. Chr.Naher Osten
    Islam (☪)7. Jh. n. Chr.Mekka/Arabien
    Sikhismus (☬)15. Jh. n. Chr.Indien
    Bahá’í-Glaube (✶)1844Persien
    Indigene (🌿)Seit JahrtausendenWeltweit

    Bedeutung in der modernen Welt

    Die großen Religionen beeinflussen weiterhin das Leben von Milliarden Menschen. Das Christentum ist mit 2,4 Milliarden Gläubigen die größte Religion, während der Islam vor allem auf Grund der Geburtenpolitik seiner Mitglieder mit 1,9 Milliarden die am schnellsten wachsende ist.

    Das Christentum ist mit seinen rund 500.000 Priestern, ein globaler Player der Nächstenliebe

    Faktenbox 2: Bedeutung heute und Trends

    ReligionAnhänger (ca.)Tendenz
    Christentum (✝)2,4 MilliardenSchrumpfend in Europa, wachsend in Afrika/Asien
    Islam (☪)1,9 MilliardenWachsend
    Hinduismus (ॐ)1,2 MilliardenStabil
    Buddhismus (☸)500 MillionenStabil bis leicht rückläufig
    Judentum (✡)15 MillionenStabil
    Taoismus (☯)20–30 MillionenSchrumpfend
    Sikhismus (☬)30 MillionenStabil bis wachsend
    Bahá’í-Glaube (✶)6–8 MillionenWachsend
    Indigene (🌿)Hundert MillionenBedroht

    Christliche Organisationen betreiben weltweit eine Vielzahl sozialer Einrichtungen, darunter Schulen, Krankenhäuser, Altenheime und weitere soziale Dienste. Diese Einrichtungen werden von verschiedenen christlichen Konfessionen und Organisationen getragen, wie der römisch-katholischen Kirche, der evangelischen Kirche und anderen christlichen Gemeinschaften.

    Katholische Kirche: Die katholische Kirche ist einer der größten Träger sozialer Einrichtungen weltweit. Laut dem Annuario Pontificio 2022 betreibt die katholische Kirche weltweit:

    • Schulen: Über 216.000 Schulen mit mehr als 60 Millionen Schülern.
    • Krankenhäuser: Rund 5.500 Krankenhäuser.
    • Altenheime: Etwa 15.000 Alten- und Pflegeheime.

    In Deutschland ist die Caritas der größte katholische Wohlfahrtsverband. Sie beschäftigt rund 695.000 Mitarbeiter in etwa 25.000 Einrichtungen und Diensten. 

    Evangelische Kirche: Die Diakonie ist der soziale Dienst der evangelischen Kirche. In Deutschland umfasst die Diakonie etwa 30.000 Einrichtungen, darunter Krankenhäuser, Pflegeheime, Kindertagesstätten und Beratungsstellen. Sie beschäftigt mehr als 627.000 hauptamtliche Mitarbeiter. 

    Österreich: In Österreich ist die Caritas eine bedeutende christliche Organisation im sozialen Bereich. Die Caritas der Erzdiözese Wien beschäftigt über 5.948 hauptberufliche Mitarbeiter und wird von 15.638 ehrenamtlichen Mitarbeitern unterstützt. 

    Weltweit: Weltweit betreiben christliche Organisationen zahlreiche soziale Einrichtungen. Die genaue Anzahl der Mitarbeiter variiert je nach Land und Organisation. In vielen Ländern sind christliche Krankenhäuser, Schulen und soziale Dienste ein wesentlicher Bestandteil des Gesundheitssystems und der sozialen Versorgung.

    Es ist wichtig zu beachten, dass diese Zahlen je nach Quelle und Jahr variieren können. Dennoch verdeutlichen sie den erheblichen Beitrag christlicher Organisationen im sozialen Sektor weltweit.

    Wie praktizieren die Gläubigen die Ausübung ihrer Religion?

    Die Ausübung von Religion ist vielfältig und tief in den Traditionen jeder Glaubensgemeinschaft verwurzelt. Hindus verehren Gottheiten mit Ritualen, Opfergaben und Meditation, während Juden Gebete, den Sabbat und koschere Speisegesetze einhalten. Muslime richten ihre Gebete fünfmal täglich gen Mekka und fasten im Ramadan, während Christen die Sakramente feiern und sonntags Gottesdienste besuchen. Buddhisten meditieren, rezitieren Sutras und streben nach Erleuchtung, und Taoisten suchen Harmonie durch Meditation und Qi Gong. Sikhismus betont die tägliche Gebetspraxis, Gemeinschaft und soziale Gerechtigkeit, während Bahá’í in Einheit und Meditation die Verbindung zu Gott suchen. Indigene Religionen schließlich verbinden spirituelle Rituale oft mit Naturverehrung.

    Erkennbar sind Gläubige oft an Symbolen oder Kleidung: Juden tragen Kippa oder Tallit, Muslime Kopftücher oder traditionelle Gewänder, Sikhs Turbane und das eiserne Armband Kara, während Christen häufig ein Kreuz als Schmuck tragen. Buddhistische und taoistische Mönche fallen durch ihre einfachen Roben auf, während bei Hindus und indigenen Religionen Schmuck oder Kleidung mit spirituellen Motiven verbreitet sind.


    Faktenbox 3: Praxis der Religionsausübung und Erkennungsmerkmale

    ReligionPraxis der AusübungErkennungsmerkmale
    Hinduismus (ॐ)Rituale, Meditation, Yoga, OpfergabenTilaka (Stirnzeichen), Om-Schmuck
    Judentum (✡)Gebete, Sabbat, koschere SpeisegesetzeKippa, Tallit, Tefillin
    Buddhismus (☸)Meditation, Sutra-Rezitation, OpfergabenSafranfarbene Roben, Gebetsfahnen
    Taoismus (☯)Meditation, Qi Gong, RäucherstäbchenRoben, Yin-Yang-Symbole
    Christentum (✝)Gebete, Sakramente, GottesdiensteKreuz als Schmuck, kirchliche Kleidung
    Islam (☪)Fünf tägliche Gebete, Fasten, HaddschKopftuch, Taqiyah, traditionelle Gewänder
    Sikhismus (☬)Gebete, Langar (Gemeinschaftsessen), Gurdwara-BesuchTurban, Kara (eiserner Armreif)
    Bahá’í (✶)Meditation, tägliche Gebete, FastenSchlichte Kleidung, neunzackiger Stern
    Indigene (🌿)Rituale, Tänze, NaturverehrungTraditionelle Kleidung, spirituelle Muster

    Die Praxis und die Symbole sind ein Ausdruck der spirituellen Identität der Gläubigen und oft tief in ihrem Alltag verankert.

    Conclusio

    Die Religionen der Welt spiegeln die Vielfalt menschlicher Sehnsüchte und Perspektiven wider. Sie teilen universelle Werte wie Mitgefühl, Ethik und die Suche nach Sinn, unterscheiden sich jedoch in ihren Wegen zu Gott, ihrer Kosmologie und ihrer Vorstellung von Heil und Erlösung.

    Die Worte des Dalai Lama, dass „die Seele aller Religionen eins“ sei, laden uns ein, diese Gemeinsamkeiten zu erkennen und Unterschiede zu respektieren. In einer Welt voller Veränderungen bleibt Religion eine Quelle der Hoffnung und Orientierung – eine Brücke zwischen Tradition und Moderne.

    Quellen

    Die Bibel (Einheitsübersetzung 2016)

    Grundlage für christliche Lehren und Praxis, insbesondere die Aussage „Deus Caritas Est“ (1 Joh 4,16).

    Link: Die Bibel online

    Koran (Übersetzung von Max Henning)

    Heilige Schrift des Islam, die zentrale Prinzipien wie Gebet, Fasten und soziale Verantwortung beschreibt.

    Link: Quran.com

    Tao Te King von Laozi (Übersetzung Richard Wilhelm)

    Gründungstext des Taoismus mit philosophischen Ansätzen zur Harmonie mit dem Tao.

    Link: Tao Te King

    Guru Granth Sahib

    Heilige Schrift des Sikhismus mit zentralen Gebeten und Lehren zur sozialen Gerechtigkeit und Gleichheit.

    Link: SikhNet

    Bahá’í-Schriften: „Die verborgenen Worte“ von Bahá’u’lláh

    Grundlage des Bahá’í-Glaubens mit Fokus auf Einheit und Liebe.

    Link: Bahá’í.org

    Annuario Pontificio 2022

    Statistiken der katholischen Kirche zu sozialen Einrichtungen weltweit, wie Schulen, Krankenhäusern und Altenheimen.

    Link: Vatican.va

    Statistiken der Diakonie Deutschland und der Caritas Internationalis

    Berichte und Daten zu sozialen Diensten und ihrer globalen Bedeutung im Christentum.

    Links: Caritas.orgDiakonie.de

    „The Art of Happiness“ von Dalai Lama

    Philosophische Betrachtungen des Dalai Lama über die Gemeinsamkeiten aller Religionen.

    ISBN: 978-0340750155

    UNESCO-Berichte über Bildung und Religion

    Daten und Statistiken zu Schulen und Bildungseinrichtungen, einschließlich derer, die von religiösen Organisationen betrieben werden.

    Link: UNESCO.org

    „The Great Transformation“ von Karen Armstrong

    Überblick über die Entstehung der großen Weltreligionen und ihre Entwicklung.

    ISBN: 978-0385721240

  • Dankbar sein

    Man kann dankbar für etwas sein und dankbar gegenüber jemandem. Dankbarkeit für etwas besteht in der Wertschätzung dessen, was uns zuteilwird. Das kann vieles sein: die Beziehung zu bestimmten Menschen, die eigene Gesundheit oder die derer, die uns am Herzen liegen, Eigentum, das uns einen Spielraum von Möglichkeiten eröffnet, ein selbstbestimmtes Leben in Freiheit und Frieden und vieles mehr. Und wir sind dankbar (oder sollten es sein) gegenüber den Menschen, denen wir etwas zu „verdanken“ haben. In vielen Religionen spielt Dankbarkeit Gott gegenüber eine bedeutsame Rolle.

    Wieso aber ist Dankbarkeit die Mutter aller anderen Tugenden, wie Cicero (106–43 v. Chr.) sagt? Wer Dankbarkeit als Lebenseinstellung hat, wird vieles zu schätzen wissen, was allzu leicht für selbstverständlich gehalten wird. Ein solcher Mensch ist bereit und auch fähig, die Mühen auf sich zu nehmen, die mit der Verwirklichung von Gerechtigkeit, Tapferkeit, Enthaltsamkeit und anderen Tugenden verbunden sind.

    Dankbar sein allein genügt nicht, wir müssen die Dankbarkeit auch zeigen und ausdrücken. In der Alltagsroutine wird dies zu leicht vergessen. Dabei ist es so einfach, zu sagen: »Vielen Dank, dass du an mich gedacht hast.«

    Quelle: Der Philosophie-Kalender 2024

  • Die Welt wird immer besser. Warum sind wir so hilflos?

    Zusammenfassung eines Gesprächs mit Michael Lehofer 

    14.11.2024 Michael Lehofer beschreibt die zunehmende Zahl an psychischen Krisen und Burnouts als ein Symptom der modernen Arbeitswelt, in der Menschen oft wie Maschinen funktionieren müssen. Obwohl die Arbeitsbedingungen objektiv betrachtet besser geworden sind, führt die implizite Unternehmensphilosophie vieler Betriebe dazu, dass Mitarbeitende als planbare Objekte betrachtet werden. Diese Reduktion auf Zuverlässigkeit und Berechenbarkeit nimmt den Menschen die Möglichkeit, als Individuen mit eigenen Stärken und Schwächen wahrgenommen zu werden. Lehofer betont, dass Menschen diese Entfremdung von sich selbst und von anderen nicht ertragen können, was die Ursache für innere Krisen und das Gefühl der Überforderung ist.

    Zur Lösung dieser Problematik sieht Lehofer die zwischenmenschliche Kommunikation als zentral an. Kommunikation ist der Schlüssel zu einer Kulturveränderung in Unternehmen, weil sich die meisten Verletzungen und Missverständnisse genau hier ereignen. Durch eine echte, persönliche Kommunikation können Mitarbeitende wieder spürbar füreinander werden, was ein Gefühl von Verbindlichkeit und Wärme schaffen kann, das in vielen Organisationen fehlt. Eine gelingende Kommunikation bildet damit die Basis für die Heilung von zwischenmenschlichen Wunden und für die Entstehung eines menschlicheren Arbeitsumfeldes.

    Lehofer weist auch darauf hin, dass die gesellschaftliche Wahrnehmung oft trügt. Während viele Menschen das Gefühl haben, die Welt werde immer schlechter, zeigen objektive Daten, dass die Bedingungen sich über die Jahrzehnte stetig verbessert haben. Die subjektive Wahrnehmung verschlechtert sich jedoch, weil Menschen immer höhere Ansprüche an sich selbst stellen und durch den ständigen Vergleich mit anderen in sozialen Medien unter Druck geraten. Anstatt auf persönliche Zufriedenheit und Freude zu achten, jagen viele einem unerreichbaren Ideal hinterher, was zu innerem Unfrieden und Erschöpfung führt.

    Abschließend betont Lehofer, dass der Schlüssel zum Glücklichsein nicht in einem bestimmten Ziel oder einem erfüllten Wunsch liegt, sondern in der Fähigkeit, das Glücklichsein selbst zu leben. In den Worten von Buddha: „Es gibt keinen Weg zum Glücklichsein. Glücklichsein ist der Weg.“ Dieser Ansatz fordert dazu auf, sich selbst anzunehmen und Frieden in der Gegenwart zu finden, anstatt ständig dem „besseren Leben“ nachzujagen. Glück bedeutet somit nicht, etwas zu erreichen, sondern sich in den Alltagserfahrungen wiederzufinden und Freude an den kleinen Momenten zu haben.

    Michael Lehofer ist ärztlicher Direktor des LKH Graz II und leitet die Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie 1.

    Quelle: https://youtu.be/HSf5sNB_z8Y

  • Das traurige Mädchen und das Blumenbild

    Hans Thoma (1839 – 1924), Auf einer Waldwiese, 1876, Hamburger Kunsthalle. Thomas Braut Cella war das Modell der weiblichen Figur im Bild.

    Dieses Bild habe ich vor Jahren im Coaching mit einer jungen Frau benützt, die tief traurig zu mir kam und meinte: „Jetzt ist meine Mutter gestorben und ich konnte gar nicht mehr mit ihr klären, was mich an ihren Aussagen so traurig gemacht hat.“

    Ich fragte Sie: „Was denn?“ Und sie erzählte mir, dass ihre Mutter ihr manchmal ein Bild von einem Mädchen in einer blühenden Sommerwiese beim Blumenpflücken gezeigt habe und sich dann gewünscht habe, dass sie so wäre, wie dieses Mädchen auf dem Bild. Sie sei aber rothaarig, klein und etwas rundlicher…

    Ich überlegte kurz, suchte dieses Bild und meinte dann: „Vielleicht hat Ihre Mutter gemeint, sie wünscht ihnen, dass ihre Heuschnupfen-Allergie, von der sie mir erzählt haben, möglichst bald vorbei sei, damit Sie wie das Mädchen im Bild auf der blühenden Wiese auch einen schönen Blumenstrauß pflücken können…“

    Die junge Frau richtete sich auf, strahlte mich an und meinte unsicher mit einem Hauch von Hoffnung in den fröhlicher werdenden Augen: „Meinen Sie wirklich? So habe ich das noch gar nie betrachtet…?“ Ich sagte nur: „Ich weiß es nicht, aber vermutlich war es so. Wir können ihre Mutter beide nicht mehr fragen aber wir können daran glauben, dass sie es so gemeint hat.“

    ————

    Die vereinzelten Antisemitismus – Vorwürfe gegen Hans Thoma sind mir bekannt. Ich schließe mich allerdings der Meinung an, dass sein Oeuvre für die NS Propaganda missbräuchlich verwendet wurde.

  • Plane nicht – lebe!

    Das Leben besteht aus Mosaiksteinen, sagt die Unterhachingerin Nina Martin, die aufgrund ihrer Herzkrankheit schon oft mit dem Tod konfroniert gewesen ist. Ihr Schicksal hat sie auch in ihrem Ratgeber „Plane nicht – lebe“ verarbeitet. © Martin Becker, Münchner Merkur 27.5.2021

    Einführung

    Nina Martin schildert eine persönliche Wendepunkt-Erfahrung: Nach einer lebensgefährlichen Diagnose beschließt sie, ihr Leben neu zu gestalten und entwickelt die „Mosaikmethode“. Anstatt das Leben durch starre Pläne zu kontrollieren, ermutigt sie, flexibel zu bleiben und jede Erfahrung als wertvollen „Stein“ in einem größeren Mosaik zu betrachten.

    Kapitel 1: Wir leben in einer VUKA-Welt

    Martin erklärt das Konzept der VUKA-Welt (volatil, ungewiss, komplex, ambivalent) und die Notwendigkeit, flexibel zu bleiben. Die traditionelle Drei-Phasen-Struktur des Lebens (Ausbildung, Arbeit, Rente) reicht in dieser komplexen Welt nicht mehr aus.

    Kapitel 2: Das eigene Leben als Kunstwerk betrachten

    Das Leben wird als Mosaik verstanden, das durch verschiedene Erfahrungen geformt wird. Wichtige Prinzipien:

    1. Sammeln von Mikroerfahrungen: Neue Tätigkeiten ausprobieren, bevor große Entscheidungen getroffen werden.
    2. Reflexion und Anpassung: Das Mosaik flexibel gestalten und regelmäßig reflektieren, ob es den eigenen Werten entspricht.

    Kapitel 3: Status quo und Wunsch-Mosaik

    Das eigene Lebensmosaik in zwei Teile aufteilen: aktuelles Mosaik und Wunschmosaik. Diese Methode hilft, wichtige Lebensbereiche (z. B. Gesundheit, Gemeinschaft) zu visualisieren und Schritt für Schritt zu verändern.

    Kapitel 4: Arbeits-Mosaik gestalten

    Das Arbeitsleben kann ebenfalls in Mosaiksteine wie E-Mails, Meetings und Pausen aufgeteilt werden. Martin empfiehlt Mikroerfahrungen und kleine Veränderungen für eine bessere Work-Life-Balance.

    Kapitel 5: Gemeinsame Beziehungsvision entwickeln

    In Beziehungen kann die Mosaikmethode genutzt werden, um eine gemeinsame Vision zu entwickeln. Unterschiedliche Mosaike der Partner können gemeinsam betrachtet und abgestimmt werden.

    Fazit

    Die Mosaikmethode bietet eine flexible Alternative zu starren Lebensplänen. Jeder „Stein“ repräsentiert eine Erfahrung, die jederzeit neu angeordnet werden kann. Der Ansatz fördert eine anpassungsfähige Lebensgestaltung, die auf persönlichen Werten basiert und Raum für Entwicklung lässt.

    Zusammengefasst aus Blinkist und ChatGPT, HRP, 30.10.24