Enthauptung

Die Bibel liest das Bild. Das Bild liest die Bibel. Und beide lesen unser Leben.


13 als Jesus hörte, dass Johannes enthauptet worden war,
zog er sich allein von dort mit dem Boot in eine einsame Gegend zurück.

Mt 14, 13 -> 18. Sonntag A

Michelangelo Merisi da Caravaggio (1571–1610)
Die Enthauptung Johannes des Täufers, 1608
Öl auf Leinwand, 361 × 520 cm
Oratorium der St. John’s Co-Cathedral, Valletta, Malta

Bildbeschreibung

Dieses Bild von Caravaggio ist im Original 5,20 mal 3,60 m groß und hängt allein an einer Wand einer Krypta (siehe genaue Beschreibung) in Valletta auf Malta. An der Wand gegenüber hängt der heilige Hieronymus, ebenfalls von Caravaggio gemalt, der die Vulgate, die erste einheitliche lateinische Bibelübersetzung aus dem Hebräischen bzw. Griechischen erarbeitet hat.

Sonst nichts.

Dazwischen stehen wir und beobachten eine Szene, wie sie erschreckender schwer sein kann. Der Scharfrichter (der so gar nicht uniformiert und „beamtet“ aussieht, vielleicht ist er einfach
irgendein beauftragter Diener oder ähnliches) drückt den getöteten (eher in den Hals gestochenen
als enthaupteten) Johannes zu Boden und wir wissen aus der Bibel (Hieronymus auf der anderen Seite!), dass die flache Schüssel (das „Tablett“) links noch eine große Rolle spielen wird. Denn auf ihr soll das Haupt des Täufers Salome, der Tochter von Herodes und Herodias, auf deren unbedacht zugestandenen Wunsch hin gebracht werden.

Der Mann, der zusieht, ist wesentlich „besser“ angezogen, wirkt fast wie verirrt in dem Bild. Warum es zwei FRAUEN sind, die da noch zuschauen bzw. die Schüssel bereit halten? Auch das
wirkt auf mich deplatziert, konstruiert.

Impuls

Das einzig wirklich Wahrscheinliche an der Szene sind die beiden Männer hinter Gittern, die von rechts zusehen. Aber es bleibt die Brutalität der Aktion und das Wissen, was passieren kann, wenn Durchlavieren zum untragbaren Widerspruch wird. Denn Herodes hatte den Täufer durchaus als Gesprächspartner geschätzt, der Herodias jedoch war er ein Dorn im Auge, weil er ihre Ehe mit Herodes anprangerte, schließlich war sie seine Schwägerin.
Herodes kam mit seiner Taktik nicht durch, dass sich das alles schon irgendwie ausgeht.

Man kann sich fragen:
Kenne ich solche Situationen?
Hätte ich an Herodes’ Stelle den Mumm aufgebracht, der ganzen unwürdigen Intrige ein Ende zu setzen und mir an die Brust zu klopfen und zu sagen: ich hab’s verbockt?
Hat es ihm später jemand gesagt (wie der Prophet Natan König David)?
Wie würde ich dann reagieren?

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