ein Beitrag für BiM – Bibel im Museum von Harald R. Preyer zum 21. Sonntag im Jahreskreis A
Mt 16,13–20 · Jes 22,19–23 · Röm 11,33–36

Bild 1: Pietro Perugino – Die Schlüsselübergabe an Petrus, Sixtinische Kapelle, Gesamtansicht
„Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“
Es ist vielleicht eine der persönlichsten Fragen, die Jesus überhaupt stellt. Er fragt nicht nach Lehrsätzen. Nicht danach, was man über ihn gehört hat. Zuerst erzählen die Jünger noch, was die anderen sagen: Johannes der Täufer, Elija, Jeremia, ein Prophet.
Doch dann wird es stiller und persönlicher:
„Ihr aber …?“
Petrus antwortet:
„Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!“
Und Jesus vertraut gerade diesem Petrus den Schlüssel an.
Peruginos berühmtes Fresko in der Sixtinischen Kapelle macht diesen Augenblick sichtbar. Petrus kniet vor Christus. Er empfängt die Schlüssel nicht als Auszeichnung oder Besitz, sondern als Auftrag.

Detail – Christus übergibt Petrus die Schlüssel
Schon Jahrhunderte zuvor begegnet uns dieses Bild beim Propheten Jesaja:
„Ich werde ihm den Schlüssel des Hauses David auf die Schulter legen. Er wird öffnen und niemand ist da, der schließt; er wird schließen und niemand ist da, der öffnet.“
Der Schlüssel steht für Verantwortung und Vertrauen.
Vielleicht liegt darin auch ein wichtiger Hinweis darauf, was Kirche sein soll. Nicht zuerst Macht. Nicht das Bewahren dessen, was immer schon war. Sondern die Verantwortung, Türen zu öffnen: zu Gott, zur Hoffnung, zur Versöhnung, zum Menschen.
Papst Leo XIV. hat beim Hochfest der Apostel Petrus und Paulus 2025 genau diese Frage Jesu in die Gegenwart gestellt:
Wer ist Jesus Christus heute für uns? Welchen Platz nimmt er in unserem Leben ein?
Eine Antwort darauf kann uns niemand abnehmen.
Paulus führt uns in der zweiten Lesung noch einen Schritt weiter. Selbst nachdem wir geantwortet haben, bleibt Gott größer als unsere Antworten:
„O Tiefe des Reichtums, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie unergründlich sind seine Entscheidungen, wie unerforschlich seine Wege!“
Vielleicht gehören deshalb beide Bewegungen zum Glauben:
den Mut haben, wie Petrus zu antworten –
und zugleich staunen können, wie Paulus.
Und so bleibt die Frage dieses Sonntags nicht in Cäsarea Philippi zurück. Sie kommt zu jedem von uns:
Ihr aber – für wen haltet ihr mich?
Pietro Perugino, „Die Schlüsselübergabe an Petrus“, 1481–1482, Fresko, Sixtinische Kapelle, Vatikan.
Bildquelle: Wikimedia Commons / gemeinfreies Werk.
Schreibe einen Kommentar