Schlagwort: Trauer

  • Tränen gehören zur Liebe

    Tagesgebet am Dienstag, 28.7.2026

    Gütiger Gott, durch das Wirken deiner Gnade schenkst du uns schon auf Erden den Anfang des ewigen Lebens. Vollende, was du in uns begonnen hast, und führe uns hin zu jenem Licht, in dem du selber wohnst. Darum bitten wir durch Jesus Christus.


    Lesung aus dem Buch Jeremia
    (Jer 14,17b–22)

    Meine Augen fließen über von Tränen bei Nacht und bei Tag und finden keine Ruhe. Denn einen großen Zusammenbruch erlitt die Jungfrau, die Tochter, mein Volk, eine unheilbare Wunde.

    Gehe ich aufs Feld hinaus – siehe: vom Schwert Durchbohrte! Komme ich in die Stadt – siehe: vom Hunger Gequälte! Ja, auch Prophet und Priester ziehen in ein Land, das sie nicht kennen.

    Hast du denn Juda ganz verworfen, wurde dir Zion zum Abscheu? Warum hast du uns so geschlagen, dass es für uns keine Heilung mehr gibt? Wir hofften auf Heil, doch kommt nichts Gutes, auf die Zeit der Heilung, doch siehe: nur Schrecken!

    Wir erkennen, HERR, unser Unrecht, die Schuld unserer Väter: Ja, wir haben gegen dich gesündigt. Um deines Namens willen verschmäh nicht, verstoß nicht den Thron deiner Herrlichkeit! Gedenke! Brich nicht deinen Bund mit uns!

    Gibt es etwa Regenspender unter den Götzen der Völker? Oder ist es der Himmel, der von selbst regnen lässt? Bist nicht du es, HERR, unser Gott? Wir setzen unsere Hoffnung auf dich; denn du hast dies alles gemacht.


    Impuls

    Tränen gehören zur Liebe.

    Jeremia verschweigt den Schmerz nicht. Er spricht von Tränen, von einer Wunde, die unheilbar scheint, und von der Sehnsucht nach Heilung. Wer einen geliebten Menschen verloren hat, kennt solche Worte. Manchmal fühlt es sich an, als wäre das eigene Leben aus den Fugen geraten.

    Auffallend ist: Jeremia klagt Gott nicht an. Er spricht mit Gott. Er hält seine Fragen, seine Verzweiflung und seine Hoffnung zugleich in Gottes Hände. Das ist Glaube: nicht auf alle Fragen eine Antwort zu haben, sondern auch mit den offenen Fragen bei Gott bleiben zu können.

    Der Tod beendet ein gemeinsames Leben auf dieser Erde. Die Liebe aber endet nicht. Was wir miteinander geteilt haben, bleibt Teil unseres Lebens. Dankbarkeit kann neben der Trauer wachsen. Hoffnung darf neben den Tränen ihren Platz finden.

    Vielleicht ist heute kein Tag für große Entscheidungen. Vielleicht genügt es, den nächsten kleinen Schritt zu gehen. Einen Menschen anzurufen. Eine Kerze anzuzünden. Den Namen des Verstorbenen auszusprechen. Oder einfach still vor Gott zu sitzen.

    Gott erschrickt nicht über unsere Tränen. Er bleibt an unserer Seite – und führt uns Schritt für Schritt zurück ins Leben.

  • Gute Reise, lieber Herbert Waibl!

    * 26.11.1942 Hall in Tirol ✝ 1.12.2024 St. Pölten

    In den frühen Morgenstunden des 1. Adventsonntags ist unser lieber Freund Herbert Waibl völlig unerwartet verstorben. Die hoffnungsfrohe Seelenmesse haben wir für ihn am 12. Dezember in der Pfarrkirche Hainfeld mit Pfarrer P. Josef, OSB – zufällig auch ein Tiroler – gefeiert.

    Am Tag davor – am 11. Dezember – hat seine geliebte Charlotte mit einer lieben Freundin im Stephansdom die 12:00 Messe besucht. Domkurat Kreier hat Herbert und sie in die Fürbitten aufgenommen und sehr liebevoll kondoliert.

    Anschließend waren wir auf der Orgelempore und haben still und in Liebe unseren Blick in die Weite in Richtung Hochaltar gleiten lassen und wir haben gespürt, dass Herbert in diesen Momenten bei uns war.

    Dann haben wir in der Mensa zu Mittag gegessen und beim Café die Inhalte und den Ablauf der Feier in Hainfeld besprochen. Sie stand unter dem Motto: „Gute Reise, lieber Herbert – und herzlich willkommen im Paradies, wenn Du dann angekommen sein wirst.“

    Am Ende des Tages habe ich Charlotte den Entwurf meiner Rede geschickt und sie hat mir auf WhatsApp geantwortet:

    „Lieber Harald, vielen lieben Dank! So ein schöner Tag und eine großartige Rede! Ich habe mich vor morgen gefürchtet, jetzt freu‘ ich mich!“ 🙏❤🥰

    Ich habe dann die Rede zur Reise von Herbert’s Seele in den Himmel recht frei und teilweise in meiner Muttersprache „Tirolerisch“ mit Freude gehalten. Charlotte, Familie und Freunde haben das als Trost, Dank, Hoffnung und Freude erlebt. Wir haben dann beide beschlossen, diese Seite einzurichten und heuer als Weihnachtsbotschaft zu verschicken.

    Ich spüre und glaube, dass Herbert’s Seele mittlerweile an ihrem Ziel angekommen ist. Er freut sich mit uns, dass wir hier Weihnachten feiern und uns dort wiedersehen werden!

    16. März 2025 – Urnenfeier

    Auf den Tag genau drei Monate nach dem Requiem haben wir heute die Urnenfeier für Herbert zuhause bei unseren Freunden gefeiert.
    Pfarrer P. Josef OSB aus Stift Göttweig ist der Feier liebevoll vorgestanden. Freunde, Bekannte und Nachbarn sind gekommen, um die Seele von Herbert gemeinsam wieder im Haus willkommen zu heissen. Da ist viel Liebe, viel feiner Geist und eine gute Energie. Teddy hat das auch gespürt.

    Am Tag nach der Urnenfeier habe ich Charlotte noch den Text von gestern zum Versand an die Freunde und Gäste geschickt.

    Daraus ist ein schöner Dialog entstanden:

    Ja, Dein Haus atmet die Seele der Liebe, Charlotte! Deshalb fühlen wir uns bei Dir so wohl. Teddy spürt das auch.

    Alles Liebe und Gottes Segen, meine Liebe!

    Deine
    Yuliya, Teddy und Harald

    Lieber Harald,
    das ist wunderbar so! Mich bewegt die Frage: ist die Seele nur der gute Teil? Ist sie quasi die Essenz des Lebens und aller unserer Erfahrungen und Ansichten? Oder ist sie einfach nur das ewig Lebendige in uns. Oder ist sie gar eine Chronik unseres Lebens? Kommen wir schon mit dieser Seele auf die Welt oder verändert sie sich? Es gäbe viele Fragen. Aber dein Text ist sehr schön! Danke für alles und alles Liebe!🥰

    Liebe Charlotte,
    danke für deine so schönen, tiefgründigen Gedanken und Fragen – sie zeigen, wie nah du dem Wesentlichen bist.
    Ich sehe die Seele als das Ewige in uns, das uns unverwechselbar macht – aber nicht nur als „guten Teil“, sondern als Ganzes unseres Seins, mit all unseren Erfahrungen, Ansichten und Gefühlen. Sie ist die Essenz unseres Lebens, die uns von Anfang an begleitet, aber sie entwickelt und verändert sich, indem sie wächst, reift, leidet und liebt.
    Vielleicht ist die Seele ja tatsächlich eine Art Chronik unseres Lebens, in der alles aufgehoben ist, was wir waren und geworden sind. Und gerade weil sie so einzigartig ist, glaube ich, dass wir genau so, wie wir sind, in der Liebe Gottes geborgen bleiben.
    Danke dir für dein offenes Herz und deine schönen Gedanken!
    Alles Liebe,
    Harald 🥰

    🥰