Schlagwort: Perle

  • Alles gereicht zum Guten

    Transkript der Predigt von P. Johannes Paul Abrahamowicz OSB in Stift Göttweig zum 17. Sonntag im Jahreskreis am 26.7.2026.

    Der Glaube ist für den Menschen da, nicht der Mensch für den Glauben.

    Der junge Königssohn Salomo soll nun selbst den Königsthron besteigen. Welche Ehre für den jungen Mann! Er aber bittet um Weisheit – nicht um Ruhm oder Reichtum. Salomo kennt seine Grenzen. Die Demütigen kennen ihre Grenzen.

    Wenn jetzt ein Demütiger auch noch an den grenzenlosen Gott glaubt, dann geht es ihm gut.

    Salomo bittet um Weisheit und sie wird ihm geschenkt. Und Salomo geht es gut, und zwar schon in diesem irdischen Lebensabschnitt. Nicht weil du brav gebetet hast, wirst du später einmal belohnt werden, sondern weil du demütig bist, geht es dir jetzt schon gut.

    Salomo hat wohl Schwierigkeiten gehabt in seiner Regierungstätigkeit, aber in seinem Herzen ging es ihm gut.

    Auch der Mann, der einen Schatz im Acker gefunden hat, ist demütig. Er ist das Bild eines Menschen, der zugibt, bisher trotz allem nicht wirklich glücklich gewesen zu sein, und der demütig für die echte Liebe – für diesen Schatz, den er gefunden hat – auf alles Bisherige zu verzichten. Dieser Mann kennt seine Grenzen. Die Demütigen kennen ihre Grenzen.

    Und wenn so ein Demütiger an den grenzenlosen Gott glaubt und ihm vertraut, dann geht es ihm gut. Der Mann verzichtet auf all das, was ihn angeblich glücklich gemacht hat, und traut sich zu lieben: sich selbst und die anderen zu lieben, weil er echte Liebe gefunden hat. Vielleicht ist er selbst der Acker, weil er echte Liebe in sich entdeckt hat, weil er Jesus entdeckt hat und seine Liebeskraft.

    Und diesem Mann – der ein Bild für jeden von uns ist, der Jesu Liebe entdeckt hat –, diesem Mann geht es gut. Nicht weil du auf alles verzichtet hast, wirst du später einmal belohnt werden, sondern weil du demütig zugibst, was dich wirklich glücklich macht und was nicht, geht es dir jetzt schon gut.

    Er wird wohl, wie jeder andere Mensch auch, weiterhin Schwierigkeiten haben in seinem Leben. Aber in seinem Herzen, wo er Lieben gelernt hat, geht es ihm gut oder immer besser.

    In diesem Bild geht es ihm schon jetzt gut, in diesem irdischen Lebensabschnitt. Genauso ist der Perlenhändler ein Bild für einen demütigen Menschen, der seine Grenzen kennt und sich dem grenzenlosen Gott anvertraut, sich deswegen ganz auf ihn verlässt und es ihm dann gut geht.

    Wir alle kennen unsere Grenzen. Auch wir sind durch diese Schriftstellen heute eingeladen worden, unsere Grenzen uns selbst einzugestehen. Paulus hat es uns geschrieben und hat es schon damals den Christen in Rom geschrieben, was denen passiert, die demütig ihre Grenzen wahrnehmen und den grenzenlosen Gott bitten, dass er ihnen genau dort aushelfe. Folgendes passiert ihnen, er schreibt: Sie wissen, dass Gott zu ihnen steht. Nicht sie werden es später einmal erfahren, vielleicht nach dem Tod, sondern Paulus schreibt: Wir wissen – also jetzt! Wir wissen, dass denen, die Gott lieben, alles zum Guten gereicht. Gereicht – also jetzt schon, schon in diesem irdischen Lebensabschnitt.

    Unser Glaube ist nämlich nicht dazu da, um uns aufs Jenseits zu vertrösten. Wir glauben nicht nur, dass Gott später einmal zu uns steht. Das auch, ja! Er wird auch später einmal zu uns stehen und uns beim Endgericht endgültig vom Bösen befreien – auch vom Bösen in uns –, wie der Fischer, der die guten Fische endgültig von den schlechten befreit. Aber wir glauben, dass Gott auch jetzt schon zu uns steht. Wir werden wohl, wie jeder andere Mensch auch, weiterhin Schwierigkeiten in unserem Leben haben, aber in unserem Herzen wissen wir, dass uns alles zum Guten gereicht, weil wir Gott lieben.

    Warum ich das so betone? Weil wir in einer Zeit leben, die weltweit Sorgen macht. Und weil an jedem Sonntag, so auch heute, diese Schriftstellen über Salomo und über die Schatzfinder weltweit heute in allen katholischen Messen verkündet werden.

    Mögen weltweit alle demütigen Gottesdienstbesucher getröstet nach Hause gehen. Getröstet von der Aussage, dass wir wissen, dass denen, die Gott lieben, alles zum Guten gereicht.

    Amen.