Schlagwort: IQOS

  • Der Sesselkleber und die slowakische Tabaksteuer

    Der Sesselkleber und die slowakische Tabaksteuer

    Im Dezember 2019 habe ich in Kiew nach 41 Jahren mit roten Marlboro das Zigarettenrauchen beendet. Ganz auf Nikotin wollte ich nicht verzichten. Also wechselte ich zu IQOS.

    Drei Jahre lang verwendete ich HEETS. Das damalige System arbeitete mit einem keramischen Heizblatt, das sich von unten in den offenen Tabakstick bohrte und den Tabak auf bis zu 350 Grad erhitzte. Wer den verbrauchten Stick ein wenig schlampig herauszog, hielt mitunter nur noch die Papierhülle in der Hand. Der Tabak blieb im Gerät.

    Nach ungefähr zwei Schachteln wurde geputzt.

    Dann kam TEREA. In der Slowakei war das neue System ab November 2022 erhältlich. Kein Heizblatt mehr, sondern Induktion: Im geschlossenen Stick befindet sich ein metallisches Heizelement, das den Tabak von innen erwärmt. Keine Tabakreste im Gerät. Kein Bürstchen. Kein Kratzen. Kein Reinigen. Und nach meinem persönlichen Eindruck schmeckt TEREA runder, voller und vor allem gleichmäßiger.

    Nur Österreich blieb draußen.

    So lernte ich die Shopping Mall an der Einsteinova in Bratislava kennen. Am McDonald’s vorbei, die nordwestliche Einfahrt nehmen, beim idealen Parkplatz stehen bleiben, mit dem kleinen Lift hinauf zur Shopping-Ebene – und schon steht man vor dem IQOS-Geschäft.

    Österreichische Verwaltung macht erfinderisch. Vor allem bei der Parkplatzsuche.

    HEETS waren in Österreich zwar ab Mai 2020 erhältlich. Bei TEREA dauerte die Verspätung aber fast vier Jahre: Bratislava im November 2022, Wien am 4. August 2026. Während dieser Zeit konnte man das Produkt in den umliegenden Ländern kaufen – nur nicht regulär in Österreich.

    Der Konsum wurde dadurch nicht verhindert. Die Menschen setzten sich ins Auto, fuhren über die Grenze und bezahlten dort.

    Bei durchschnittlich zehn Euro pro Tag habe ich in fast sieben Jahren rechnerisch rund 25.550 Euro nach Bratislava getragen. Nicht die gesamte Summe ist der österreichischen Verzögerung anzulasten. Aber selbst vorsichtig gerechnet sind dadurch bei mir allein mehrere Tausend Euro an österreichischer Tabak- und Umsatzsteuer nicht angefallen.

    Landesweit spricht Philip Morris inzwischen von 30 bis 40 Millionen Euro Steuerausfall pro Jahr. Man darf diese Unternehmensschätzung hinterfragen. Nicht bestreiten lässt sich jedoch das Grundprinzip: Jeder im Ausland gekaufte Stick wurde dort und nicht in Österreich besteuert.

    Warum dauerte es so lange?

    Österreich hatte für neuartige Tabakprodukte ein eigenes Zulassungsverfahren geschaffen, während in anderen EU-Staaten im Wesentlichen eine Meldung genügte. Die Behörde verlangte zusätzliche toxikologische Untersuchungen und Emissionsdaten. Der Streit ging durch die Verwaltungsgerichtsbarkeit bis zum Verwaltungsgerichtshof. Dieser bestätigte 2025 die Ablehnung eines Antrags, weil die verlangten Unterlagen nicht vollständig vorgelegt worden waren.

    Juristisch lässt sich das erklären. Wirtschaftspolitisch bleibt es grotesk.

    Denn die Republik schützte ihre Bürger nicht vor dem Produkt. Sie sorgte nur dafür, dass diese das Produkt im Ausland kauften. Ende 2025 erkannte schließlich auch der Gesetzgeber das Problem: Das aufwendige Zulassungsverfahren wurde durch eine Meldepflicht ersetzt. Als Begründung nannte das Parlament ausdrücklich den Abbau von Bürokratie – und die Sicherung von Steuereinnahmen im Inland.

    Und was wurde aus jenem „Sesselkleber im Ministerium“, über den man in der Branche spottete?

    Das lässt sich nicht seriös beantworten. In den öffentlichen Akten wird kein einzelner Beamter genannt. Vielleicht hat es diesen einen Sesselkleber nie gegeben. Vielleicht war der eigentliche Sesselkleber das System selbst: sorgfältig eingerichtet, juristisch gepolstert und jahrelang unbeweglich.

    Seit gestern gibt es TEREA auch in Wien.

    Österreich hat damit den Nikotinkonsum nicht freigegeben – den gab es längst. Es hat lediglich aufgehört, die slowakische Tabaksteuer und meine Ortskenntnis in der Einsteinova zu fördern.

    TEREA-Preise im Vergleich

    Stand: 5. August 2026. Verglichen sind reguläre Packungen mit 20 Sticks der klassischen Sorten wie Amber, Sienna, Silver, Bronze oder Russet.

    LandPreis je Packungca. in EuroDifferenz zu Wien
    Slowenien5,00 €5,00 €−1,30 €
    Slowakei / Bratislava5,20 €5,20 €−1,10 €
    Italien5,50 €5,50 €−0,80 €
    Tschechien145 Kčca. 5,99 €−0,31 €
    Ungarn2.200 Ftca. 6,07 €−0,23 €
    Österreich / Wien6,30 €6,30 €
    Deutschland7,80 €7,80 €+1,50 €
    Schweiz8,80 CHFca. 9,44 €+3,14 €

    In Österreich gilt seit 4. August 2026 für alle sieben eingeführten TEREA-Sorten der amtlich kundgemachte Kleinverkaufspreis von 6,30 Euro. Er gilt grundsätzlich in allen Trafiken gleich.