Schlagwort: Einsegnung

  • Alleine am Grab?

    Es war eine ganz schlichte Einsegnung heute auf dem wunderschönen Waldfriedhof in Hinterbrühl. Ungefähr einmal in der Woche finde hier ein Begräbnis statt, erzählte mir der Friedhofsverwalter Gerhard vor der Einsegnung.

    Als ich ankam, saß ein trauriger Mann, um die 70 Jahre alt, alleine auf der Holzbank vor der Aufbahrungshalle in der milden Herbstsonne. Ich sprach ihn an und stellte mich vor.

    Er erzählte mir, dass sein verstorbener Bruder 25 Jahre in Frankreich war und niemand zu ihm Kontakt hatte. Die fünf Kinder waren in einem Kloster und im SOS Kinderdorf aufgewachsen. Mutter und Vater waren früh verstorben. Er fragte mich, ob es öfter so sei, dass niemand mehr zur Beerdigung komme. Ich erzählte ihm, dass ich in den letzten Jahren manchmal auch alleine mit dem Verstorbenen am Grab war. Aber einer war immer dabei – Gott selbst. Und der wartet ganz geduldig und voller Liebe auf die Seele des verstorbenen Bruders, um sie ins Paradies zu begleiten.

    Es kamen dann noch ein jüngerer Bruder, den ich von einem schönen langen Vorgespräch bei ihm zuHause schon kannte und zwei unerwartete Jugend-Freunde aus dem Kinderdorf zur Einsegnung. Wir standen an dem großen Grab mit den Namen der vielen Mütter, die sich Jahrzehnte liebevoll um Waisen-Kinder gekümmert haben, und die Stimmung war ganz besonders hoffnungsfroh und gelöst. Die Mittagssonne vergoldete die in den schwarz-weiß gesprenkelten Marmor eingemeißelten Namen der verdienten Mütter.

    Ein Leben, das unter schwierigen Umständen gelebt wurde und am Ende eher ein Leiden als ein Freuen war, begann jetzt neu und voller Zuversicht in einem Himmel, vom dem niemand weiß, wie er aussieht und wo er liegt.

    Nach meiner kurzen Ansprache über das Leben des Verstorbenen und einem Text aus dem Johannes-Evangelium, der von Wohnungen spricht, die Christus für seine Jünger im Himmel vorbereitet und von seiner Wiederkehr, um uns zu sich zu holen, ergriff ganz spontan ein Jugendfreund das Wort.

    Er erzählte über den Verstorbenen als liebevollen Menschen, ausgezeichneten Schachspieler und Lebenskünstler. Und er sprach dabei so rührend und weise, dass diese Einsegnung zu den schönsten zählt, die ich begleiten durfte.

    Wir haben dann noch gemeinsam ein „Vater unser“ gebetet – inbrünstig, würdevoll, dankbar und beim Friedensgruß unter uns fünf sagten die Augen aller still und froh „Jetzt ist alles gut.“

    Dazu hat sicher auch das Team der Bestattung Mödling unter Begräbnisleiter Timeo beigetragen. Die vier Herren mit ihren traditionellen Hüten schulterten gekonnt und nach stimmiger Choreografie den Sarg und gaben der Einsegnung einen würdigen Rahmen, den alle Anwesenden als Ouvertüre zur Aufnahme in den Himmel erlebt haben. Der farbenfrohe Herbstwald rauschte dazu im Wind sein Gloria.

    Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden uns hinterbliebenen Menschen hier auf Erden.

    Im Namen des Vaters +
    und des Sohnes +
    und des Heiligens Geistes +

    Ruhe in Frieden!

    Amen.