Ein Abend beim Wiener Opernsommer am Heumarkt
Begonnen hat alles mit dieser kleinen grünen Schleife.
Die Karten für Carmen beim Wiener Opernsommer waren ein Weihnachtsgeschenk von Gudrun. Viele Monate später saßen wir nun zu dritt am Wiener Heumarkt: Gudrun, Yuliya und ich – unter einem dramatischen Sommerhimmel, vor einer Bühne voller spanischer Farben, großer Stimmen und einer Musik, die mich beinahe mein ganzes Leben begleitet.
Meine große Liebe zu Carmen begann, als ich 16 Jahre alt war. Unser Musikprofessor gehörte zu jenen Lehrern, die einem jungen Menschen etwas fürs Leben schenken können. Er brachte uns Bizets Oper über Wochen intensiv nahe. Wir lasen gemeinsam das Libretto, studierten die Partitur, hörten einzelne Instrumentalstimmen, Arien, Duette und Chöre und lernten die musikalischen Motive kennen.
Am Ende besuchten wir als ganze Klasse Carmen im Tiroler Landestheater.
Es war die erste Oper meines Lebens, auf die ich wirklich vorbereitet war. Ich saß nicht einfach im Zuschauerraum und ließ Musik auf mich einströmen. Ich konnte hören, was geschah. Ich erkannte Motive wieder, verstand Zusammenhänge und wartete auf Arien und Chöre, die mir bereits vertraut waren.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum Carmen bis heute meine Lieblingsoper geblieben ist.
Ich habe sie inzwischen mehr als dreißig Mal erlebt – in großen Opernhäusern und unter freiem Himmel, traditionell und modern inszeniert. Ich kann also vergleichen.
Und die Carmen des Wiener Opernsommers 2026 gehört für mich zu den besonders gelungenen Begegnungen mit diesem Werk.