O Geist, vom Vater ausgesandt,
o Kraft, vom Sohn verheißen:
Ergieße dich in unser Herz
und nimm es dir zu eigen.
Wo du bist, flammt die Liebe auf,
und Liebe will lobsingen.
Die Liebe öffnet Herz und Hand,
sie will sich ganz verschwenden.
Lob sei dem Vater und dem Sohn,
Lob sei dem Heil’gen Geiste,
wie es von allem Anfang war,
jetzt und für alle Zeiten.
Nach: Nunc, Sancte, nobis, Spiritus; Ambrosius (?), † 397
Wenn dieses Gebet eine Bitte ist, dann ist es die Bitte um Liebe.
Nicht um Liebe als flüchtiges Gefühl. Nicht nur darum, geliebt zu werden. Es ist die Bitte, selbst liebesfähig zu werden: mit einem offenen Herzen, einer offenen Hand und der Bereitschaft, sich zu verschenken.
Der Heilige Geist wird hier nicht erklärt. Man erkennt ihn an dem, was durch ihn geschieht: Wo er ist, wird das Herz weit. Wo er wirkt, beginnt der Mensch zu geben, ohne zuvor zu rechnen. Wo er Raum gewinnt, flammt die Liebe auf.
Wir bitten Gott also nicht bloß darum, uns etwas zu schenken. Wir bitten ihn, in uns Wohnung zu nehmen – und uns dadurch zu verwandeln.
Vielleicht ist das die kühnste Bitte, die ein Mensch aussprechen kann:
Nimm mein Herz dir zu eigen.
Lass deine Liebe darin leben.
Deus caritas est.
Gott ist Liebe.