Kategorie: Sein und Haben

Erfüllende Visionen · Sinnstiftende Veränderungen · Yuliya und Teddy

  • Ein paar Grad verändern die Welt

    300.000 Jahre Homo sapiens – und die erstaunliche Geschichte unseres Klimas

    Ein paar Grad. Mehr ist es gar nicht.

    Als ich begann, mich mit der Temperaturgeschichte der Menschheit zu beschäftigen, hat mich genau das am meisten überrascht: Zwischen einer Eiszeit und der Welt, in der wir heute leben, liegen im globalen Durchschnitt nur wenige Grad.

    Wir erleben an einem einzigen Tag größere Temperaturschwankungen. In Wien können zwischen einer kalten Winternacht und einem heißen Sommertag 40 Grad liegen. Was sollen da vier, fünf oder sechs Grad schon bedeuten?

    Für den ganzen Planeten: sehr viel.

    Ein paar Grad entscheiden darüber, ob gewaltige Teile Europas unter kilometerdickem Eis liegen. Wo Wälder wachsen. Wo Wüsten entstehen. Wie hoch die Meere stehen. Und wo Menschen leben können.

    Ich wollte deshalb wissen: Wie hat sich das Klima verändert, seit es uns Menschen gibt?


    Der Mensch ist ein Kind der Eiszeit

    Der Homo sapiens existiert seit ungefähr 300.000 Jahren. Fast seine gesamte bisherige Geschichte spielte sich in einer Welt ab, die kälter und unruhiger war als unsere heutige.

    Warmzeiten und Kaltzeiten wechselten einander ab. Riesige Eisschilde wuchsen und schrumpften. Niederschläge veränderten sich. Landschaften, Tierwelt und Vegetation wanderten.

    Der Mensch musste mitwandern.

    Er lernte das Feuer zu nutzen, stellte Werkzeuge her, kleidete sich in Felle und besiedelte immer neue Lebensräume. Über viele Jahrtausende lebte er als Jäger und Sammler.

    Dann kam die letzte große Kaltzeit.

    Vor rund 20.000 Jahren erreichte sie ihren Höhepunkt. Große Teile Nordeuropas waren von mächtigen Eisschilden bedeckt. Der Meeresspiegel lag viel tiefer als heute. Die globale Durchschnittstemperatur war nur einige Grad niedriger.

    Nur einige Grad – und die Erde sah völlig anders aus.


    Dann wurde das Klima erstaunlich ruhig

    Vor etwa 11.700 Jahren begann das Holozän – unsere heutige Warmzeit.

    Und nun geschah etwas für die Menschheitsgeschichte Entscheidendes: Das Klima wurde vergleichsweise stabil.

    Natürlich gab es weiterhin Schwankungen. Wärmere und kühlere Jahrhunderte, regionale Veränderungen, Dürren und Kälteperioden. Doch im globalen Durchschnitt bewegten sich die Temperaturen über viele Jahrtausende in einem erstaunlich engen Bereich.

    Genau in dieser Zeit geschah fast alles, was wir heute Zivilisation nennen.

    Menschen wurden sesshaft. Sie betrieben Landwirtschaft. Dörfer entstanden, später Städte. Schrift wurde erfunden. Reiche entstanden und verschwanden. Religionen prägten Kulturen. Philosophie und Wissenschaft entwickelten sich.

    Kupfer wurde bearbeitet. Bronze hergestellt. Eisen verhüttet. Dampfmaschinen gebaut. Elektrizität genutzt. Computer erfunden.

    Die gesamte uns bekannte Zivilisationsgeschichte entstand in einem ungewöhnlich stabilen klimatischen Fenster.

    Das ist vielleicht die überraschendste Erkenntnis dieser langen Reise:

    Der Homo sapiens ist 300.000 Jahre alt. Unsere Zivilisation aber ist ein Kind der letzten rund 10.000 Jahre.


    Warmzeiten und Kaltzeiten

    Auch innerhalb dieser stabilen Epoche blieb das Klima nicht völlig gleich.

    Es gab wärmere Phasen, etwa in Teilen der römischen Zeit und des Mittelalters. Es gab kühlere Jahrhunderte, die wir vereinfacht als „Kleine Eiszeit“ bezeichnen.

    Diese Veränderungen waren für Menschen spürbar. Ernten fielen aus. Gletscher wuchsen. Flüsse froren zu. In anderen Zeiten verbesserten sich die Bedingungen für Landwirtschaft und Besiedlung.

    Doch man muss vorsichtig sein: Diese historischen Warm- und Kaltphasen verliefen regional sehr unterschiedlich. Eine warme Epoche in Europa bedeutete nicht automatisch, dass die gesamte Erde gleichzeitig im selben Ausmaß wärmer war.

    Das globale Klima ist komplizierter als die Erinnerung an einen heißen Sommer oder einen kalten Winter.


    Seit 1850 wird die Kurve steiler

    Mit der Industrialisierung beginnt ein neuer Abschnitt.

    Der Mensch verbrennt in immer größerem Maß Kohle, später Erdöl und Erdgas. Dabei gelangen große Mengen Kohlendioxid in die Atmosphäre.

    Der Treibhauseffekt selbst ist keine Theorie aus unserer Zeit. Ohne natürliche Treibhausgase wäre die Erde viel zu kalt für das Leben, das wir kennen.

    Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, ob es einen Treibhauseffekt gibt.

    Die Frage ist, was geschieht, wenn wir seine Wirkung verstärken.

    Seit dem 19. Jahrhundert steigt die globale Durchschnittstemperatur deutlich. Besonders auffällig ist die Beschleunigung in den letzten Jahrzehnten.

    In unserer Grafik wird deshalb der Zeitmaßstab immer feiner. Zuerst betrachten wir Hunderttausende Jahre. Dann Jahrtausende. Ab 1500 kleinere Abschnitte. Für die jüngste Vergangenheit schließlich Jahrzehnte.

    Erst dadurch wird sichtbar, was sonst in einer 300.000 Jahre langen Kurve verschwinden würde:

    Am Ende steigt die Linie ungewöhnlich steil an.


    Was bedeutet ein Grad?

    Auch hier täuscht unsere Alltagserfahrung.

    Ein Grad mehr am Nachmittag ist bedeutungslos. Ein Grad mehr im globalen Jahresdurchschnitt ist etwas völlig anderes.

    Denn dieser Wert ist ein Mittel über:

    • alle Jahreszeiten,
    • Tag und Nacht,
    • Land und Ozeane,
    • Tropen und Polarregionen,
    • die gesamte Erde.

    Eine Veränderung dieses globalen Durchschnitts bedeutet gewaltige zusätzliche Energiemengen im Klimasystem.

    Deshalb können wenige Grad Gletscher schmelzen lassen, Meeresspiegel verändern, Niederschlagszonen verschieben und die Wahrscheinlichkeit extremer Hitze erhöhen.

    Die Geschichte der Eiszeiten zeigt uns bereits, wie mächtig wenige Grad sein können.


    Ich maße mir kein Urteil an

    Ich bin kein Klimaforscher.

    Ich kann keine Klimamodelle berechnen. Ich kann nicht beurteilen, welche politische Maßnahme richtig ist. Und ich habe wenig Sympathie für eine Diskussion, in der die einen jede Frage für moralisch verwerflich und die anderen jede Warnung für eine Verschwörung halten.

    Ich wollte zunächst etwas viel Einfacheres:

    verstehen.

    Wie sah die Welt aus, als der Homo sapiens entstand? Wie stark schwankte das Klima? Warum konnten Ackerbau, Städte und Hochkulturen gerade in den letzten Jahrtausenden entstehen? Und wie ungewöhnlich ist das, was wir heute beobachten?

    Je länger ich mich damit beschäftigte, desto vorsichtiger wurde ich mit großen Urteilen.

    Aber auch aufmerksamer.


    Unser gemeinsames Haus

    Papst Franziskus hat für die Erde ein schönes Bild verwendet: unser gemeinsames Haus.

    Ich weiß nicht, wie die Welt in 50 oder 100 Jahren aussehen wird. Ich weiß nicht, welche technischen Erfindungen uns helfen werden. Und ich weiß nicht, welche Prognosen sich als zu optimistisch oder zu pessimistisch erweisen werden.

    Aber ich sehe keinen vernünftigen Grund, sorglos mit diesem Haus umzugehen.

    Nicht aus Angst.

    Nicht, weil ich mich zum Richter über andere machen möchte.

    Und schon gar nicht, weil ich selbst immer vorbildlich leben würde.

    Ich maße mir kein Urteil an. Ich bemühe mich nur, selbst sorgsam mit unserem gemeinsamen Haus umzugehen.

    Vielleicht beginnt Verantwortung genau dort.

    Nicht beim Urteil über die anderen.

    Sondern bei der Frage, was ich selbst verstanden habe – und was ich daraus für mein eigenes Leben mache.

  • Der Mythos vom perfekten Liebhaber

    Es gibt eine eigentümliche Figur unserer Gegenwart: den Mann, der überzeugt ist, ein guter Liebhaber zu sein.

    Er betritt keine Beziehung, er tritt auf. Seine Gewissheit speist sich aus Erfahrung, aus Geschichten, aus Filmen, aus den Bildern einer Kultur, die Sexualität gerne als Leistung versteht. Er weiß angeblich, was Frauen wollen. Er fragt nicht nach. Fragen würden Unsicherheit verraten. Stattdessen vertraut er auf Routinen, Techniken und die Vorstellung, dass Intimität vor allem eine Frage des Könnens sei.

    Doch gerade darin liegt oft das Missverständnis.

    Sexualität ist keine Sportart. Sie kennt keine objektive Wertung, keine Ranglisten und keine Medaillen. Wer sie dennoch als Prüfung begreift, verschiebt den Schwerpunkt von der Begegnung zur Selbstdarstellung. Aus dem Gegenüber wird ein Publikum. Aus Nähe wird Performance.

    Psychologen sprechen in diesem Zusammenhang von sexuellem Narzissmus. Gemeint ist nicht die Freude am eigenen Körper oder ein gesundes Selbstvertrauen. Gemeint ist eine Haltung, in der die eigene Leistung wichtiger wird als die gemeinsame Erfahrung. Der andere Mensch erscheint dann weniger als Partner denn als Bestätigung der eigenen Fähigkeiten.

    Das Paradoxe daran: Je stärker jemand davon überzeugt ist, bereits alles zu wissen, desto weniger offen bleibt er für das, was ihn tatsächlich interessieren müsste. Denn jeder Mensch ist anders. Was gestern richtig war, kann heute falsch sein. Was bei einer Partnerin Freude auslöst, kann bei einer anderen wirkungslos bleiben.

    Aufmerksamkeit als perfekte „Technik“

    Gute Liebhaber zeichnen sich daher nicht durch besondere Techniken aus. Ihre wichtigste Fähigkeit ist Aufmerksamkeit.

    Sie hören zu. Sie beobachten. Sie fragen. Und sie akzeptieren, dass Intimität kein Zustand vollendeter Meisterschaft ist, sondern ein fortlaufender Dialog.

    Auch Frauen tragen gelegentlich dazu bei, den Mythos des „Sexgotts“ aufrechtzuerhalten. Aus Höflichkeit, Rücksicht oder dem Wunsch, Konflikte zu vermeiden, wird Zustimmung signalisiert, wo eigentlich Korrektur hilfreich wäre. So entstehen gegenseitige Missverständnisse, die mit den Jahren den Charakter von Gewissheiten annehmen.

    Die Forschung zeigt seit Langem, dass die sexuelle Erfahrung von Männern und Frauen oft unterschiedlich verläuft. Männer erreichen beim heterosexuellen Geschlechtsverkehr im Durchschnitt deutlich häufiger einen Orgasmus als Frauen. Hinter dieser sogenannten „Orgasmuslücke“ stehen viele Faktoren. Einer davon ist die kulturelle Vorstellung, männliche Lust sei der eigentliche Motor sexueller Begegnungen, während weibliche Lust eher als Bestätigung des männlichen Erfolgs betrachtet wird.

    Lust ist kein Pokal, den man gewinnt.

    Vielleicht besteht die Reife einer sexuellen Beziehung gerade darin, den Gedanken der Leistung hinter sich zu lassen. Nicht zu fragen: „War ich gut?“ Sondern: „Sind wir uns begegnet?“

    Wer dazu bereit ist, wird möglicherweise weniger beeindruckend wirken als die Legenden der Männermagazine. Aber er wird der Wirklichkeit näher kommen.

    Und vielleicht liegt genau dort die eigentliche Kunst der Liebe: nicht im Wissen, sondern im Interesse am anderen Menschen.

    Die Illustrationen sind auf Basis des Textes mit KI erstellt.

  • Abgehaut – verloren gegangen

    Jetzt haben wir uns schon lange nicht mehr gelesen. Und – ja Danke – es geht mir wieder sehr gut. Heute bin ich verloren gegangen.

    Also das war so:

    Frauchen hat ja dieses schöne kleine Haus gefunden mitten im Wald und nur weit weg höre ich einen anderen Kollegen, der bellt, wenn die Radfahrer bei ihm vorbei kommen. Und dann weiß ich schon, wenn er immer lauter bellt, dann kommen sie bald bei mir vorbei und dann muss ich auch bellen. Wenn er immer leiser bellt, dann kommen sie nicht. Und in unserem Garten, da ist der große Olivenbaum. Dort liege ich gerne im Halbschatten und manchmal fällt eine kleine Olive auf meine Schnauze. Das kitzelt aber die Oliven schmecken mir nicht.

    Und um das ganze Haus und den riesigen Garten ist eine alte Mauer – aus Steinen und wenn ich die Steine spüre, dann weiß ich, da ist die Mauer und ich gehe einen Schritt zurück. So kann ich ganz alleine im Garten bleiben und alles ist fein.

    Heute waren wir dann bei diesem Fluss, der eigentlich kein Fluss ist, sondern ein Meer und eigentlich kein Meer, sondern eine Bucht und eigentlich auch keine Bucht, weil dazu ist er zu wenig rund – egal – wir waren also dort und da haben Harry und Frauchen Muscheln gegessen und ich habe keine bekommen, weil ich Muscheln nicht mögen darf.

    Und dann sind wir am Heimweg bei dieser kleinen Taverne vorbei gefahren, wo ich gestern so liebe Menschen und neue Freunde von mir getroffen habe. Und da wollte ich aussteigen und Harry hat angehalten und wir sind alle drei ausgestiegen. Und dann haben Yuliya und Harry ein kleines Eis gegessen – also eigentlich hat es nach Palatschinken gerochen aber ich habe keinen bekommen und ich habe in der Ferne meinen Freund gehört, der immer bellt, wenn die Radfahrer kommen. Aber es war anders als sonst. Entweder war er doch weiter weg oder es war nicht mein Freund. Das wollte ich mir jedenfalls genau anschauen und bin auf die Suche gegangen. Also die Stufen runter zum Weinberg, das kannte ich ja von gestern. Und dann auf den Weg und links nach Hause. Und dann bin ich aber das andere Links entlang gelaufen und mein Freund wurde immer leiser und dann habe ich ihn gar nicht mehr gehört und dann war es hell und laut und Autos haben gehupt und Leute haben durcheinander gerufen. Ich habe nur verstanden: „Der Hund. Schau der Hund. Alleine auf der Straße. Und da kommt ein Bus.“ Aber ich habe keinen Hund gesehen und keinen Bus. Also bin ich weiter gegangen. Und dann sind die Leute wieder gekommen und haben gesprochen wie Harry manchmal. Es hat so geklungen wie „Komm. Schöner Hund, komm. Wir tun Dir ja nichts. Komm komm komm. Dann haben sie gebellt, wie Menschen bellen, wenn sie eine Katze locken wollen. Aber ich bin ja nicht dumm. Ich habe sofort gemerkt, dass die mich nur streicheln wollen. Aber das mag ich nicht, wenn sie nicht vorher Yuliya oder Harry fragen, ob sie mich streicheln dürfen. Die sagen dann immer: „Wenn er will, gerne.“ Und dann entscheide ich, ob ich will oder nicht. Aber die beiden waren nicht da. Und schön langsam ist mir ein bisschen mulmig geworden. Kein Freund, der bellt, keine vertrauten Gerüche, keine bekannten Stimmen. Kein nichts. Kein Olivenbaum.

    Und dann hat mich plötzlich ein helles Licht geblendet und das Licht hat gehupt. Und dieses Hupen habe ich sofort erkannt. So hupt nur Harry, wenn er nicht darf und sagen will: „Ich bin gleich da.“ In Wien. Und dann laufe ich zur Türe. Aber wo ist die Türe? Dann habe ich schon Frauchen gehört und Harry und beide haben gerufen: „Teddy! Teeeedy.“ Es hat nicht vorwurfsvoll geklungen. Eher ängstlich. So wie meine Mama mich gerufen hat, als ich ganz klein war. Also nicht ganz so, sondern so, wie die Menschen rufen, wenn sie ihre Tochter suchen, die sie ganz lieb haben. Und da bin ich einfach auf die Stimmen zugelaufen.

    Das war eine Freude. Ein Wiedersehen. Als hätten wir uns eine ganze Woche nicht mehr gesehen. Frauchen hat mich umarmt und gestreichelt und geweint und gesagt: „Hopp. Hopp. Rein mit Dir, mein Schatz!“ Das habe ich mir nicht zweimal sagen lassen. So schnell war ich noch nie auf dem Rücksitz. Und dann sind wir zum Häuschen im Wald gefahren. Und mein Freund hat gebellt. Immer lauter. Bis er mich gehört hat. Ich habe ihm nur kurz mit einem „UiUWuff“ gesagt: „Alles gut. Ich bin wieder da.“

    Und dann habe ich unter meinem Olivenbaum gelegen und den Sternen genau zugehört. Ein ganz kleiner hat zu einem etwas größeren gesagt: „Teddy hat heute gelernt, dass es besser ist, bei denen zu bleiben, die ihn lieben als einen Weg zu laufen, den keiner kennt, wenn dort keiner ruft, der ihn liebt.“ Der größere hat dazu nur „Amen“ gesagt. Das sagen Harry und Frauchen auch oft, wenn wir gemeinsam dem lieben Gott „Danke“ sagen. Und dann bin ich eingeschlafen und habe gespürt, dass sie mich sehr lieben – Yuliya, Harry und die Sterne. Und der liebe Gott sowieso, deswegen heißt er ja „Lieber Gott!“

    Mehr über mich erzähle ich Dir gerne hier.