Kategorie: Gott und Mensch

Erhellende Gedanken · Echte Berufung · Liebevoller Abschied

  • Dreifaltigkeitssonntag 2026

    Predigt von P. Johannes Paul Abrahamowicz OSB anlässlich des Profess-Jubiläums der Franziskanerinnen von Amstetten

    Dreifaltigkeitsfresko von Urschalling (14. Jahrhundert)

    Kernsynopsis

    Die Analyse der Predigt offenbart eine bewusste Strategie, theologische Konzepte durch die direkte Einbeziehung der persönlichen Erfahrungen und Entscheidungen der Jubilarinnen greifbar zu machen. Die zentrale These des Redners ist, dass langanhaltende Treue (symbolisiert durch die Professjubiläen) und göttliche Gemeinschaft (symbolisiert durch die Dreifaltigkeit) keine abstrakten Ideale sind, sondern gelebte Realitäten, die durch bewusste Entscheidungen und Ausdauer geformt werden. Der Redner nutzt die sorgfältige Auswahl der Schriftlesungen durch die Schwestern – eine Ablehnung standardisierter Texte zugunsten solcher, die Freude, Hoffnung und Spiel betonen – als primären Beweis. Dies unterstreicht die Kernbotschaft: Glaube ist kein passives Annehmen, sondern ein aktiver, gestaltender Prozess. Wir sind Zeugen, wie die persönliche Geschichte der Schwestern als Mikrokosmos für die universelle theologische Erzählung von Beziehung, Hingabe und Hoffnung dient. Die Verknüpfung der weiblichen Darstellung des Heiligen Geistes mit einem von Frauen getragenen Kloster und die Betonung weiblicher Tugenden verankert die Theologie fest in der Identität der Gemeinschaft.

    Die Architektur der Predigt: Von der persönlichen zur theologischen Ebene

    1. Die Würdigung: Personalisierung der Jubiläen

    Der Anlass ist die Feier der Professjubiläen mehrerer Franziskanerinnen in Amstetten, die eine beeindruckende Dauer der Treue repräsentieren:

    • 60 Jahre (Diamantene Profess): Schwester Maria Hermine und Schwester Maria Anzilla.
    • 65 Jahre (Eiserne Profess): Schwester Maria Berta und Schwester Maria Erika.
    • 70 Jahre (Gnadenprofess): Schwester Maria Reintraut und Schwester Maria Adelgundis.
      Der Redner betont, dass diese Jahrzehnte ohne Reue gelebt wurden, was als Beweis für eine tief verwurzelte Berufung und Zufriedenheit dient.

    2. Die theologische Verankerung: Die Dreifaltigkeit als Leitmotiv

    Die Predigt stellt eine bewusste Verbindung zwischen dem Jubiläum und dem Dreifaltigkeitssonntag her. Diese Verknüpfung wird auf mehreren Ebenen konstruiert:

    • Terminwahl: Der einzig mögliche Termin war der Dreifaltigkeitssonntag, was von den Franziskanerinnen als passend empfunden wurde, da sie eine besondere Verbindung zu diesem Fest und zur Wallfahrtskirche am Sonntagberg haben.
    • Historische Verbindung: Es wird eine Brücke zwischen den Benediktinern (der Orden des Redners) und den Franziskanerinnen geschlagen, da das Dreifaltigkeitsfest seinen Ursprung in Benediktinerklöstern hatte.
    • Symbolische Darstellung: Das Titelbild der Feier, ein romanisches Fresko, zeigt den Heiligen Geist als weibliche Figur. Dies wird als bewusste theologische Aussage interpretiert: Die Gemeinschaft und das Wirken Gottes sind unvollständig ohne das weibliche Prinzip. Der Redner untermauert dies durch den Hinweis auf die grammatikalisch weibliche Form des Wortes für Geist („Ruach“) im Hebräischen und die ebenfalls weiblichen Bezeichnungen für die Gaben des Heiligen Geistes (Weisheit, Einsicht, Stärke etc.).

    3. Die Schriftlesungen: Die aktive Aneignung des Glaubens

    Ein entscheidender Punkt ist die aktive Auseinandersetzung der Jubilarinnen mit den vorgeschlagenen Schriftlesungen. Sie lehnten die Standardlesungen des Lesejahres A ab, weil diese als nicht aussagekräftig genug empfunden wurden („nett, aber…“). Stattdessen wählten sie bewusst Texte aus dem Lesejahr C, die ihre Lebenserfahrung und ihre Hoffnung widerspiegeln:

    • Abgelehnte Texte (Jahr A):
    • Begegnung Gott-Mose: „Nur mit dem Mose.“
    1. Korintherbrief: „Lasst euch ermahnen“ – nicht aussagekräftig genug.
    • Johannesevangelium: „Geht’s ums Richten“ – passt nicht.
    • Gewählte Texte (Jahr C):
    • Buch der Sprüche: „Ich war seine Freude Tag für Tag“ und „Ich spielte vor ihm“. Diese Wahl unterstreicht eine Beziehung zu Gott, die von Freude und spielerischer Leichtigkeit geprägt ist.
    • Römerbrief: „Bewährung bewirkt Geduld… die Hoffnung lässt nicht zugrunde gehen.“ Dieser Satz wurde als „fesselnd“ empfunden und ist zugleich der Primizspruch des Redners, was eine tiefe persönliche Verbindung schafft.
    • Johannesevangelium: „Aber ihr könnt es jetzt nicht ertragen.“ Dies wird als spannungsvoller Hinweis auf die zukünftige Offenbarung Gottes interpretiert, die eine Überraschung sein wird.

    4. Die rituelle Gestaltung: Bewusstes Bekennen

    Die Predigt mündet in die Ankündigung der Professerneuerung und des Glaubensbekenntnisses. Auch hier zeigt sich der Wille zur bewussten Gestaltung, um Routine zu vermeiden:

    • Professerneuerung: Die Jubilarinnen sollen ihr „Ja-Wort“ laut und deutlich ins Mikrofon sprechen, um ihr Versprechen für die gesamte Gemeinschaft hörbar zu erneuern. Dies wird als Akt dargestellt, der die Gemeinschaft zusammenhält.
    • Glaubensbekenntnis: Um ein „Abratschen“ zu verhindern, wurde das große Glaubensbekenntnis gewählt und so formatiert, dass es langsam und bedacht, Zeile für Zeile, gelesen werden muss. Dies zwingt die Gemeinde zu einer bewussteren Auseinandersetzung mit dem Inhalt.

    erstellt mit Plaud und ChatGPT

  • Zwischen Weihrauch und Algorithmus

    Firmung im alten Ritus, Enzyklika mit KI gelesen

    Heute vormittag durfte ich mein Patenkind Augustin in der barocken Pfarrkirche von Katzelsdorf an der Leitha zur Firmung begleiten. Firmspender war der Apostolische Nuntius in Österreich, Erzbischof Pedro López Quintana. Die Feier erfolgte im außerordentlichen Römischen Ritus nach den liturgischen Büchern von 1962. Es war ein wunderbares Fest.

    Der Heilige Geist war spürbar.

    Wer nie eine solche Liturgie erlebt hat, verbindet mit dem „alten Ritus“ oft Distanz, Strenge oder nostalgische Rückwärtsgewandtheit. Ich habe heute das Gegenteil erlebt. Ruhe. Schönheit. Konzentration. Weihrauch, Latein, die Harmonie von Orgel, Geige und einfachen Litaneien im gregorianischen Stil – und eine erstaunliche Ernsthaftigkeit der Menschen — gerade auch der jungen.

    Nach der Feier bereitete die Pfarrgemeinde mit großer Herzlichkeit eine Agape im Hof hinter der Kirche vor. Ich konnte mit vielen Menschen sprechen, die ich noch nie zuvor gesehen hatte, und war beeindruckt von der Nähe, Wärme und Selbstverständlichkeit, mit der hier gefeiert wurde. Keine Inszenierung. Kein Eventcharakter. Sondern Freude, Glaube und Gemeinschaft.

    Anschließend fuhren wir noch ins Schweizerhaus und aßen dort die traditionelle Stelze. Auch Teddy bekam eine kleine Portion — selbstverständlich ohne Kruste. Er liebt alles, was Menschen essen, völlig unabhängig davon, was es ist.

    Am späten Nachmittag begann dann ein völlig anderer Teil dieses Tages.

    Ich las die neue Enzyklika Magnifica Humanitas von Papst Leo XIV.
    Oder genauer gesagt: Ich las sie gemeinsam mit einer Künstlichen Intelligenz.

    Der vollständige Text umfasst 245 nummerierte Abschnitte und mehrere hunderttausend Zeichen — eine dichte Mischung aus Theologie, Soziallehre, Philosophie, Politik, Wirtschaft, Technikethik und geistlicher Reflexion. Ein geübter Schnellleser würde vermutlich sechs bis acht Stunden benötigen, um den Text vollständig zu lesen. Um ihn wirklich geistig zu durchdringen, wahrscheinlich deutlich länger.

    Ich habe einen anderen Weg gewählt.

    Ich lud den vollständigen Text in ein KI-System und beschäftigte mich dann etwa zwei Stunden lang intensiv damit — lesend, fragend, diskutierend, reflektierend. Dabei stellte ich der Maschine drei Fragen:

    • Was ist die Kernbotschaft dieser Enzyklika für mich persönlich?
    • Was will der Papst den Mächtigen dieser Welt sagen?
    • Und was wäre anders, wenn die Menschen diese Enzyklika wirklich lesen und verstehen würden?

    Das Überraschende war nicht die Technik.
    Das Überraschende war, wie menschlich die Antworten wurden.

    Denn diese Enzyklika ist kein Text gegen Künstliche Intelligenz. Sie ist ein Text gegen die Entmenschlichung des Menschen.

    Das ist ein entscheidender Unterschied.

    Papst Leo XIV. schreibt nicht wie ein kulturpessimistischer Mahner, der die digitale Welt verteufelt. Er anerkennt ausdrücklich die Größe menschlicher Technik. Die Entwicklung von Wissenschaft, Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz wird nicht als dämonische Bedrohung beschrieben, sondern als Ausdruck menschlicher Kreativität. Gleichzeitig zieht sich durch den gesamten Text eine tiefe Sorge: dass der Mensch beginnen könnte, seine eigene Würde zu vergessen.

    Die eigentliche Gefahr ist für diese Enzyklika nicht die Maschine.
    Die eigentliche Gefahr ist ein Mensch, der nur noch in Kategorien von Leistung, Kontrolle, Effizienz und Macht denkt.

    Leo XIV. verwendet dafür zwei starke biblische Bilder: Babel und Jerusalem.

    Der Turmbau zu Babel steht für eine Menschheit, die technisch immer mächtiger wird, aber innerlich die Orientierung verliert. Menschen sprechen zwar dieselbe Sprache, verstehen einander aber nicht mehr. Vielfalt wird zur Bedrohung. Unterschiede werden eingeebnet. Alles soll berechenbar, steuerbar und effizient werden. Der Mensch baut einen Turm, um „wie Gott“ zu sein — und verliert dabei sein eigenes Gesicht.

    Dem gegenüber steht das Bild des Wiederaufbaus Jerusalems im Buch Nehemia. Dort entsteht Gemeinschaft nicht durch Zentralisierung von Macht, sondern durch gemeinsame Verantwortung. Jeder baut an seinem Teil der Mauer. Unterschiedliche Menschen wirken zusammen. Nicht Gleichförmigkeit schafft Einheit, sondern Beziehung.

    Man muss kein Theologe sein, um zu erkennen, wie aktuell dieses Bild geworden ist.

    Wir leben in einer Zeit, in der Algorithmen bestimmen, was Menschen sehen, fühlen und glauben. Aufmerksamkeit wird zur Ware. Wahrheit wird relativiert. Die mächtigsten technologischen Systeme der Geschichte befinden sich nicht mehr primär in den Händen demokratischer Staaten, sondern privater Konzerne. Künstliche Intelligenz beginnt Entscheidungen vorzubereiten, die früher Menschen getroffen haben: medizinische Diagnosen, Kreditvergaben, Bewerbungen, militärische Analysen, politische Kommunikation.

    Und gleichzeitig wächst weltweit das Gefühl vieler Menschen, austauschbar geworden zu sein.

    Genau hier setzt die Enzyklika an.

    Sie erinnert daran, dass der Wert eines Menschen niemals von seiner Leistungsfähigkeit abhängen darf. Nicht Produktivität verleiht Würde. Nicht Erfolg. Nicht Sichtbarkeit. Nicht digitale Reichweite. Die Würde des Menschen ist aus christlicher Sicht unverlierbar, weil sie dem Menschen von Gott zukommt und nicht vom Markt.

    Das klingt zunächst selbstverständlich. In Wahrheit ist es revolutionär.

    Denn die digitale Welt bewertet ständig. Sie misst, sortiert, priorisiert, klassifiziert und optimiert. Die Logik moderner Systeme lautet fast immer: schneller, effizienter, profitabler, skalierbarer. Der Mensch gerät dabei leicht in Versuchung, sich selbst ebenfalls nur noch unter diesen Kriterien zu betrachten.

    Die Enzyklika stellt sich diesem Denken mit bemerkenswerter Klarheit entgegen.

    Vielleicht ist das sogar ihre eigentliche Botschaft:
    Der Mensch darf die Technik verwenden. Aber er darf sich nicht selbst technisch verstehen lernen.

    Mich persönlich hat beim Lesen vor allem ein Gedanke bewegt: Die Kirche verteidigt hier nicht einfach Tradition gegen Moderne. Sie verteidigt das Menschliche gegen seine Reduktion.

    Das hat auch mit meinem eigenen Leben zu tun. Ich arbeite intensiv mit Künstlicher Intelligenz. Ich verwende sie zum Schreiben, Strukturieren, Nachdenken, Analysieren und Reflektieren. Gerade deshalb hat mich diese Enzyklika berührt. Denn sie zwingt zur ehrlichen Frage: Wozu verwende ich diese Macht eigentlich?

    Um Menschen besser zu verstehen?
    Oder um sie effizienter zu beeinflussen?

    Um Wahrheit klarer zu formulieren?
    Oder um Aufmerksamkeit zu erzeugen?

    Um Beziehungen zu vertiefen?
    Oder um mich selbst wichtiger zu machen?

    Natürlich hätte das vollständige, langsame Lesen des gesamten Dokuments einen großen Wert gehabt. Ich hätte jede Argumentationslinie im Detail nachvollziehen, alle theologischen Nuancen erfassen und die Entwicklung der kirchlichen Soziallehre genauer studieren können.

    Doch meine Form des Lesens hatte einen anderen Vorteil.

    Ich habe die Enzyklika nicht archiviert, sondern dialogisch verarbeitet. Die KI wurde dabei nicht zum Ersatz meines Denkens, sondern zu einer Art Spiegel, Verstärker und Strukturierungshilfe. Statt mich in hunderten Absätzen zu verlieren, musste ich sofort entscheiden: Was berührt mich wirklich? Welche Frage ist wesentlich? Was davon betrifft konkret mein eigenes Leben?

    Vielleicht liegt gerade darin eine der Chancen von KI: nicht weniger tief zu denken, sondern schneller zu den wirklich existenziellen Fragen vorzudringen.

    Die Enzyklika fordert keine Maschinenverbote. Sie ruft auch nicht nostalgisch zur Rückkehr in eine vorindustrielle Welt auf. Im Gegenteil: Leo XIV. schreibt ausdrücklich, dass Technik heilen, verbinden, bilden und schützen kann. Aber er verlangt etwas, das heute fast altmodisch wirkt: Verantwortung.

    Vor allem Verantwortung der Mächtigen.

    Der Papst richtet sich deutlich an politische und wirtschaftliche Eliten. Er warnt vor einer technologischen Macht, die sich demokratischer Kontrolle entzieht. Er spricht über Waffen und KI, über digitale Manipulation, über wirtschaftliche Konzentration und über die Gefahr einer Kultur, in der Profit wichtiger wird als Menschen.

    Seine Antwort darauf ist bemerkenswert unideologisch.
    Nicht Revolution. Nicht Klassenkampf. Nicht Technikfeindlichkeit.

    Sondern etwas viel Anspruchsvolleres: eine „Zivilisation der Liebe“.

    Dieser Ausdruck klingt zunächst weich. Tatsächlich ist er radikal. Denn eine Zivilisation der Liebe würde bedeuten, dass politische, wirtschaftliche und technologische Entscheidungen nicht primär nach Macht, Gewinn oder ideologischer Kontrolle getroffen werden, sondern danach, ob sie dem Menschen dienen.

    Vielleicht würden wir langsamer entscheiden.
    Vielleicht würden wir wieder lernen zuzuhören.
    Vielleicht würde Wahrheit wichtiger als Empörung.
    Vielleicht würden Kinder nicht mehr von Algorithmen erzogen.
    Vielleicht würde Arbeit wieder dem Menschen dienen und nicht umgekehrt.
    Vielleicht würden wir technische Intelligenz entwickeln, ohne menschliche Weisheit zu verlieren.

    Und vielleicht würden wir begreifen, dass die entscheidende Zukunftsfrage nicht lautet:

    Wie intelligent werden Maschinen?

    Sondern:

    Wie menschlich bleiben wir selbst?

    Der Originaltext der Enzyklika in Deutsch ist hier vollständig abrufbar.
    https://www.vatican.va/content/leo-xiv/de/encyclicals/documents/20260515-magnifica-humanitas.html

  • Abgehaut – verloren gegangen

    Jetzt haben wir uns schon lange nicht mehr gelesen. Und – ja Danke – es geht mir wieder sehr gut. Heute bin ich verloren gegangen.

    Also das war so:

    Frauchen hat ja dieses schöne kleine Haus gefunden mitten im Wald und nur weit weg höre ich einen anderen Kollegen, der bellt, wenn die Radfahrer bei ihm vorbei kommen. Und dann weiß ich schon, wenn er immer lauter bellt, dann kommen sie bald bei mir vorbei und dann muss ich auch bellen. Wenn er immer leiser bellt, dann kommen sie nicht. Und in unserem Garten, da ist der große Olivenbaum. Dort liege ich gerne im Halbschatten und manchmal fällt eine kleine Olive auf meine Schnauze. Das kitzelt aber die Oliven schmecken mir nicht.

    Und um das ganze Haus und den riesigen Garten ist eine alte Mauer – aus Steinen und wenn ich die Steine spüre, dann weiß ich, da ist die Mauer und ich gehe einen Schritt zurück. So kann ich ganz alleine im Garten bleiben und alles ist fein.

    Heute waren wir dann bei diesem Fluss, der eigentlich kein Fluss ist, sondern ein Meer und eigentlich kein Meer, sondern eine Bucht und eigentlich auch keine Bucht, weil dazu ist er zu wenig rund – egal – wir waren also dort und da haben Harry und Frauchen Muscheln gegessen und ich habe keine bekommen, weil ich Muscheln nicht mögen darf.

    Und dann sind wir am Heimweg bei dieser kleinen Taverne vorbei gefahren, wo ich gestern so liebe Menschen und neue Freunde von mir getroffen habe. Und da wollte ich aussteigen und Harry hat angehalten und wir sind alle drei ausgestiegen. Und dann haben Yuliya und Harry ein kleines Eis gegessen – also eigentlich hat es nach Palatschinken gerochen aber ich habe keinen bekommen und ich habe in der Ferne meinen Freund gehört, der immer bellt, wenn die Radfahrer kommen. Aber es war anders als sonst. Entweder war er doch weiter weg oder es war nicht mein Freund. Das wollte ich mir jedenfalls genau anschauen und bin auf die Suche gegangen. Also die Stufen runter zum Weinberg, das kannte ich ja von gestern. Und dann auf den Weg und links nach Hause. Und dann bin ich aber das andere Links entlang gelaufen und mein Freund wurde immer leiser und dann habe ich ihn gar nicht mehr gehört und dann war es hell und laut und Autos haben gehupt und Leute haben durcheinander gerufen. Ich habe nur verstanden: „Der Hund. Schau der Hund. Alleine auf der Straße. Und da kommt ein Bus.“ Aber ich habe keinen Hund gesehen und keinen Bus. Also bin ich weiter gegangen. Und dann sind die Leute wieder gekommen und haben gesprochen wie Harry manchmal. Es hat so geklungen wie „Komm. Schöner Hund, komm. Wir tun Dir ja nichts. Komm komm komm. Dann haben sie gebellt, wie Menschen bellen, wenn sie eine Katze locken wollen. Aber ich bin ja nicht dumm. Ich habe sofort gemerkt, dass die mich nur streicheln wollen. Aber das mag ich nicht, wenn sie nicht vorher Yuliya oder Harry fragen, ob sie mich streicheln dürfen. Die sagen dann immer: „Wenn er will, gerne.“ Und dann entscheide ich, ob ich will oder nicht. Aber die beiden waren nicht da. Und schön langsam ist mir ein bisschen mulmig geworden. Kein Freund, der bellt, keine vertrauten Gerüche, keine bekannten Stimmen. Kein nichts. Kein Olivenbaum.

    Und dann hat mich plötzlich ein helles Licht geblendet und das Licht hat gehupt. Und dieses Hupen habe ich sofort erkannt. So hupt nur Harry, wenn er nicht darf und sagen will: „Ich bin gleich da.“ In Wien. Und dann laufe ich zur Türe. Aber wo ist die Türe? Dann habe ich schon Frauchen gehört und Harry und beide haben gerufen: „Teddy! Teeeedy.“ Es hat nicht vorwurfsvoll geklungen. Eher ängstlich. So wie meine Mama mich gerufen hat, als ich ganz klein war. Also nicht ganz so, sondern so, wie die Menschen rufen, wenn sie ihre Tochter suchen, die sie ganz lieb haben. Und da bin ich einfach auf die Stimmen zugelaufen.

    Das war eine Freude. Ein Wiedersehen. Als hätten wir uns eine ganze Woche nicht mehr gesehen. Frauchen hat mich umarmt und gestreichelt und geweint und gesagt: „Hopp. Hopp. Rein mit Dir, mein Schatz!“ Das habe ich mir nicht zweimal sagen lassen. So schnell war ich noch nie auf dem Rücksitz. Und dann sind wir zum Häuschen im Wald gefahren. Und mein Freund hat gebellt. Immer lauter. Bis er mich gehört hat. Ich habe ihm nur kurz mit einem „UiUWuff“ gesagt: „Alles gut. Ich bin wieder da.“

    Und dann habe ich unter meinem Olivenbaum gelegen und den Sternen genau zugehört. Ein ganz kleiner hat zu einem etwas größeren gesagt: „Teddy hat heute gelernt, dass es besser ist, bei denen zu bleiben, die ihn lieben als einen Weg zu laufen, den keiner kennt, wenn dort keiner ruft, der ihn liebt.“ Der größere hat dazu nur „Amen“ gesagt. Das sagen Harry und Frauchen auch oft, wenn wir gemeinsam dem lieben Gott „Danke“ sagen. Und dann bin ich eingeschlafen und habe gespürt, dass sie mich sehr lieben – Yuliya, Harry und die Sterne. Und der liebe Gott sowieso, deswegen heißt er ja „Lieber Gott!“

    Mehr über mich erzähle ich Dir gerne hier.

  • Wurzel Jesse

    Ein neuer Monat beginnt mit einer neuen Ausgabe des Magnificat – mein Stundenbuch. Und da nehme ich mir gerne Zeit, die Bildbeschreibung von Heinz Detlef Stäps ausführlich zu genießen. Oft werden Bild und Text zu einer Meditation der Darstellungen, die ohne diese Hinführung für mich nur in Umrissen erkennbar wäre.

    Das Original des Bildes vom Mai „Wurzel Jesse“ wurde von der Bayerischen Staatsbibliothek in hoher Auflösung gescannt. Erst in der Vergrößerung erkennt man, mit welcher Liebe zum Detail der Miniaturenmaler in der Spätgotik (zwischen 1478 und 1481) dieses Bild gemalt hat.

    Die Darstellung hier ist mit dem Originalscan (rund 10 MB) verlinkt.

    Wurzel Jesse, Berthold Furtmeyr, Salzburger Missale, Bd. 4, Regensburg, zwischen 1478 und 1481, Bayerische Staatsbibliothek München

    Clm 15711, fol. 31v, Rechte: Public Domain,
    Quelle: https://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb00045167-3

    Namen und Zitate sind der Bildbeschreibung „Das Bild im Blick“ von Heinz Detlef Stäps, in Magnificat – das Stundenbuch vom Mai 2026, Verlag Butzon & Bercker Kevelaer“ entnommen.

  • Begründete Zuversicht

    Predigt von Domkustos DDr. Michael Landau am 4. Sonntag der Osterzeit zum Hochamt im Stephansdom

  • HERR, bitte hilf!

    Die Schreckensbilder aus Iran, Ukraine, Israel nur anzusehen ist zu wenig.
    Bitten wir nun Gott um seine Hilfe. Wenn wir nicht an die Liebe glauben, ändert das nichts an ihrer Existenz – aber sehr bald an unserer.

  • Severin for President?

    In einer Zeit, in der Europa wieder in Kategorien von Abschreckung und Feindbildern denkt, lohnt der Blick auf einen Mann, der vor 1500 Jahren ohne Macht, aber mit Verantwortung handelte.

    Ein Kommentar von Harald R. Preyer

    Präsidenten im Osten wie im Westen inszenieren sich derzeit auffallend ähnlich. Imperiales Gehabe, die Sehnsucht nach historischen Größenordnungen, die Erweiterung von Staatsgebieten, militärische Siege als Beweis von Stärke. Man fragt sich unwillkürlich: Geht es um Sicherheit – oder um das eigene Ego? Um Verantwortung – oder um den Machterhalt? Vielleicht ist es gerade das Fehlen tragfähiger, mit Sinn erfüllter Visionen, das diese Rückgriffe auf alte Machtmuster so verführerisch macht.

    Europa hingegen lebt seit 75 Jahren in einer historisch außergewöhnlichen Erfahrung: Frieden. Nicht als Zustand ohne Konflikte, wohl aber ohne kriegerische Neuordnung von Grenzen. Diese Epoche hat das Denken, die Wirtschaft, das Selbstverständnis ganzer Generationen geprägt. Dass sie keine Selbstverständlichkeit ist, wird nun schmerzhaft deutlich. Die entscheidende Frage lautet daher nicht, wie Europa militärisch mithalten kann – sondern wie dieser Frieden bewahrt werden kann, ohne seine Seele zu verlieren.

    Hier setzt der überraschende Perspektivwechsel ein. Hat ein Heiliger aus dem 5. Jahrhundert dazu überhaupt etwas beizutragen? Severin von Noricum lebte in einer Zeit, in der imperiale Ordnung zerfiel, Grenzen verschwammen und Gewalt allgegenwärtig war. Er hatte keine politische Macht, keine Armee, keine Territorien zu verteidigen. Und doch wurde er zu einer stabilisierenden Figur. Nicht durch Siege, sondern durch Vermittlung. Nicht durch Expansion, sondern durch Bindung. Nicht durch Angst, sondern durch Verantwortung für die Schwächsten.

    Auch die biblischen Texte dieses Tages sprechen in eine ähnliche Richtung. Sie fragen nicht nach Machbarkeit oder Durchsetzbarkeit, sondern nach Haltung. „Gott ist Liebe“ – ein Satz, der politisch unerquicklich wirkt, weil er sich nicht instrumentalisieren lässt. Und doch enthält er eine unbequeme Zumutung: dass menschliche Gemeinschaft nicht aus Abschreckung allein lebt, sondern aus Vertrauen, Solidarität und der Bereitschaft, Verantwortung über den eigenen Vorteil hinaus zu übernehmen.

    Vielleicht liegt genau hier der blinde Fleck unserer Gegenwart. Wo Visionen fehlen, greifen Machtfantasien. Wo Sinn verloren geht, wird Stärke zur Ersatzreligion. Der Blick auf Severin und auf diese alten Texte liefert keine politischen Rezepte. Aber er stellt eine Frage, die Präsidenten ebenso betrifft wie Gesellschaften: Woraus speist sich unsere Vorstellung von Zukunft – aus Angst oder aus Verantwortung?


    Vita des Hl. Severin

    Die Vita, die Eugippius etwa 30 Jahre nach dem Tod Severins verfasste, ist die erste Nachricht von seinem Leben. Darin mischen sich Historisches und Legendäres. Severin selbst machte um seine Herkunft ein großes Geheimnis, er könnte sowohl Römer als auch Germane gewesen sein. Zuerst war er Mönch im Orient und zog, als Attila gestorben war (453), nach Ufer-Noricum. So ist er der erste namentlich bezeugte Glaubensbote auf dem Boden des heutigen Österreich. Zur Zeit des Zerfalls des Römischen Reiches war er ein Brückenbauer und Ratgeber, der bei Germanen und Romanen, Arianern wie Katholiken großes Ansehen genoss. Die Biographie rühmt seinen karitativen Einsatz: Während einer Hungersnot kümmerte er sich um die Verteilung von Lebensmitteln und Kleidung. Er gründete Klöster in Bojotro (bei Passau) und Favianis (Mautern) und hatte auch Kontakt in den Salzburger Tennengau (Cucullis-Kuchl).

    Am 8. 1. 482 starb er in Favianis. Die 488 abziehenden Romanen nahmen seine Gebeine nach Pizzofalcone (heute Teil Neapels) mit, wo sie seit dem 19. Jh. in Frattamaggiore (Kampanien) verehrt werden. Früher war Severin zweiter Patron der Erzdiözese Wien.

    Das 1954 in Wien-Heiligenstadt in der Pfarrkirche St. Jakob entdeckte Grab kann nicht als authentisch bezeichnet werden.

    Diese Vita ist dem Direktorium der Erzdiözese Wien entnommen.

  • San Giovanni in Laterano – Mutter aller Kirchen

    Im Morgenimpuls von Msgr. Mag. Clemens Abarahmowicz,
    Stadtpfarrer von Baden bei Wien
    (Video: youtu.be/WH8enUyd4Cc)

    Einen gesegneten Tag in Vorbereitung auf den Sonntag!
    Heute feiern wir den Weihetag der Basilika San Giovanni in Laterano – der ursprünglichen päpstlichen Kirche in Rom, der „Mutter aller Kirchen“.

    Dieses Fest erinnert uns daran, dass Kirche nicht einfach eine Institution oder ein Gebäude ist. Wir selbst sind Kirche – als Brüder und Schwestern, als lebendige Steine, zusammengefügt mit dem Schlussstein Christus. Ein anderes biblisches Bild: Christus ist das Haupt, wir sind seine Glieder. Wenn wir in Christus sind, dann lebt er durch uns in der Welt.

    In der ersten Lesung hören wir von der Wasserquelle, die aus dem Tempel von Jerusalem hervorsprudelt. Das Wasser durchfließt das Land, bis es sogar das Tote Meer erreicht – und dort, wo dieses Süßwasser hinkommt, entsteht neues Leben. Links und rechts am Fluss wachsen immergrüne Bäume, deren Früchte und Blätter Heilung bringen.

    Diese Vision ist ein Sinnbild für die Kirche:
    Das lebendige Wasser steht für die Gnade Gottes, für die Sakramente, die heilen und Leben schenken.
    Wo Christus wirkt, dort entsteht Leben, Frieden, Freiheit und Freude.

    Möge uns dieser Tag daran erinnern, Kirche zu leben – als Quelle des Lebens.

    Es segne und behüte euch der allmächtige Gott: der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

    Summary
    Am 9. November feiert die Kirche den Weihetag von San Giovanni in Laterano – der Mutter aller Kirchen. Ein Fest, das daran erinnert: Kirche sind nicht Mauern, sondern wir selbst – lebendige Steine im Leib Christi.

  • Jona Woche

    Am Montag hören wir von Jona, der vor Gott flieht – und doch erfährt: Selbst in der Tiefe des Meeres bleibt Gottes Hand bei uns, um uns neu ans Licht zu führen.

    Am Dienstag begegnen wir einer Stadt, die auf das Wort Gottes hört – und entdecken: Wo Umkehr geschieht, verwandelt sich Gericht in Gnade.

    Am Mittwoch zeigt uns Gott sein Herz – weiter als unser Zorn, barmherziger als unsere Gerechtigkeit: Er sorgt sich um Menschen und Geschöpfe, selbst um Ninive und den kleinen Rizinus.

    Das ganze Buch Jona kann man gemütlich in fünfzehn Minuten lesen.
    Den ersten Teil kennen viele noch aus der Kinderbibel – die Geschichte vom Propheten, der vor Gott flieht und von einem großen Fisch gerettet wird.

    Die anderen beiden Teile der lectio continua – der fortlaufenden Lesung – sind weniger bekannt. Dabei sprechen sie tief in unsere Zeit hinein:
    Sie erzählen von Umkehr, Versöhnung und einem Gott, der Mitleid hat mit allen Menschen und mit seiner ganzen Schöpfung.

    Wie gut täte es unserer Welt, wenn auch die Friedensgespräche unserer Tage so gnädig endeten wie dieses kleine Buch – entstanden wohl im 5. oder 4. Jahrhundert vor Christus, als Hoffnungsgeschichte für eine neue Zeit nach dem babylonischen Exil.


    Detail am Rande: In der Stadt Rom wurde heute als Lesung der Beginn der Apostelgeschichte statt des dritten Kapitels des Jona Buches verwendet, weil dort der heutige Rosenkranz Tag als das wichtigere Fest gefeiert wird.

  • Liebesgeschichte mit Gott

    Am Donnerstag habe ich mit Yuliya in der Albertina ein sehr sympathisches Ehepaar aus Deutschland kennengelernt. Sie kommt aus Bayern und hat einige Semester Kunstgeschichte studiert. Er kommt aus dem Norden und ist Physiker.

    Die beiden beklagten, dass sie noch nie in einem „richtigen“ Wiener Kaffeehaus waren, weil vor den bekannten immer Warteschlangen sind. Bald kamen wir auf die Frage: „Gibt es für Sie Gott?“

    Gestern waren wir dann gemeinsam im Stephansdom. Ich habe den beiden meine Lieblingskirche als das gezeigt, was sie für mich ist – eine Liebesgeschichte mit Gott.

    Sie haben mich anschließend im Diglas in der Wollzeile auf einen Melange eingeladen. Dann bekam ich auf WhatsApp eine Nachricht, die mich sehr freut.

    Lieber Harald,

    vielen Dank für die Fotos und Deine persönlichen Worte.

    Dieser Wienbesuch wurde zu etwas ganz Besonderen und Einmaligem. Welch glückliche Fügung, Dich zu treffen und Deine warmherzige, großzügige Freundschaft teilen zu können!

    Wir hoffen, in Kontakt zu bleiben und Euch wieder zu treffen.

    Herzlichst,

    Elisabeth und Wolfgang