Wer sind eigentlich diese Freimaurer?

Kollage erstellt am 12.10.2026 aus Bildern in Wikipedia.

Eine parlamentarische Anfrage will wissen, welche Regierungsmitglieder Freimaurer sind. Darüber kann man berichten. Befremdlich wird es allerdings, wenn eine Qualitätszeitung diese Frage ausführlich behandelt, ohne ihren Lesern wenigstens kurz zu erklären, was Freimaurerei überhaupt ist.

Ein Kommentar von Harald R. Preyer

Ich finde es zumindest befremdlich, dass eine manchmal immer noch recht gute Zeitung ernsthaft einen Artikel der Frage widmet, welche Mitglieder unserer Bundesregierung Freimaurer sind.

Nicht weil diese Frage grundsätzlich unzulässig wäre. Politiker in höchsten Staatsämtern müssen mit Fragen nach möglichen Interessenkonflikten und informellen Netzwerken leben. Nur: Eine Mitgliedschaft in einer privaten Organisation ist noch kein Beweis für irgendeine Einflussnahme.

Journalistisch weit störender finde ich daher etwas anderes: Wenn man schon einen Artikel über Freimaurer schreibt, sollte man seinen Leserinnen und Lesern wenigstens in wenigen Sätzen erklären, was Freimaurerei eigentlich ist.

Sonst bleibt genau jener geheimnisvolle Beigeschmack übrig, von dem Verschwörungstheorien seit Jahrhunderten leben.

Was ist Freimaurerei?

Die moderne Freimaurerei entstand aus Traditionen und Symbolen der mittelalterlichen Steinmetzbruderschaften. Als wichtiger Beginn der organisierten modernen Freimaurerei gilt das Jahr 1717, als sich vier Londoner Logen zu einer Großloge zusammenschlossen. 1723 erschienen die berühmten Konstitutionen, die stark von den Gedanken der Aufklärung geprägt waren: religiöse Toleranz, persönliche Bildung, gesellschaftliche Verantwortung und ein Zusammenleben unabhängig von Herkunft und Stand.

In Österreich wurde die erste Loge 1742 in Wien gegründet, die erste österreichische Großloge entstand 1784. Die Geschichte verlief alles andere als geradlinig: Freimaurer wurden zeitweise von den Habsburgern verboten, später unter dem Nationalsozialismus verfolgt und ihre Organisationen aufgelöst. Nach 1945 wurde die österreichische Freimaurerei wieder aufgebaut.

Die österreichische Großloge beschreibt ihre Grundsätze heute mit fünf Worten:

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität.

Sie versteht Freimaurerei ausdrücklich als Arbeit an der eigenen Persönlichkeit und nicht als Religion oder politische Partei. Logen verwenden Rituale und Symbole; ihre Mitglieder pflegen Diskretion. Gerade diese Diskretion ist vermutlich einer der Gründe dafür, warum Freimaurerei bis heute so leicht mit Geheimniskrämerei verwechselt wird.

Man kann diesen Bund sympathisch finden oder nicht. Man kann auch seine gesellschaftlichen Netzwerke kritisch betrachten. Aber man sollte zunächst wissen, worüber man spricht.

Fünf österreichische Freimaurer

Wolfgang Amadeus Mozart trat 1784 der Wiener Loge „Zur Wohltätigkeit“ bei. Seine Zugehörigkeit ist historisch zweifelsfrei dokumentiert. Freimaurerische Gedanken finden sich in seiner Musik und besonders deutlich in der „Zauberflöte“. Was Mozart der Menschheit hinterlassen hat, bedarf kaum einer weiteren Erläuterung.

Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi wurde 1921 in die Wiener Loge Humanitas aufgenommen. Er war Gründer der Paneuropa-Bewegung und einer der frühen Vordenker eines politisch vereinten Europas. 1926 schied er aus politischen Gründen wieder aus der aktiven Freimaurerei aus.

Karlheinz Böhm, vielen noch als Schauspieler aus den „Sissi“-Filmen bekannt, war Freimaurer. Bedeutender als seine Filmkarriere erscheint mir sein späteres Lebenswerk: Mit „Menschen für Menschen“ widmete er Jahrzehnte seines Lebens der Entwicklungsarbeit in Äthiopien. Die österreichische Großloge führt ihn ausdrücklich unter ihren bekannten verstorbenen Mitgliedern.

Helmut Zilk, Journalist, Unterrichtsminister und Wiener Bürgermeister, bekannte sich ebenfalls zur Freimaurerei. Auch er wird von der österreichischen Großloge als Mitglied geführt. Seine politische Biografie mag man unterschiedlich beurteilen; dass er Wien kulturell und gesellschaftlich über viele Jahre mitprägte, lässt sich schwer bestreiten.

Und schließlich Hans Peter Haselsteiner. Er sagte 2020 vor dem parlamentarischen Ibiza-Untersuchungsausschuss ganz selbstverständlich über sich selbst: „Als bekennender Freimaurer, ja.“ Haselsteiner ist Unternehmer, Kunstmäzen und Förderer zahlreicher kultureller und sozialer Projekte. Über andere Logenmitglieder wollte er – entsprechend dem freimaurerischen Diskretionsprinzip – keine Auskunft geben.

Das sind fünf Namen. Sie beweisen weder, dass Freimaurer bessere Menschen sind, noch dass ihre Organisation über jede Kritik erhaben wäre.

Sie zeigen aber, wie dürftig die bloße Frage „Ist dieser Minister Freimaurer?“ ist, solange nicht erklärt wird, was dieses Wort überhaupt bedeutet.

Die Anfrage kam übrigens vom Generalsekretär einer Partei, die gerne christliche Symbole verwendet ohne christlich zu handeln. Und die Zeitung war leider DIE PRESSE.

Und ich?

Ich bin definitiv kein Freimaurer.

Nicht aus Angst vor irgendwelchen geheimen Ritualen und auch nicht, weil ich Freimaurer grundsätzlich für schlechte Menschen hielte. Viele ihrer Ideale – Humanität, Toleranz, Brüderlichkeit und die persönliche Verpflichtung, an sich selbst zu arbeiten – kann ich gut nachvollziehen.

Mir stehen trotzdem die Ideale und vor allem der Glaube der römisch-katholischen Kirche näher.

Das ist übrigens nicht nur eine persönliche Geschmacksfrage. Die katholische Kirche betrachtet eine aktive Mitgliedschaft in der Freimaurerei weiterhin als mit ihrer Lehre unvereinbar; der Vatikan hat diese Position erst 2023 ausdrücklich bestätigt.

Und dann gibt es für mich noch einen ganz einfachen, beinahe emotionalen Grund:

Ich mag den Gedanken, dass ich zu einer Kirche gehöre, deren Geschichte nahezu zwei Jahrtausende zurückreicht. Zu einer Gemeinschaft mit Heiligen und Sündern, großen Irrtümern und großartigen Menschen, Brüchen, Reformen und immer wieder neuem Anfang.

Ich brauche keine Loge.

Ich habe meine Kirche.

Aber gerade deshalb kann ich den Freimaurern mit genügend Gelassenheit begegnen, um zunächst einmal wissen zu wollen, wer sie tatsächlich sind – bevor ich mich vor ihnen fürchte.

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